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29. Mai 2024

Funktion einer Waffe mit Vorlaufzündung

 Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Post aus dem Bereich der Waffentechnik. Heute sehen wir uns die Funktion einer Waffen mit echter Vorlaufzündung an. Bedeutet, die Zündung beschied wirklich noch während des Vorlaufes und nicht erst danach, wenn der Verschluss bereits zum stehen gekommen ist.

Weil es immer wieder zu Verwechslungen kommt, hier nochmal der deutliche Hinweis, dass so gut wie keine bekannte Handfeuerwaffe echte Vorlaufzündung verwendet. Die meisten günstigen Maschinenpistolen wie Uzi, Sten, PPSch-51 oder Thompson M1A1 zünden durch ihren Verschlussvorlauf, nicht während diesem. Eine Ausführliche Erklärung des Unterschiedes findet sich am Ende des Posts.

Aber nun zur Erklärung, denn im Gegensatz zur ''Zündung durch Vorlauf'' ist die '''Zündung während des Vorlaufes''' (eng. Advanced Primer Ignition) verriegelungsrelevant. Durch eine spezielle Einrichtung, wird die Patrone bereits gezündet, noch bevor der Verschluss in seiner vordersten Position angekommen ist. Dadurch müssen die Stoßbodenkräfte, vor allem der Gasdruck, nicht nur die Masseträgheit des Verschlusskörpers überwinden, sondern zusätzlich gegen dessen nach vor gerichteten Bewegungsimpuls ankämpfen, um diesem jetzt endlich zu einer Bewegung nach hinten zu zwingen.

Eine Zündung während des Vorlaufes ist nur möglich wenn, zum einen der Zündstift zu einem genau bestimmten Zeitpunkt auf das Zündmittel der Patrone trifft. Zum anderen muss dem Zündstift ein Gegenlager geboten werden, damit sein auftreffen auf das Zündmittel nicht einfach zu einem ''nach vorne schieben'' der Patrone führt.

Die Waffe befindet sich in Ruhe, eine Patrone ist jedoch bereits aus dem Patronenvorrat entnommen worden und wird von den Auszieherkrallen (dunkelrot) des Verschlusses (rot) gehalten. Der Verschluss (rot) befindet sich in hinterster Stellung und wurde gegen die Verschlussfeder gespannt.

Der Bewegungsimpuls beträgt zu diesem Zeitpunkt 0, der Gasdruck in der Patrone beträgt mit 1 bar in etwas den Druck der Umgebungsluft.


Der Schütze hat den Abzug abgekrümmt, der Verschluss (rot) beginnt seinen Weg nach vorne. Angetrieben wird er dabei von seiner Schließfeder. Bei seinem Vorlauf stößt die Zündwippe (grün) des Verschlusses (rot) auf eine gehäusefeste schräge Ebene (cyan), die Zündwippensteuerkurve. Diese zwingt die Zündwippe, zur einer Rotation, welche den Zündstift (schwarz) langsam in Richtung Zündhütchen zwingt.

Der Bewegungsimpuls des Verschlusses ist nun hoch, der Gasdruck liegt noch bei 1 bar.

Der Verschluss (rot) setzt seinen Vorlauf weiter fort, dabei wird die Zündwippe (grün) von der gehäusefesten Steuerkurve (cyan) soweit zur Rotation gezwungen, dass der Zündstift (schwarz) in das Zündhütchen der Patrone (messingfarben) gedrückt wird. Dies ist nur deshalb möglich, weil die Auszieherkrallen (dunkelrot) die Patrone an ihrem Platz halten, wären diese nicht vorhanden, würde die Patrone einfach nach vorne weg gedrückt werden.

Es kommt zur Zündung der Patrone, da sich jedoch der Gasdruck in der Brennkammer der selbigen erst entwickeln muss, setzt der Verschluss seinen Vorlauf noch ein wenig fort.

Der Bewegungsimpuls des Verschlusses ist nach wie vor hoch, der Druck in der Patrone steigt, kann aber vorerst wenig ausrichten, da die Patrone erst noch ein geschlossenes System darstellt.

Das Geschoss hat den Mund der Patronenhülse verlassen, die Gasdrucksäule im Lauf ist nun in der Lage, sowohl das Geschoss durch den Lauf zu treiben als auch die Patronenhülse nach hinten. Ursache dafür ist die Allseitigkeit des Drucks in Geschlossenen Räumen nach den Gesetzen von Blaise Pascal.

Der auf die Patronenhülse ausgeübte Druck versucht diese nach hinten aus der Patronenkammer heraus zu treiben, diese wird jedoch vom Verschluss (rot) abgestützt. Diese besitzt jedoch zu diesem Zeitpunkt immer noch einen nach vorne gerichteten Bewegungsimpuls, welcher zunächst vom Gasdruck überwunden werden muss. Ist dies geschehen, besitzt der Verschluss (rot) für einige Sekundenbruchteile eine Geschwindgeit von genau 0. Er bleibt kurz stehen, bevor er seine vorderste Position erreichen kann. Der stehende Verschluss besitzt, zwar keinen Bewegungsimpuls mehr, jedoch noch einen Ruheimpuls entsprechend seiner Masse. 

Ab dem Zeitpunkt seines Zwischenstopps, verhält sich ein Verschluss mit ''Zündung während des Vorlaufes'' genau wie ein regulärer Masseverschluss. Der Gasdruck treibt nun den Verschluss nach hinten, wobei die Patronenhülse wieder aus dem Patronenlager herausgezogen und schließlich ausgeworfen wird. Dabei zieht sich der Zündstift meist aus Sicherheitsgründen wieder aus dem Stoßboden zurück.

Vorteile und Nachteile

Das große Vorteil des Systems ist, dass man durch ''Zündung während des Vorlaufes'' den Verschluss deutlich leichter konzipieren kann als bei reinen Masseverschlüssen. Je nach Gasdruck der verwendeten Patronen und der Verschlussvorlaufgeschwindigkeit, lässt sich das Gewicht um bis zu 66% verringern. Da die Vorlauf Geschwindigkeit eine derart große Bedeutung für das System darstellt, werden meist sehr potente Verschlussfedern verbaut. Die Verschlussfeder der 20 mm Oerlikon Maschinenkanone muss entweder von drei Mann oder durch ein Spannseil mit starker Hebelwirkung gespannt werden.

Der große Nachteil des Systems ist zum einen die aufwändige Zuführung. Aus dem Patronenvorrat entnommene Patronen müssen umfassend ergriffen werden und gegen den Stoßboden fixiert werden, um dem Zündstift ein Gegenlager zu bieten. 

Zu anderen muss die Munition sehr sorgfältig produziert werden. Sollte es zu einem Spätzünder kommen, bei welchem ein abgeschlagenes Zündhütchen erst zeitlich verzögert die Treibladung entzündet, so wird es vorkommen, dass der Verschluss seinen Vorlauf bereits abgeschlossen hat. Vorne an- und zum stehen gekommen, würde sich der Verschluss wie ein normaler Masseverschluss verhalten, hätte jedoch für den Druck der Patrone nicht die nötige Masse. Die sichere Verschlussgeschwindigkeit würde überschritten werden.

Verschlüsse mit ''Zündung während des Vorlaufes'' haben zudem ein Problem mit der S-Strecke mancher Patronen und setzen deshalb meist zwingend besondere Munition voraus. Ist dies nicht möglich, so müssen entsprechende Waffen mit verlängerten Patronenkammern ausgestattet werden, welche eine Patrone auch dann schon umfänglich abstützen, auch wenn diese noch nicht vollständig in das Patronenlager eingeführt wurde.

Waffen die nachweisliche keine echte Vorlaufzündung besitzen

Immer wieder wird vor allem in Sachbücher] einfachen Maschinenpistolen wie der israelischen Uzi eine ''Zündung während des Vorlaufes'' nachgesagt. Dies ist jedoch durch aktuelle Zeitlupenaufnahmen und zeitgenössische Experimente widerlegt worden.

Für das Experiment wurden 30 Schuss im Einzelfeuer aus einer Uzi-Maschinenpistole regulär abgegeben. Danach wurde ein blinder Auszieher verbaut, die Patronen einzeln in die Patronenkammer der Waffe gelegt und abgefeuert. Da keine schnellere Verschlussrücklaufgeschwindigkeit gemessen wurde, ist dazu auszugehen, dass die Patronen erst bei vollständiger Einführung in die Patronenkammer zünden und nicht schon während des Vorlaufes.

Grundlagen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn ,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970

17. Mai 2022

Waffenfunktion: Indirekter Gasdrucklader mit Gasstaudüse und Kurzhub, Drehkopfverschluss

Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch indirekt wirkenden Gasdruck, Zapfung in Staudüse und durch Antrieb eines Kurzhubkolbens. Verriegelt durch Verriegelt durch Drehung des Verschlusskopfes . Eingesetzt beim G42(w) mit anderer Verriegelung.

Waffenfunktion: Indirekter Gasdrucklader mit Gasstaudüse

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht, das Treibmittel in der Patrone setzt sich durch Verbrennung in Pulvergase um, da diese Pulvergase mehr Raum einnehmen als das ursprüngliche Treibmittel steht es unter einem enormen Druck und verfügt über eine extreme Spannenergie. Der Druck wirkt zu allen Seiten hin, der auf das Heck des Geschosses wirkende Druck treibt das Geschoss durch den Lauf der Waffe. Der nach hinten gerichtete Druck auf den Innenboden der Patronenhülse versucht zwar die Patronenhülse nach hinten zu treiben, diese wird aber vom Verschlusskopf (rot) abgestützt. Dieser wiederum ist über seine Verriegelungswarzen (dunkelrot) mit dem Schildzapfen des Laufes (dunkel petrol) formschlüssig statisch verriegelt. Eine Rückwärtsbewegung der Patronenhülse wird verhindert.

Bild 3: Nachdem das Geschoss den Lauf der Waffe verlassen hat, tritt es in die Gasstaudüse ein. Die gespannten Pulvergase folgen dem Geschoss und füllen sofort den Gasstauraum aus, sobald es dazu in der Lage ist. Nachdem das Geschoss die Gasstaudüse passiert hat, bildet es für eine kurze Zeit einen annähernden Pfropfen in der Mündung der Staudüse. Auf diese Weise verhindert das Geschoss, dass das Gas aus der Staudüse entweichen kann. Das Gas in der Staudüse beaufschlagt alle ihm zur Verfügung stehenden Flächen. Darunter auch die Stirn des Ringkolbens (grün). Da dieser Kolben (grün) beweglich gelagert ist, wird dieser nach hinten getrieben.

Da der Kolben (grün) gegen den Verschlussträger (lila) abgestützt ist, treibt er diesen nach hinten. Dabei fährt der Verschlussträger (lila) über dem Verschlusskopf (rot) hinweg, zunächst noch, ohne diesen zu bewegen.

Bild 4: Erst, wenn der Steuerbolzen (dunkel rot) am Verschlusskopf (rot) in Kontakt mit dem ansteigenden Teil, der in den Verschlussträger (lila) eingeschnittenen Steuerkurve, kommt, wird der Verschlusskopf (rot) zu einer Rotation gezwungen. Dabei verlassen die beiden Verriegelungswarzen (dunkel rot) ihre Warzentaschen im Schildzapfen (dunkel patrol).

Gleichzeitig verlässt das Geschoss die Gasstaudüse und sorgt so für ein plötzliches Abfallen des Drucks in Lauf und Staudüse. Damit der Druck im Lauf schneller auf ein sichere Niveau sink, sind in den hinteren Teil der Gasstaudüse Gasentlüftungsbohrungen geschnitten, welche dann freigegeben werden, wenn der Ringkolben (grün) seine hinterste Position erreicht hat.

Bild 5: Ist der Lauf entlüftet und kein gefährlich hoher Gasdruck mehr in diesem vorhanden, kann die Patronenhülse gefahrlos aus der Patronenkammer ausgezogen werden. Dies gescheit durch den Verschlusskopf (rot), dessen Steuerbolzen (dunkel rot) das Ende der Steuerkurve im Verschlussträger (lila) erreicht hat und von diesem nach hinten mitgezogen wird. Dies ist möglich, da der Verschlussträger (lila) vom Gaskolben (grün) stark genug angetrieben wurde, dass dessen Bewegungsimpuls ausreicht, um den Rückweg auch ohne weiteren Antrieb durch den Kolben (grün) zu bewältigen. Der Gaskolben (grün) wird nach dem absinken des Gasdrucks in der Gasstaudüse von seiner Rückwohlfeder wieder in Position gebracht, wodurch die Gasstaudüse für den nächsten Schuss wieder verschlossen wird.

Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Waffenlehre für die Bundeswehr, Heinz Dathan, 1972

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn ,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung von:

waffentechnik.wordpress.com

5. Mai 2022

Waffenfunktion: Direkter Gasdrucklader mit beweglichem Lauf, Masseverschluss

Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch direkten Gasdruck, verschlossen durch einfachen ungebremsten Masseverschluss, Öffnung durch Vorwärtsbewegung des Laufes. Eingesetzt bei Mannlicher M1894, Schwarzlose M1909, M1908 und Hino-Komuro M1908.

Direkter Gasdrucklader mit beweglichem Lauf
Waffenfunktion: Direkter Gasdrucklader mit beweglichem Lauf

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht, die Treibladung in der Patrone setzt sich vom festen in einen gasförmigen Zustand um. Da das Verbrennungsgas mehr Raumvolumen einnimmt, als die Treibladung in festem Zustand, entsteht ein enormer Druck in der Brennkammer der Patronenhülse. Dieser Druck wirkt gleichzeitig zu allen Seiten hin. Der auf das Geschossheck einwirkende Gasdruck bewirkt ein heraustreten des Geschosses aus Hülsenmund. Die Geschossbewegung beginnt.

Bild 3: Das Geschoss ist in den Übergangskonus des Laufes (petrol) eingetreten. Die Patronenhülse stellt nun kein geschlossenes System mehr dar. Ab diesem Punkt, ist der auf den Hülseninnenboden wirkende Gasdruck in der Lage, die Patronenhülse, wie einen Hohlkolben, nach hinten aus dem Patronenlager heraus zu schieben. Da der Stoßboden der Waffe (rot) fest mit dem Griffstück oder Gehäuse der Waffe verbunden ist, kann dieser nicht nach hinten getrieben werden. Stattdessen wird der beweglich gelagerte Lauf (petrol) nach vorne bewegt. Patronenhülse und Patronenkammer verhalten sich demnach wie ein Selbstkolben, der seine eigene Bewegung antreibt.

Die verbreitete Annahme, dass die Vorwärtsbewegung des Laufes von der Reibung zwischen Geschoss und Lauf verursacht wird, ist zurückzuweisen, da es sich dabei um eine lokale Kraft handelt. Stellt man sich vor, dass die Patronenhülse fest mit dem Patronenlager verbunden wäre, so würde keine Vorwärtsbewegung des Laufes stattfinden können. Die Ursache für das Vorgleiten des Laufes ist der, durch den direkten Gasdruck verursachte, Aushub der Patronenhülse nach Rückwärts.

Bild 4: Da der Lauf (dunkel petrol) jedoch eine gewisse Masseträgheit besitzt, reduziert er die Aushubgeschwindigkeit der Patronenhülse. So ist gewährleistet, dass das Vorlaufen des Laufes nicht die Sicherheitsstrecke der Patronenhülse überschreitet, bevor das Geschoss den Lauf der Waffe verlassen hat. Da bei diesem System sowohl das Geschoss, also auch die Gegenmasse nach vorne beschleunigt werden, erzeugen beide Bewegungen eine entgegen gerichtete Gegenreaktion. Der Schütze erfährt demnach einen Geschossrückstoß und einen "Laufrückstoß", bei identischer Munition und Mündungsgeschwindigkeit erfahren direkte Gasdrucklader mit vorgleitendem Lauf einen stärkeren Rückschlag, als solche mit nach hinten gleitender Verschlussmasse.

Bild 5: Das Geschoss hat den Lauf der Waffe verlassen, worauf es zu einem abrupten Abfall des Gasdrucks im Lauf kommt. Kann der Lauf nun weiter nach Vorwärts gleiten, ohne dass die Gefahr von nach hinten austretendem Gasdruck besteht. Ein weiterer Effekt des Gasabfalls ist jedoch auch, dass der Gasdruck nun nicht mehr als Antriebskraft zur Verfügung steht. Der nach vorne getriebene Lauf hat jedoch vorher genug Bewegungsenergie aufnehmen können, um durch sein Beharrungsvermögen den Rest des Rücklaufes zu bewerkstelligen. Dabei wird, in der Regel, die Patrone am Stoßboden (rot) durch eine Auszieherkralle gehalten, welche die Hülse an ihrem Platz hält, während die Patronenkammer im Lauf nach vorne weggleitet.

Da der Lauf der Waffe bei den meisten Modellen mit diesem System vorne am Griffstück, oder dem Gehäuse der Langwaffe, anschlägt und dort einen Teil seiner Bewegungsenergie auf dieses überträgt, erfährt der Schütze eine Kraft, welche die Waffe nach vorne "Mucken" lässt.

Anmerkungen:

Bei Waffen mit getrenntem Lauf und Patronenkammer, kann die Reibung zwischen Geschoss und Innenlauf den Lauf tatsächlich nach vorne treiben. Diesen Effekt macht sich die us-amerikanische Schrotflinte Jackhammer zu nutzen, dabei handelt es sich jedoch um einen Transporter (Revolver) und nicht um einen Lader.

Würde man eine Waffe mit einer sehr ausgedehnten Freiflugstecke ausführen, so würde der Konusschock den Lauf einer Waffe nach vorne treiben können, auch wenn Lauf und Patronenkammer eine Einheit bilden würden. Der Konusschock ist ein Kraftstoß, welcher dem Übergangskonus von einem Geschoss erteilt wird, welches auf seiner Freiflugstrecke bereits eine beachtliche Geschwindigkeit erreichen konnte.

Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn ,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970

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waffentechnik.wordpress.com

4. Mai 2022

Waffenfunktion: Direkter Gasdrucklader zwischen verriegelt per Vertikalriegel

Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch direkten Gasdruck und zwischenverriegelt per Vertikalriegel. Verwendet im Sig MKMO (mit Kippblock anstelle eines Vertikalriegels).

Waffenfunktion: Direkter Gasdrucklader, zwischenverriegelt

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht, die Treibladung in der Brennkammer der Patronenhülse setzt sich in Pulvergase um. Da die Pulvergase mehr Raum beanspruchen als das Treibmittel, kommt es zu einer enormen Druckentwicklung. Dieser Druck beaufschlagt alle inneren Flächen der Brennkammer, so auch den Boden des Geschosses, dieses wird vom Druck aus dem Mund der Patronenhülse heraus in den Lauf getrieben. Sobald das Geschoss aus der Patronenhülse herausgetrieben wurde und die Brennkammer kein geschlossenes System mehr darstellt, ist der Gasdruck zudem in der Lage, die Patronenhülse nach hinten zu treiben. Da diese jedoch vom Verschlusskopf (rot) abgestützt wird, überträgt sich die Rückwärtsbewegung von der Hülse auf diesen. Weil der Verschlusskopf (rot) lediglich kraftschlüssig gelagert ist, macht er diese Rückwärsbewegung mit. Auf den, hinter dem Verschlusskopf (rot) ebenfalls kraftschlüssig gelagerten, Verschlussträger (lila) wird ebenfalls diese Rückwärtsbewegung übertragen.

Bild 3: Nachdem die Patronenhülse vom Gasdruck so weit nach hinten aufgeschoben wurde, dass fast ihre Sicherheitstrecke fast erreicht ist, wird der Verschlusskopf (rot) vom Stopzapfen des Vertikalriegels (grün) gestoppt. Der Verschlusskopf (rot) ist darauf hin nicht mehr in der Lage sich nach hinten zu bewegen, er wurde formschlüssig verriegelt.

Bild 4: Der Verschlussträger (lila) jedoch, wurde nicht vom Vertikalriegel (grün) gestoppt und kann sich unabhängig vom Verschlusskopf(rot) weiter nach hinten bewegen. Dabei stößt er nach einer bestimmten Strecke an die Entriegelungskulisse des Vertikalriegels (grün) und drückt dadurch den gesamten Riegel (grün) nach unten. Dadurch gibt der Stopzapfen den Verschlusskopf (rot) wieder frei. Das System wurde zeitlich so abgestimmt, dass der Verschlusskopf (rot) genau so lange angehalten wurde, dass das Geschoss den Lauf in der Zwischenzeit verlassen konnte.

Bild 5: Da das Geschoss den Lauf der Waffe schon verlassen hat, befindet sich kein Gasdruck mehr im Lauf. So kann auf der einen Seite die Patronenhülse gefahrlos ausgezogen werden, auf der anderen Seite steht dem Verschluss (rot) kein Gasdruck für seinen Rücklauf mehr zur Verfügung. Auch konnte er, wegen seines Anhaltens, keine Bewegungsenergie aufnehmen. Aus diesem Grund, ist der Verschlussträger (lila) für die weitere Öffnung verantwortlich, da er sich bereits, vor dem Druckabfall im Lauf, bewegt hatte, reicht sein Beharrungsvermögen aus, um den Verschlusskopf (rot) nach hinten zu schleifen. Dazu besitzt der Verschlussträger (lila) einen Hacken, welcher in den Verschlusskopf (rot) eingreift und bei einem bestimmten Abstand von beiden zu greifen kommt. Auf diese Weise kann der Verschluss (rot) nachträglich ohne Gasdruck geöffnet werden.

Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn ,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970

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3. Mai 2022

Waffenfunktion: Direkter Gasdrucklader per Hebel ins Langsame übersetzter Masseverschluss

Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch direkten Gasdruck und Übersetzung ins Langsame per Hebel, Masseverschluss. In keiner serienreifen Waffen verwendet.

Direkter Gasdrucklader mit Hebel-Übersetzung
Waffenfunktion: Direkter Gasdrucklader mit Hebel-Übersetzung

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht, die Treibladung wird in Pulvergase umgesetzt. Der Druck der Pulvergase drückt zu allen Seiten hin auf das Innere der Patronenhülse und den Geschossboden. Der Druck auf den Geschossboden treibt das Geschoss aus dem Mund der Patronenhülse heraus in den Lauf der Waffe. Sobald die Patronenhülse kein geschossenes System mehr darstellt, ist der Druck zudem in der Lage, die Patronenhülse nach hinten zu treiben. Da die Hülse vom Verschluss (rot) der Waffe abgestützt wird, überträgt sich die Bewegung auf diesen.

Bild 3: Der Verschluss (rot) läuft nach hinten, ist jedoch so mit dem längeren Arm eines Hebels (grün) verbunden, das er diesen bei seinem Rücklauf zu einer Kippbewegung zwingt. Der Hebel (grün) selber ist gegen eine Zusatzmasse (lila) abgestützt, welcher er zu einer Vorwärtsbewegung zwingt. Es kommt zu einer Übersetzung ins Langsamere, für jede Bewegung, welche der Verschluss (rot) zurücklegt, wird die Zusatzmasse (lila) zu einer entsprechenden kleinen Bewegung gezwungen. Es kommt zu einem mechanischen Vorteil, die Zusatzmasse (lila) kann mit weniger Kraft bewegt werden, als dies ohne die Hebelwirkung möglich wäre.

Bild 4: Trotzdem läuft die Öffnung des Verschlusses (rot) langsamer ab, als wenn die Zusatzmasse (lila) nicht mit dessen Bewegung gekoppelt wäre, da auch dessen Masseträgheit überwunden werden muss. Das System setzt dem Gasdruck genau so viel Widerstand entgegen, dass das Geschoss den Lauf der Waffe verlassen hat, bevor dessen Sicherheitsstrecke überschritten wird.

Bild 5: Sobald das Geschoss den Lauf der Waffen verlassen hat, fällt der Gasdruck in diesem rapide ab und steht nicht mehr für den Antrieb des Verschlusses (rot) zur Verfügung. Der Verschluss (rot) hat jedoch während der Antriebszeit genug Bewegungsenergie aufnehmen können, um den Rest der Rücklaufstrecke auch ohne Antrieb zurücklegen zu können. Dabei wird gegen Ende ein Punkt erreicht, an dem der Hebel (grün) die Hauptmasse (lila) maximal nach vorne gezwungen hat, um den letzten Rest des Rücklaufes des Verschlusses (rot) zu erleichtern, rutscht der Hebel (grün) in eine Aussparung im Verschluss (hell rot).

Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970

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2. Mai 2022

Waffenfunktion: Direkter Gasdrucklader per Drehkopf ins Schnelle übersetzter Masseverschluss

Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch direkten Gasdruck und Übersetzung ins Schnellere per Drehkopf, Masseverschluss. Verwendet in der CMMG Banshee.

Waffenfunktion: Direkter Gasdrucklader mit Drehkopf-Übersetzung 

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht, die Treibladung in der Brennkammer der Patronenhülse wird durch Verbrennung in Pulvergase umgesetzte. Da die Pulvergase mehr Raum einnehmen als das Treibmittel entsteht ein enormer Druck. Dieser Druck wirkt zu allen Seiten in gleich Stark, der auf das Heck des Geschosses wirkende Druck treibt das Geschoss aus der Hülse in den Lauf. Sobald das Geschoss den Übergangskonus reicht, ist der Druck in der Lage die Patronenhülse nach hinten zu treiben. Da die Hülse vom Verschluss (rot) abgestützt wird, überträgt sich deren Bewegung auf den Verschluss (rot), welcher nach hinten laufen möchte. Da die Verriegelungswarzen (dunkel rot) des Verschlusses (rot) sich jedoch im Schildzapfen des Laufes (dunkel petrol) befinden, ist es dem Verschluss (rot) nicht möglich gerade nach hinten zu laufen.

Bild 3: Da die Verriegelungswarzen (dunkel rot) jedoch über schräge Flächen verfügen, zwingen sie den Verschluss (rot) zu einer bestimmten Drehbewegung, für jeden Strecke die der Verschluss (rot) nach hinten zurücklegt. Die Rückwärtsbewegung wird in eine Drehbewegung übersetzt. Da der Verschluss (rot) hinten mit einem Steuerstift (blau) in die Steuerkurve der Zusatzmasse (lila) eingreift, zwingt der Verschluss (rot) mit den Steuerstift (blau) die Zusatzmasse (lila) zu einer nach hinten Bewegung. Dabei sind diese zwei Übersetzungen so berechnet, dass für jede Strecke, die der Verschluss (rot) zurücklegt, die Zusatzmasse (lila) eine größere Strecke zurück gezwungen wird. Es kommt zu einer mechanischen Abschleuderung der Zusatzmasse (lila), wie zu erkennen ist, da der Relative Abstand von Verschluss (rot) zur Zusatzmasse (lila) immer weiter zunimmt.

Bild 4: Dieser getriebetechnische Nachteil sorgt dafür, dass der Gasdruck viel mehr Kraft für die Öffnung der Waffe aufbringen muss, als dies der Fall wäre, wenn er nur den Verschluss (rot) zur Drehung zwingen müsste. Dazu zusätzliche beschleunigte Zurückzwingen der Zusatzmasse (lila), verbraucht so viel Energie, dass sich die Verriegelungswarzen (dunkel rot) erst dann vollständig aus dem Schildzapfen des Laufes (dunkel Patrol) heraus gedreht haben, wenn das Geschoss den Lauf der Waffe verlassen hat.

Bild 5: Hat das Geschoss den Lauf der Waffe verlassen, kommt es im Lauf zu einem abrupten Abfall des Gasdrucks. Worauf dieser nicht mehr für den Antrieb des Verschlusses (rot) zur Verfügung steht. Der Verschluss (rot) und vor allem die Zusatzmasse (lila) haben jedoch während der Antriebsphase genug Bewegungsenergie aufgenommen, um den Rücklauf auch ohne Antrieb zurück zu legen. Dabei erreicht auch der Steuerbolzen (blau) das Ende der Steuerkurve in der Zusatzmasse (lila) und es findet keine weitere Drehung und damit auch keine weitere Übersetzung statt, der Rücklauf geschient nicht mehr unter einem mechanischen Nachteil.

Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

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29. April 2022

Waffenfunktion: Direkter Gasdrucklader per Rollen ins Schnelle übersetzter Masseverschluss

Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch direkten Gasdruck und Übersetzung ins Schnellere per Rollen, Masseverschluss. Verwendet in H&K G3 und Mauser Gerät 08H.

Direkter Gasdrucklader mit Rollenübersetzung
Kinematik: Direkter Gasdrucklader mit Rollenübersetzung

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht, das Treibladungspulver setzt sich in Pulvergase um, welche in der Brennkammer der Patrone zu allen Seiten wirken. Die Pulvergase, welche auf den Geschossboden wirken treiben das Geschoss aus dem Hülsenmund heraus. Sobald das Geschoss in den Übergangskonus eintritt und die Patrone kein geschlossenes System mehr darstellt, ist der Gasdruck in der Lage die Patronenhülse nach hinten zu treiben. Da die Patronenhülse vom Verschlusskopf (rot) abgestützt wird, überträgt sich die Rücklaufkraft das Hülse auf diesen.

Bild 3: Da der Verschlusskopf (rot) selber kraftschlüssig gelagert ist, bewegt sich dieser nach hinten. Im Verschlusskopf (rot) sind jedoch zwei Rollen (grün) gelagert, diesen werden vom Keil des Verschlussträger (lila) in zwei Rollentaschen im Waffengehäuse gedrückt. Diese Rollentaschen sind nach hinten flach auslaufend gestaltet. Diese Gestaltung sorgt dafür, dass die Rollen (grün) aus den Taschen herausrollen können, wenn der Verschlusskopf (rot) sich nach hinten bewegt. Beim zurücklaufen des Verschlusses (rot) werden die Rollen (grün) nicht nur nach hinten bewegt, sondern durch die Taschenform gleichzeitig in den Verschlusskopf (rot) eingedrückt. Werden die Rollen (grün) in den Verschluss (rot) eingedrückt, wirken sie dabei auf die schrägen Flächen des Keils des Verschlussträgers (lila). Dies sorgt dafür, dass der Verschlussträger (lila) nach hinten getrieben wird. Die Schrägen der Taschen, der Durchmesser der Rollen (grün) und die Schrägen des Kiels (lila) sind so berechnet, dass für jede Strecke die der Verschlusskopf (rot) zurücklegt, der Verschlussträger (lila) eine größere Strecke nach hinten gezwungen wird. Es kommt zu einer getriebetechnischen Übersetzung ins Schnellere, einer Abschleuderung. Gut zu erkennen ist dies, wenn man sich den Relativen Abstand von Verschluss (rot) und Verschlusskörper (lila) zu einander ansieht.

Bild 4: Dieser mechanische Nachteil sorgt dafür, dass sich der Verschluss (rot) viel langsamer öffnet, als er dies tun würde, wenn der Verschlussträger (lila) fest mit ihm verbunden wäre und beide eine Masse bilden würden. Durch die zweifache Umlenkung der Bewegung, geht ein Großteil der vom Verschlusskopf (rot) aufgenommenen Energie muss er dafür drauf, den Verschlussträger (lila) zu beschleunigen.

Bild 5: Sobald das Geschoss den Lauf der Waffe verlassen hat, kommt es im Lauf zu einem schnellen Absinken des Gasdrucks, dies sorgt dafür, dass dem Verschluss nun keine Antriebskraft mehr zur Verfügung steht. Der Verschluss (rot) und Verschlussträger (lila) haben jedoch während der Antriebsphase genug Bewegungsenergie aufnehmen können, um den Rest des Rücklaufes ohne zusätzlichen Antrieb zu bewältigen. Ab einem gewissen Grad der Öffnung des Verschlusses (rot) enden die Pisten der Rollentaschen, da die Rollen (grün) komplett in den Verschlusskopf (rot) eingedrückt wurden. Ist dies geschehen, können die Rollen (grün) den Keil (lila) nicht weiter vom Verschluss (rot) wegdrücken. Die Übersetzung der Bewegung endet und Verschlusskopf (rot) und Verschlussträger (lila) verhalten sich wie eine Masse, welche keinen mechanischen Nachteil mehr überwinden muss. Der Rest des Rücklaufes gescheit aus diesem Grund schneller.

Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn ,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung von:

waffentechnik.wordpress.com

28. April 2022

Waffenfunktion: Direkter Gasdrucklader per Hebel ins Schnelle übersetzter Masseverschluss

Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch direkten Gasdruck und Übersetzung ins Schnellere per Hebel, Masseverschluss. Verwendet im französischen FAMAS Sturmgewehr.

Direkter Gasdrucklader mit Übersetzung per Hebel
Kinematik: Direkter Gasdrucklader mit Übersetzung per Hebel

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht, die Treibladung in der Brennkammer der Patronenhülse setzt sich in Pulvergase um. Der Druck dieser Pulvergase wirkt zu allen Seiten gleichzeitig, der Druck auf den Boden des Geschosses sorgt dafür, dass das Geschoss aus dem Hülsenmund in den Lauf getrieben wird. Sobald das Geschoss die Hülse verlässt und diese kein geschlossenes System mehr darstellt, kann der Gasdruck die Patronenhülse nach hinten schieben. Da die Patronenhülse hinten vom Verschluss (rot) abgestützt wird, überträgt sich die Kraft auf diesen. Da der Verschluss (rot) selber nur kraftschlüssig gelagert ist, bewegt sich dieser ebenfalls nach hinten.

Bild 3: Mit dem Verschluss (rot) verbunden ist ein Hebel (grün) mit zwei Armen, einem kurzen und einem Langem. Der kurze Arm des Hebels (grün) lagert in einer Mulde des Waffengehäuses. Bei Rücklauf des Verschlusses, wird der kurze Arm des Hebels (grün) so gegen das Waffengehäuse verschoben, dass er dazu gezwungen wird sich zu bewegen. Der lange Arm des gleichen Hebels (grün) dagegen ist so gegen eine Zusatzmasse (lila) gelagert, das eine Bewegung des Hebels dazu führt, dass diese Zusatzmasse (lila) weggedrückt wird.

Bild 4: Da das empfangende Ende des Hebels (grün) kurz und das ausgebende Ende des Hebels (grün) lang ist, wird für jede Bewegung des Verschlusses (rot) die Zusatzmasse (lila) zu einer Bewegung mit mehr Strecke gezwungen, sie wird abgeschleudert. Diese mechanische Übersetzung von einer langsamen starken Bewegung in eine schnelle schwache Bewegung einer größeren Masse sorgt für einen erheblichen mechanischen Nachteil. Der Verschluss (rot) öffnet sich erheblich langsamer als dies der Fall wäre, wenn die Zusatzmasse (lila) ohne Übersetzung einfach flach anliegen würde.

Bild 5: Verlässt das Geschoss den Lauf der Waffe, so kommt es im Lauf zu einem plötzlichen Abfall des Gasdrucks. Dadurch steht dieser der Patronenhülse nicht mehr als Antrieb zur Verfügung. Der Verschluss hat jedoch bei seinem, bereit auf Bild 2 begonnenen, Rücklauf genug Bewegungsenergie aufgenommen, um den Rest des Rücklaufes alleine zu bewerkstelligen. Bei seinem weiteren Rücklauf erreicht der Hebel (grün) das Ende der Anhebung der Mulde im Waffengehäuse. Sobald der Hebel maximal abgekippt ist, findet keine Übersetzung zwischen Verschluss (rot) und Zusatzmasse (lila) mehr statt. Beide verhalten sich für den Rest des Rücklaufes wie eine Masse ohne getriebetechnischen Nachteil.

Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn ,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970

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27. April 2022

Waffenfunktion: Direkter Gasdrucklader per Hebel ins Langsame übersetzter Masseverschluss (Angeblich)

Angebliche Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch direkten Gasdruck und Übersetzung ins Langsamere per Hebel, Masseverschluss. Verwendet in FN 57 "Sive-seveN".

Achtung: Bei dieser Beschreibung, handelt es sich um die Wiedergabe einer, im us-amerikanischen Sprachraum weit verbreiteten, Ansicht zur Funktion des Systems. Diese wurde jedoch widerlegt, eine Beschreibung der tatsächlichen Abläufe des Systems folgt bald

Direkter Gasdrucklader mit Hebelübersetzung
Kinematik: Direkter Gasdrucklader mit Hebelübersetzung

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht, die Triebladung wird in die Treibgase umgesetzt. Der Druck dieser Gase wirkt in der Brennkammer der Patrone zu allen Seiten hin. Die auf den Geschossboden wirkenden Gase treiben das Geschoss aus der Hülse in den Lauf der Waffe. Sobald das Geschoss in den Übergangskonus eintritt, ist der Gasdruck in der Lage, die Patronenhülse nach hinten zu treiben. Da die Hülse vom Verschluss (rot) abgestützt wird, übertragt sich die Rücklaufkraft auf diesen. Da der Verschluss (rot) selber nur kraftschlüssig abgestützt ist bewegt sich dieser ebenfalls nach hinten.

Bild 3: In eine Mulde im Verschluss (rot) sitzt jedoch der Arm eines Hebels (grün). Bei seinem Rücklauf zwingt der Verschluss (rot) diesen Hebel (grün) dazu abzukippen. Da der Hebel (grün) auch Kontakt mit dem beweglich gelagerten Lauf (petrol) hat, überträgt der Hebel (grün) sie Öffnungsbewegung auch auf den Lauf. Dabei arbeitet der Hebel (grün) gegen die natürliche Vorwärtsbewegung des Laufes. Diese entsteht, wenn das Geschoss vom Gasdruck nach vorne durch den Lauf getrieben wird und durch Reibung diese Bewegung auf den Lauf überträgt.

Bild 4: Durch die Verkettung der Bewegung von Verschluss (rot), Hebel (grün) und Lauf (petrol) wird der Lauf gezwungen, für jede Strecke welcher der Verschluss (rot) zurücklegt ebenfalls eine kleinere Strecke zurückzulegen. Bei der Öffnung muss also also die Masseträgheit vom Verschluss (rot) und vom Lauf (petrol) überwunden werden. Zudem wird die Öffnungsbewegung dadurch erheblich verlangsamt, das der Lauf (petrol) mit seiner Patronenkammer dem Verschluss (rot) folgt.

Bild 5: Sobald das Geschoss den Lauf der Waffe verlassen hat, kommt es im Lauf der Waffe zu einem plötzlichen Abfall des Gasdrucks, wodurch er dem Verschluss (rot) als Antrieb nicht mehr zur Verfügung steht. Dieser hat jedoch bei seinem Rücklauf bis dahin genug Bewegungsenergie aufgenommen, um durch sein Beharrungsvermögen weiter zurückzulaufen. Dabei klingt sich seine Mulde aus dem Hebel (grün) aus und der Verschluss (rot) kann seinen Rücklauf, ohne die zusätzliche Massebelastung durch den Lauf (petrol), vorsetzen.

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24. April 2022

Waffenfunktion: Direkter Gasdrucklader mit Gasdruck belastetem Masseverschluss

Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch direkten Gasdruck, belastet per Gasbelastungskolben, Masseverschluss. Verwendet in H&K P7 und Largo Alien.

Kinematik: Direkter Gasdrucklader mit Gasbelastung

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht, das Treibmittel in der Patronenhülse setzt sich in Gasdruck um. Dieser Gasdruck beaufschlagt das innere der Patronenhülse, wie auch den Boden des Geschosses. Letzterer Druck treibt das Geschoss aus dem Hülsenmund heraus. Sobald das Geschoss die Patronenhülse verlassen hat, ist der Gasdruck in der Lage die Patronenhülse nach hinten zu treiben. Da diese vom Verschlusskörper (rot) abgestützt wird, überträgt sich die Rücklaufkraft auf diesen. Da der Verschluss lediglich kraftschlüssig abgestützt ist, beginnt dieser mit dem Rücklauf.

Bild 3: Das Geschoss passiert eine Gasentnahmebohrung im Lauf und der Gasdruck füllt in kürzester Zeit den Belastungszylinder. Dort beaufschlagt der Gasdruck die Kolbenstirn des Belastungskolbens (blau). Da der Belastungskolben (blau) der Öffnungsbewegung des Verschlusses (rot) entgegen wirkt, kommt es zu einem Kräftekonflikt. Bei diesem hat jedoch der Verschluss (rot) die Oberhand, da seine vom Gasdruck beaufschlagte Fläche größer ist. Dabei handelt es sich um den inneren Boden der Patronenhülse, welche vom Gasdruck immer noch nach hinten getrieben wird.

Bild 4: Das Kräftemessen der beiden Kolben sorgt jedoch dafür, dass sich der Verschluss (rot) langsamer öffnet, als dies der Fall wäre, würde der Belastungskolben (blau) nicht existieren.

Bild 5: Sobald das Geschoss den Lauf der Waffe verlässt, verlieht erst der Öffnungskolben, bestehend aus Lauf und Patronenhülse und kurze Zeit drauf auch der Schließkolben, besteht aus Belastungszylinder und Belastungskolben (blau), seinen Gasdruck und damit seine Antriebskraft. Da jedoch der Verschluss über die ganze Zeit hinweg stärker angetrieben wurde, hat er bei seinem Rücklauf genug Bewegungsenergie aufnehmen können, um sich durch sein Beharrungsvermögen selber komplett zu öffnen.

Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn ,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970

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