21. Juni 2022

Hat "Moderne Handfeuerwaffen" von "Infanteriewaffen Heute" abgeschrieben?

Hallo alle zusammen und damit herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag.

Na da bin ich ja mal  wieder über eine schöne Kuriosität in der deutschen Waffenliteratur gestolpert aber eines nach dem anderen, denn die Geschichte ist echt lustig. Alles hat damit angefangen, dass ich mir vor einigen Monaten ein Video der Waffenlords angesehen habe. Ihr wisst schon diese deutschen Jungs, die mit Pappys Waffen spielen dürfen und darüber unfassbar schlechte YouTube drehen.

Ich frage mich ja schon länger, woher die Junge den Unsinn haben, den sie so über Pappas Waffen erzählen. Sie sagen zwar in ihren Videos immer, dass ihr Wissen aus Fachliteratur stammt aber selbst auf mehrmalige Anfrage können sie weder einen Autoren noch einen Titel nennen. Aber im besagten Video wurde etwas so unfassbar krudes behauptet, dass ich da einfach mal nachsehen musste. Dazu sollte ich eventuell kurz erwähnen, dass man nicht jede Falschaussage unbedingt gut in die Fachliteratur zurück verfolgen kann aber wenn der Fehler extrem komisch ist, wird es in der Regel recht einfach, weil besonders krude Fehler nicht so oft abgeschrieben werden.

Der Fehler um den es geht ist folgende Behauptung:

"Der IMI Galil* hat Bohrungen, durch welche die Pulvergase strömen, dabei säubern diese Pulvergase den Verschluss der Waffe."

Dass das völliger Unsinn ist, sollte jedem klar sein. Aber meine Frage war jetzt, wo die Waffenlords diese Behauptung aufgeschnappt haben könnten. Und wie immer, wenn es darum geht Unsinn in der deutschen Waffenliteratur ausfindig zu machen, gibt es grundsätzlich immer zwei Verdächtige. Und zwar genau die beiden Bücher, welche auch für das Groß des Unfugs in der deutschen Wikipedia verantwortlich sind.

Einmal das Buch Schützenwaffen Heute ein Buch aus der ehemaligen DDR, das früher Anfängern oft empfohlen wurde aber heute als hoffnungslos veraltet gilt und Moderne Handfeuerwaffen aus der Reihe Waffen und Gerät - ihr wisst schon, diese rechteckigen Kladden, die an der kürzeren Seite Gebunden sind. 

Da ich zum Glück nur erstes Buch habe, hab ich da auch gleich mal nachgesehen aber meinen Mitautoren mal gebeten, im zweiten nachzusehen, da mein geschätzter Helfer ja ein Herz für schlechte Waffenbücher hat, besitzt Danny natürlich ein Exemplar von Moderne Handfeuerwaffen.

Ich bin dann in Schützenwaffen Heute auch sehr schnell fündig geworden und so finden sich im ersten Band ganz hinten bei Israel auf Seite. 261-262 die folgenden Worte:

"Durch die secht Bohrungen des Gaskolbenführungsringes entweicht eine geringe Menge des Gases nach hinten, reinigt dabei Verriegelungszapfen, Stoßboden und Zubringer. Verschmutzung durch Sand, Wasser oder Schlamm werden somit vermieden."

Nun dachte ich mir schon, dass wir nun die Quellen des Wissens der Waffenlords kennen aber kaum hatte ich das gedacht, meldet sich mein Mitautor bei mir, um mir zu erklären, dass in Moderne Handfeuerwaffen auf Seite 112-113 folgendes zu lesen ist:

"Durch sechs Bohrungen im Führungsring des Gasklobens strömt eine geringe Menge der Pulvergase nach hinten und reinigt dabei Verriegelungswarzen, Stoßboden und Gleitbahn des Verschlusses, wodurch Verschmutzungen und Funktionsstörungen durch Sand, Wasser oder Schlamm vermieden werden."

Der Übeltäter, Moderne Handfeuerwaffen, Ian Hogg
Das ist ja ziemlich offensichtlich Beiname der gleiche Text. Wie gelangt denn der Text eines Buches aus der ehemaligen DDR in ein Buch, welches angeblich aus dem Englischen übersetzt wurde? Moderne Handfeuerwaffen stammt übrigens von Ian V. Hogg und heißt im Original Small Arms: Pistols and Rifles und ist bei Greenhill Military Manuals erschienen.

Das naheliegendste ist natürlich, dass Willi Kaiser, der Übersetzer von Moderne Handfeuerwaffen, bei den Autoren von Infanteriewaffen Heute abgeschrieben hat, was ja eigentlich nicht seine Aufgabe war, er sollte lediglich übersetzten. Um hier Klarheit zu schaffen, müsste man sich nun das englische Original ansehen aber das scheint ,stand 21.06.2022, keiner zu besitzen, den ich kenne und auch in keiner deutschen Bibliothek zur Einsicht verfügbar zu sein.

Fazit: Modere Handfeuerwaffen sollte man nach wie vor nicht als seriöse Quelle ansehen.

P.S.

Interessant sind zudem die keinen Änderungen wie von Gaskolbenführungsringes zu Führungsring des Gasklobens oder von Zubringer zu Gleitbahn des Verschlusses. Was übrigens zwei verschiedene Sachen sind, das eine bezieht sich auf die Platte im Magazine, welche die Patronen nach und nach nach Oben befördert und das anderen kennen wir einfach als Verschlussbahn. Warum hier getauscht wurde bliebt unklar.

Das beiweitem interessantestes sind aber die technisch korrekten Verriegelungszapfen welche aber zu genau den Verriegelungswarzen wurden, welche einige Waffentechniker versuchen sprachlich auszurotten, da es sich um einen untechnischen Begriff handelt.

Nachtrag vom 21.04.2023

Da man sich das englischsprachige Original mit dem Titel Small Arms: Pistols and Rifles mittlerweile bei Archive.org digital ausleihen lässt, habe ich natürlich sofort doch nachgesehen und konnte feststellen, dass sich im Kapitel über Galil und Galatz auf den Seiten 120 bis 123 (Link) der Unsinn mit der Selbstreinigung nicht auffinden lässt. Auch eine Auskopplung mit dem Titel Modern Military Rifles von John Walter, mit beinahe identischem Text, lässt im Kapitel über den Galil auf den Seiten 85 bis 86 (Link) die Selbstreinigung vermissen. Dafür wird dort jedoch angegeben, dass der Galil AR keinen Spanngriff (cocking handle) mehr besitzen würde, wahrscheinlich war hier Tragegriff (carrying handle) gemeint. 

*Galil (heb. גליל) bedeutet Galiläar, also eine männliche Person die in der Gegend von Galiläa wohnt. Es ist folglich der Galiläa, wie es dann der Galil ist.

15. Juni 2022

Vertikale und horizontale Verriegelung oder Verschlusskopf- und Verschlussträger-Verriegelung

 Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Post,

ich bin mit einem neuen Begriff aus der Waffenkunde konfrontiert worden und zwar der vertikalen Verriegelung und der horizontalen Verriegelung

Und da ich mich für absolut allen anderen Menschen überlegen halte, habe ich demjenigen natürlich sofort ein a nescire ad non esse um die Ohren gehauen gefolgt vom guten alten Feld D8. Auf gut Deutsch hab ich ihm also gesagt, dass wenn ich was nicht kenne es das auch nicht gibt, weil ich eben alles weiß.

Nein, das habe ich natürlich nicht gemacht, sondern mich gefreut, dass es endlich mal wieder was neues gibt, dass ich auf dem Gebiet der Waffenkunde noch nicht kenne. Also hab ich ganz schnall nach mehr Kontext und der genauen Definition gefragt und hab dann auch prompt Antwort bekommen.

Und zwar geht es verkürzt darum, dass nicht alle Waffen mit ihrem Verschlusskopf direkt eine 90°-Verbindung mit dem Waffengehäuse eingehen und dass es auch Modelle gibt, wo Verschlusskopf und Schildzapfen andere Kontaktwinkel haben. Wer jetzt bei Dannecker (2016, Seite 21) gut aufgepasst hat der weiß, dass es dann keinem Formschluss, sondern einen Kraftschluss gibt.

Verschlussträger-Verriegelung (oben)
Verschlusskopf-Verriegelung (unten)
So einfach scheint das Ganze aber gar nicht zu sein, denn nur weil eine Verbindung kraftschlüssig ist,  muss dies ja nicht auf alle Kanten zutreffen. So kann ich mich noch gut daran erinnern, dass mir die Abstützfläche des FN FAL immer schon sehr flach vorkam. Aber da wird ja auch der Verschlusskopf von Träger unten gehalten und genau das ist es, was man mit horizontaler Verriegelung zu meinen scheint.

Hier eine kleine Grafik eines  Kippblockverschlusses. Die Stoßbodenkräfte F mit ihrem grünem Pfeil drücken auf den roten Verschlusskopf. Dieser ist mit einer 45°-Kante im grauen Waffengehäuse abgestützt. Nun kommt es zu einer Kräftezerlegung welche in den beiden cyanfarbenen Pfeilen sichtbar wird. Ein Teil der Kraft wird auf das Gehäuse übertragen und ein anderer möchte den roten Verschlussträger gerne nach unten drücken. Dies resultiert an den Kontaktstellen vom roten Verschlusskopf und lilafarbenem Verschlussträger in den gelben Kraftpfeilen. Da diese Kontaktstellen aber, aus Sich des roten Verschlussträgers, 90° Flächen sind, kommt es hier zu einer formschlüssigen Verrieglung. Die Stoßbodenkraft F kann den Verschluss nicht öffnen, da Verschlusskopf und Verschlussträger mit einander verriegeln und das mit den namensgebenden horizontalen Flächen.

Bei Bild unten wirken die gleichen Stoßbodenkräfte F mit ihrem grünen Kraftpfeil auf den roten Verschlusskopf. Dieser ist jedoch mit einer 90° Fläche mit dem grauen Waffengehäuse in Kontakt. Der Verschluss ist bereits hier formschlüssig verriegelt und zwar durch einer vertikalen Kontaktfläche.

Der Unterschied besteht also im Ort des Formschlusses, dieser ist ein einer Waffe an mehreren Orten und vor allem zwischen mehreren Elementen möglich. Der früheste Schluss ist einfach der zwischen Verschlusskopf und Lauf, wie ihn AK und M16 ausweisen. Dann kann es zu einem Formschluss zwischen Übertragungsglied und Waffengehäuse kommen wie bei Stützkappen* oder Schwenkriegelverschlüssen* und wie hier zu sehen erst zwischen Verschlussträger und Gehäuse wie scheinbar bei FN FAL und Stg.44.

Aber wo liegt jetzt der praktische Unterschied? Das wird nicht in vollem Umfang so einfach zu beantworten sein aber denken wir uns mal in ein idealisiertes Modell hinein, in dem es keine Schwerkraft gäbe. Würde man im ersten Bild den lilafarbenen Verschlussträger einfach verschwinden lassen, würde sich der Verschlusskopf, unter dem Einfluss der Stoßbodenkräfte, nach unten bewegen und sich öffnen. Dabei müsste er nur zusätzliche Masseträgheit für die Vertikalbewegung überwinden.

Der unter Verschluss würde sich auch nach einem Verschwinden des Verschlussträgers nicht öffnen, da er sich selbst formschlüssig abstützt. Der Verschlussträger ist hier auf die Aufgabe reduziert, den Kopf in Position zu drücken und hat danach nicht mehr zu tun. Dadurch kann er natürlich aus weicherem Material gebaut werden.

Ein weitere Schlüsselpunkt ist die Reibung, wird der Verschluss oben durch ein indirektes Gassystem zwangsgeöffnet, so entsteht an den gelben Pfeilen eine Reibung. Diese entsteht, wenn die Stoßbodenkräfte noch bei voller Kraft sind. Der Verschlussträger muss also gegen diese Reibung nach hinten gezogen werden. Möchte man dies verhindern, so darf das Gassystem erst sehr spät in Aktion treten, was die theoretisch mögliche Feuergeschwindigkeit der Waffen reduziert.

Das untere System ist noch weit anfälliger, hier pressen die Stoßbodenkräfte den Verschlusskopf hinten ans Gehäuse, diese Verbindung muss vom Verschlussträger zwangs gelöst werden, in dem dieser den Kopf nach unten zieht. Dabei muss dieser die Reibungskräfte zwischen überwinden, was zu Abrieb führen kann. Dieser langsame Verlust an Material kann auf lange sich zu einem falschen Verschlussabstand führen.

Fazit: Vertikalen und horizontale Verriegelung gibt es und eine Unterscheidung kann, je nach Anwendungsbereich sehr wichtig sein.

P.S.

Noch mal vielen Dank für die Anregung, ich bin immer froh, wenn es mal neue Anstöße im sonst eher drögen Bereich der Waffenkunde gibt.

*bevor ich hier jetzt RPD für den Stützklappenverschluss und das vz.58 für den Schwenkriegelverschluss nennen, würde ich doch gerne erstmal gucken, ob die beiden denn wirklich mit ihren Übertragungsliedern verriegeln und nicht auch mit ihren Verschlussträgern. Denn da bis jetzt nur selten sauber unterschieden wurde, sollte man besser keine alten Kamellen ungeprüft abschreiben. Das dazugehörige Experiment ist übrigens denkbar einfach: 

Man nimmt sich die Waffe, entfernt den Verschlussträger und baut sich aus Klingeldraht oder Schaumstoff einen Ersatzkörper, der einfach nur das jeweilige Übertragungsglied davon abhält, unter der Schwerkraft aus einer Position heraus zu fallen. Alternativ kann man auch einfach die Waffe so hinlegen, dass die Schwerkraft für einen arbeitet. Anschließend führt man den Stifttest aus, den ja jeder kennen sollte. Öffnet sich der Verschluss ist der fehlende Verschlussträger wohl maßgeblich an der formschlüssigen Verriegelung beteiligt.

7. Juni 2022

Waffenfunktion: Rückstoßlader mit lang zurückgeleitendem Lauf, Vertikalriegel

Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch den Geschossrückstoß mit Wirkung auf Verschluss-Lauf-Koppelgruppe. Verriegelt durch Vertikalriegel. Verwendet mit anderem Verriegelungselement bei Browning AUTO-5 und Chauchat Maschinengewehr.

Rückstoßlader mit lang zurückgeleitendem Lauf
Kinematik: Rückstoßlader mit lang zurückgeleitendem Lauf

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht, das Pulver in der Pulverkammer der Patronenhülse setzen sich in Pulvergase um. Da die Gase ein vielfaches an Volumen besitzen als das Pulver in seinem festen Zustand entsteht ein gewaltiger Drück, welcher zu allen Seiten hin wirkt. Die erste bewegliche Angriffsfläche bietet dem Pulver der Boden des Geschosses, welcher unter dem Druck aus der Patronenhülse heraus in den Übergangskegel des Laufes getrieben wird. Sobald das Geschoss den Übergangskegel erreicht und die Patrone kein geschlossenes Bezugssystem mehr darstellt, versucht der Gasdruck die Patronenhülse, wie einen Hohlkolben, nach hinten zu treiben. Die Hülse wird jedoch vom Verschluss (rot) abgestützt und überträgt die Kraft des Gasdrucks auf diesen. Der Verschluss (rot) ist jedoch über den Vertikalriegel (grün) mit dem Lauf (dunkel Petrol) verbunden. Der Verschluss ist formschlüssig statisch verriegelt, eine Öffnungsbewegung findet nicht statt.

Ebenfalls kann der direkt auf den Stoßboden wirkende Gasdruck die Lauf-Verschluss-Koppelgruppe nicht nach hinten bewegen, da der Gasdruck zu diesen Zeitpunkt nur im lokalen Bezugssystem wirksam werden kann. Erst, wenn das Geschoss den Einpresswiderstand in die Felder des Laufes überwunden hat und eine gewisse Geschwindigkeit erreicht, kommt es nach dem dritten Gesetzt nach Newton zu einer Gegenreaktion. Diese Gegenreaktion wirkt, im Gegensatz zum Gasdruck, nicht im lokalen sondern im globalen Bezugssystem. Dabei nutzt diese das Gas als fluidmechanischen Körper zur Übertragung der Gegenreaktion auf den Stoßboden des Verschlusses (rot) der Waffe. Da der Verschluss (rot) über den Vertikalriegel (grün) mit dem Lauf (dunkel petrol) gekoppelt ist, wird der Lauf im Waffengehäuse (grau) mit nach hinten gezogen.

Bild 3: Der Gesamte Rücklauf der Koppelgruppe wird durch den Rückstoß angetrieben. Am Ende des gemeinsamen Rücklaufes stößt der Vertikalriegel (grün) auf eine Steuerkulisse (lila). Diese zwingt den Vertikalriegel (grün) nach unten, worauf dessen Verriegelungsflächen ihre Lager in Verschluss (rot) und Lauf (dunkel Patrol) verlassen. Die Kopplung von Verschluss (rot) und Lauf (dunkel petrol) wird aufgehoben.

Bild 4: Unter der Kraft einer eigenen Rückhohlfeder wird der Lauf (dunkel petrol) wieder nach vorne zurück bewegt. Dabei entsteht ein Spalt zwischen zurückgehaltenem Verschluss (rot) und dem Lauf (dunkel petrol). Da die Patronenhülse nach wie vor von der Auszieherkralle am Verschluss (rot) gehalten wird, wird das Patronenlager (dunkel Petrol) von der unbeweglich stehenden Hülse heruntergezogen. Sobald der Lauf (dunkel petrol) wieder vorne in seiner Ausgangsposition ankommt, betätigt er dabei einen Unterbracher welcher den Verschluss (rot) wieder freigibt, welcher durch die Schließfeder wieder nach vorne fährt.

Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Waffenlehre für die Bundeswehr, Heinz Dathan, 1972

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn ,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung von:

waffentechnik.wordpress.com

5. Juni 2022

Waffenfunktion: Indirekter Gasdrucklader mit Kammerhub, Schwenkriegel

Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch indirekt wirkenden Gasdruck, durch Antrieb einer schwimmenden Patronenkammer. Verriegelt durch einschwenken eines Nasenriegels. In keiner bekannten Waffen eingesetzt.

Kinematik: Gasdrucklader mit Kammerhub, Stützkappen

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht, die Pulverladung in der Patrone wird in Pulvergase umgesetzt, diese Gase wirken zu allen Seiten hin. Da die Patrone zu diesem Zeitpunkt jedoch noch ein geschlossenes System darstellt, könne die Gase nur eine Bewegung verursachen und zwar das heraustreiben des Geschosses aus dem Hülsenmund. Sobald das Geschoss die Patronenhülse verlässt, versuchen die Pulvergase die Patronenhülse, wie einen Hohlkolben, nach hinten aus der Patronenkammer (lila) zu schnieben. Da die Hülse jedoch vom Verschluss (rot) abgestützt wird, überträgt sich die Kraft auf diesen. Da der Verschluss (rot) jedoch mit der Patronenkammer (lila) via einem Schwenkriegel (grün) formschlüssig verbunden ist, kann der Gasdruck die Patronenhülse nicht nach hinten schieben. Der Verschluss ist formschlüssig statisch.

Jedoch befindet sich zwischen Patronenkammer (lila) und Lauf (dunkel petrol) ein Spalt, in diesem Spalt kann der Gasdruck eindringen und beaufschlagt dort sowohl eine Fläche welche zur Patronenkammer (lila) gehört als auch eine welche Teil des Laufes (dunkel petrol) ist.

Bild 3: Da der Lauf (dunkel petrol) gehäusefest ist, die Patronenkammer (lila) aber relativ zu Waffenlauf und Gehäuse beweglich gelagert ist, wird die Patronenkammer (lila) durch den Gasdruck nach hinten getrieben. Da die Patronenkammer (lila) gegen den Verschluss (rot) abgestützt ist, wird der Verschluss (rot) ebenfalls nach hinten getrieben. Dabei wird der Schwenkriegel (grün) gegen eine gehäusefeste Steuerkulisse (blau) geschoben, so dass dieser angehoben wird. Sobald das Geschoss im Lauf der Waffe stark genug beschleunigt wird, kommt es nach dem dritten Gesetzt nach Newton zu einer Gegenreaktion welche die Kriterien eines Rückstoßes erfüllt. Da dieser Rückstoß jedoch die Pulvergase als fluidmechanischen Körper benutzt, wirkt dessen Kraft ebenfalls im Graben zwischen Lauf (dunkel Petrol) und schwimmender Patronenkammer (lila).

Bild 4: Nach kurzem gemeinsamen Rücklauf mit dem Verschluss (rot) stößt die Patronenkammer (lila) gegen eine gehäusefeste Begrenzung und wird in ihrer Bewegung gestoppt. Da zu diesem Zeitpunkt der Schwenkhebel (grün) von der Steuerkulisse (blau) aus seiner Raste im Verschluss (rot) gehoben wurde, kann der Verschluss frei zurücklaufen.

Bild 5: Angetrieben wird der Verschluss (rot) bei seinem Rücklauf durch die kinetische Energie, welche er beim gemeinsamen Zurücklaufen mit der Patronenkammer (lila) aufgenommen hat. Diese Energie reicht aus, um die Patronenhülse aus der Patronenkammer (lila) auszuziehen. Geholfen wird ihm dabei von der Rückstellfeder der beweglichen Patronenkammer (lila), welche diese wieder nach vorne in ihre Ursprungsposition bringen möchte. Der Auszug der Hülse gescheit sowohl durch das zurücklaufen des Verschlusses, als auch durch das nach vorne laufen der Patronenkammer.

Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Waffenlehre für die Bundeswehr, Heinz Dathan, 1972

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

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30. Mai 2022

Waffenfunktion: Indirekter Gasdrucklader mit Zündhütchenhub, Stützkappenverschluss

Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch indirekt wirkenden Gasdruck, durch Antrieb eines beweglichen Zündhütchens. Verriegelt durch ausfahren zweier Stützkappen. Eingesetzt mit anderer Verriegelung bei Prototypen des Garand-Gewehrs von 1919.

Waffenfunktion: Indirekter Gasdrucklader, Stützkappen 

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht, das Treibmittel in der Brennkammer der Patrone wird chemisch in Treibgase umgesetzt, welche unter einem, enormen Druck stehen. Dieser Druck wirkt zu hallen Seiten hin und wirkt dabei auf das Heck des Geschosses, welches aus dem Mund der Patronenhülse heraus getrieben wird. Sobald das Geschoss in den Übergangskonus des Laufes eintritt und die Hülse kein geschlossenes System mehr darstellt, ist der Druck in der Lage nach hinten auf die Patrone zu wirken. Dabei versucht er diese wie einen Hohlkolben nach hinten zu schieben. Da die Hülse jedoch vom Verschluss (rot) abgestützt wird, überträgt sich die Kraft auf diesen. Der Verschluss wird jedoch durch zwei Stützkappen (grün) im Waffengehäuse (grau) abgestützt. Der Verschluss kann sich nicht öffnen, da er formschlüssig statisch verriegelt ist.

Durch die speziell gestaltete Patronenhülse ist der Gasdruck in der Brennkammer der Patronenhülse in der Lage das Zündhütchen (dunkel blau) nach hinten zu treiben, dabei betätigt das Zündhütchen (dunkel blau) den Zündstift (blau), dieser wird ebenfalls nach hinten bewegt und verhält sich dabei ähnlichem eines Gaskolben bei herkömmlichen Gasdruckladern.

Bild 3: Da es das Steuerstück (dunkel blau) ist, welches die Stützkappen (grün) nach außen zwingt, wird die Verriegelung des Verschlusses langsam gelöst, um so weiter der Zündstift (blau) nach hinten fährt.

Bild 4: Auch ohne direkten Antrieb durch das Zündhütchen (dunkel blau), fährt der Zündstift (blau) weiter nach hinten. Dabei wandert das Steuerstück (dunkel blau) so weit nach hinten, dass es die Stützkappen (grün) nicht mehr länger in die Stützkappentaschen im Waffengehäuse (grau) zwingt, sondern diese aus ihren Stützkappentaschen herauszieht, worauf sich diese in den Verschluss zurückziehen. Die formschlüssig statische Verrieglung des Verschlusses (rot) verwandelt sich nun in eine kraftschlüssig dynamische.

Bild 5: Sobald die formschlüssige Verriegelung durch die Stützkappen (grün) aufgehoben wurde, ist der Gasdruck im Lauf dazu in der Lage, die Patronenhülse nach hinten gegen den Verschluss (rot) zu treiben, welcher sich unter dieser Krafteinwirkung nach hinten bewegt und dabei die erste Hälfte der Repetierfunktion ausführt.

Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Waffenlehre für die Bundeswehr, Heinz Dathan, 1972

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

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23. Mai 2022

Waffenfunktion: Indirekter Gasdrucklader mit Gasüberlastung

Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch indirekt wirkenden Gasdruck, durch Antrieb eines Gaskolbens. Verriegelt durch Gasüberlastung in einem Belastungskolben. Da es sich um ein Gedankenexperiment handelt, existieren keine Waffen welche dieses System verwenden.

Indirekter Gasdrucklader, Gasüberlastung
Waffenfunktion: Indirekter Gasdrucklader, Gasüberlastung

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition..

Bild 2: Der Schuss bricht, das in der Brennkammer der Patronenhülse befindliche Treibmittel wird in Treibgase umgesetzt, welche zu alles Seiten hin wirken. Alleine die auf den Geschossboden wirkenden Gaskräfte können zu diesem Zeitpunkt etwas ausrichten und treiben das Geschoss aus dem Mund der Hülse heraus. Sobald das Geschoss in den Übergangskegel des Laufes eintritt, ist der Gasdruck in der Lage, die Patronenhülse wie einen Hohlkolben nach hinten gegen den Verschluss zu drücken. Da der Verschluss (rot) zu diesem Zeitpunkt nur mit seiner Masseträgheit dem Aushub der Hülse widerstehen kann, bewegst sich dieser nach hinten. Der Verschluss ist zu diesem Zeitpunkt kraftschlüssig dynamisch verriegelt.

Bild 3: Sobald das Geschoss die erste Gasentnahmebohrung im Lauf passiert, strömt Treibgas in den Gasbelastungszylinder des Gasbelastungssystems. Dort beaufschlagt es den Gasbelastungskolben (lila) rückwärtig, so dass dieser versucht den Verschluss (rot) zu schließen. Es kommt zu einem Kräftemessen zwischen der Patronenhülse, welche als Hohlkolben versucht den Verschluss (rot) zu öffnen und dem Belastungskolben (lila) welcher versucht den Verschluss zu schließen. Da der Belastungskolben dem Gasdruck jedoch eine größere Wirkfläche bietet, gewinnt der Gasbelastungskolben und ist in der Lage den Verschluss (rot) wieder zu schließen. Der Verschluss ist jetzt kraftschlüssig dynamisch verriegelt. Man spricht von einer Gasüberlastung.

Bild 4: Das Geschoss passiert die zweite Gasbohrung im Lauf, worauf sich der Zylinder das Gasentlüftungssystem mit Treibgasen füllt. In der Gasexpansionskammer des Entlüftungssystems beaufschlagt das Gas den Entlüftungskolben (grün) dieser bewegt ein Ventil im Gasbelastungskolben welches erst die Zufuhr von Gas aus dem Lauf unterbricht und anschließend eine Gasentlüftungsbohrung freigibt, darauf hin kommt es im Gasbelastungssystem zu einem rapiden Abfall von Gasdruck.

Bild4: Durch den Druckabfall im Gasbelastungskolben (lila) verlieht dieser seine Arbeitskraft und es gewinnt wieder die Patronenhülse, in ihrer Funktion als Hohlkolben, die Oberhand über den Verschluss (rot) und ist in der Lage, diesen nach hinten zu bewegen, wie bei eine, einfachen Masseverschluss. Die Waffe ist nun wieder kraftschlüssig dynamisch verriegelt. Durch den Resteigengasddruck im Lauf und die kinetische Restenergie des bewegten Massen, kann sich der Verschluss vollständig öffnen und den Repetiervorgang ausführen.

Um pneumatischen Schaltplan ergänzte Kinematik
Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Waffenlehre für die Bundeswehr, Heinz Dathan, 1972

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn ,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970

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20. Mai 2022

Waffenfunktion: Indirekter Gasdrucklader mit Langhub, Kniegelenkverschluss

Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch indirekt wirkenden Gasdruck, durch Antrieb eines Langhubkolbens. Verriegelt durch unterknickten Kniehebel. Reines Gedankenexperiment, bei keiner bekannten Schusswaffe eingesetzt.

Waffenfunktion: Indirekter Gasdrucklader, Kniehebelverschluss
Waffenfunktion: Indirekter Gasdrucklader, Kniehebelverschluss

 Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht die Treibladung setzt sich in Gasdruck um, welcher zu allen Seiten hin wirkt. Der auf das Geschossheck wirkende Druck treibt das Geschoss aus dem Hülsenmund heraus. Sobald das Geschoss in der Übergangskegel des Laufes eintritt sind die Gase in der Lage auf die Patronenhülse zu wirken und diese nach hinten zu drücken. Diese Kraft wird von der Hülse auf den Verschluss (rot) übertragen, welche diese wiederum auf den Kniehebel (grün) überträgt. Da dieser bereits nach unten vorgebeugt ist, versucht sich dieser in diese Richtung weiter zu öffnen. Daran wird er jedoch vom Steuerstück (blau) gehindert. Eine Öffnungsbewegung des Verschlusses kann nicht stattfinden. Die Waffe ist formschlüssig statisch verriegelt.

Bild 3: Das Geschoss passiert auf seinem Weg durch den Lauf die Gasentnahmebohrung des Gassystems. Ein Teil der Pulvergase strömen in die Gasexpansionskammer und beaufschlagen dort den Langhubkolben (blau). Dieser wird nach hinten getrieben, wobei das Steuerstück (blau) den Kniehebel (grün) aus seiner vorgebäugten Stellung heraushebt.

Bild 4: Der Gaskolben (blau) passiert die beiden Gasentlüftungsbohrungen, worauf des Gasdruck im Zylinder schlagartig abfällt. Dies ist nötig, damit beim nächsten Schuss aus der Waffe kein Restgas des vorherigen Schusses im Gassystem verbliebt, welcher zu einer Überfunktion der Waffe führen könnte. Der Gaskolben (blau) kann sich jedoch aufgrund seines zuvor aufgenommenen Bewegungsmomentes weiter nach hinten bewegen. Dabei hebt das Steuerstück (blau) den Kniehebel (grün) weiter aus seiner nach unten vorgebeugten Stellung und führt diesen in eine nach oben gebeugte Stellung über.

Bild 5: Da sich der Kniehebel (grün) nach oben öffnen kann, tut er dies unter seiner kinetischen Restenergie, welcher er durch den Stoß des Steuerstückt (blau) erhalten hat. Der Verschluss der Waffe öffnet sich und führt dabei den ersten Teil der Repetierfunktion aus.

Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Waffenlehre für die Bundeswehr, Heinz Dathan, 1972

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn ,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970

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18. Mai 2022

Waffenfunktion: Indirekter Gasdrucklader mit Langhub, Drehkopfverschluss

Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch indirekt wirkenden Gasdruck, durch Antrieb eines Langhubkolbens. Verriegelt durch Drehung des Verschlusskopfes. Eingesetzt bei AK-47, FN FNC, IMI Galil ARM und weitern.

Waffenfunktion: Indirekter Gasdrucklader mit Langhub

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht, das Treibmittel in der Brennkammer der Patrone setzt sich durch Verbrennung in Treibgase um. Da die Treibgase mehr Raum beanspruchen als das Treibmittel, entsteht ein starker Druck in der Brennkammer der Patrone. Dieser Druck wirkt zu allen Seiten hin. Dem Druck, welcher auf das Heck des Geschosses wirkt, wird jedoch der geringste Widerstand geboten und so wird das Geschoss von den Pulvergasen aus dem Patronenmund in den Lauf der Waffe bewegt. Gleichzeitig beaufschlagt der Druck die Wände der Patronenhülse, welche das relativ weiche Hülsenmaterial nach außen verformen. Begrenzt wird die Bewegung des Hülsenschaftes jedoch vom Patronenlager (dunkel petrol). Der nach hinten gerichtete Gasdruck versucht die Patronenhülse nach hinten aus dem Patronenlager heraus zu schieben, da die Patronenhülse jedoch vom Verschlusskopf (rot) abgestützt wird, überträgt sich die Bewegung auf diesen. Teil des Verschlusskopfes (rot) sind jedoch zwei Verriegelungswarzen (dunkel rot) welche gegen Gegenwarzen im Schildzapfen (dunkel petrol) gestellt sind. Der Verschlusskopf ist auf diese Weise formschlüssig verriegelt, eine Rückwärtsbewegung der Patronenhülse findet nicht statt.

Bild 3: Bei seinem Weg durch den Lauf, passiert das Geschoss eine Gasentnahmebohrung im Lauf. Die Treibgase stehen unter so einem hohen Druck, dass sie sofort durch die Bohrung in eine Gasexpansionskammer strömen. In dieser Kammer beaufschlagen sie alle Seiten, den wenigsten Widerstand bietet die hinterste Seite. Dabei handelt es sich im die Stirn des Antriebskolben (lila), welcher beweglich gelagert ist und nach hinten getrieben wird. Da der Antriebskolben (lila) fest mit dem Verschlussträger (auch lila) verbunden ist, wird auch dieser nach hinten getrieben. Dabei Läuft der Verschlussträger (lila) zunächst über den Verschlusskopf (rot) ohne diesen zu bewegen. Dies wäre auch nicht möglich, da der Verschlusskopf (rot) mit seinen Verschlusswarzen (dunkelrot) immer noch im Schildzapfen (dunkel petrol) verriegelt ist.

Bild 4: Erst wenn der mit dem Verschlusskopf (rot) verbundene Steuerbolzen (dunkel rot) mit der ansteigenden Steuerkurve im Verschlussträger (lila) in Kontakt kommt, wird die Rückwärtsbewegung des Verschlussträgers (lila) in eine Aufwärtsbewegung des Steuerbolzens (dunkel rot) umgewandelt. Diese Bewegung wiederum wird in eine Drehbewegung des Verschlusskopfes (rot) umgewandelt. Bei dieser Drehbewegung verlassen die Verriegelungswarzen (dunkel rot) ihre Warzentaschen im Schildzapfen (dunkel petron), welche bisher eine Rückwärtsbewegung verhindert haben.

Mittlerweile hat das Geschoss den Lauf der Waffe verlassen, worauf es zu einem schnellen Abfall des Gasdrucks im Lauf gekommen ist. Um auch die Gasexpansionskammer von Gas zu befreien, passiert der Gaskolben (lila) bei seinem Rücklauf, Gasentlüftungsbohrungen welche das Gas aus der Kammer nach außen leiten. Das Gas steht jetzt für den Antrieb des Gaskolbens (lila) nicht mehr zur Verfügung.

Bild 5: Da das Gas im Lauf keine Gefahr mehr darstellt und zudem die Patronenhülsenwände nicht mehr gegen die Innenwände der Patronenkammer gepresst werden, kann die Hülse gefahrlos nach hinten ausgezogen werden. Dies geschieht durch den Verschlusskopf (rot), dieser wurde über seinen Steuerbolzen (dunkel rot) durch die Steuerkurve komplett aus dem Schildzapfen (dunkel petrol) herausgedreht. Nach dem Ende der Drehbewegung, bleibt der Steuerbolzen (dunkel rot) im Ende der Steuerkurve des Verschlussträgers (lila) hängen und wird so von diesem mit nach hinten gezogen. Diese Rückwärtsbewegung kann der Verschlussträger (lila) auch ohne weiteren Gasantrieb bewerkstelligen, da die kinetische Restenergie seiner bewegten Masse dazu in der Lage ist. Da der Gaskolben (lila) mit dem Verschlussträger (auch lila) eine Einheit bilden, wird er die ganze Rückwegstecke mitgenommen.

Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Waffenlehre für die Bundeswehr, Heinz Dathan, 1972

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn ,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970

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