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3. März 2026

Sinn und Zweck der Patrone .300 Blackout einfach erklärt

Hallo allem zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag,

ich wurde auf einem Discord gefragt, ob Jemand denn mal möglichst einfach erklären könne, warum die Patrone .300 Blackout denn so etwas besonderes ist und da ich gerade etwas Zeit habe, übernehme ich dass doch mal mit Unterstützung.

Wenn man einen Schalldämpfer auf ein herkömmliches Gewehr schraubt, ich das leider nur die halbe Miete, denn neben dem Mündungsknall entsteht noch der Geschossknall. Dieser wird dadurch verursacht, dass das Projektil die Schallmauer durchbricht. Möchte man diesen Knall nicht haben, muss man dafür sorgen, dass die Projektil-Geschwindigkeit unter Schallgrenze bliebt.

.300 Blackout,
die Königin der Unterschallpatronen.

Das macht man meist einfach dadurch, dass man weniger Pulver in die Hülse lädt. Denn weniger Pulver erzeugt weniger Gasdruck und weniger Gasdruck beschleunigt das Geschoss im Lauf weniger stark und es fliegt am Ende deutlich langsamer. Das Problem ist nur, dass dann eine Hülse etwas so aussieht, wie hier auf dem Bild die zweite Patrone von links. Die Brennkammer der Patrone ist fast leer.

Zudem bekommen wir aufgrund der niedrigen Geschwindigkeit Probleme mit der kinetischen Energie, denn der Verlust an Geschwindigkeit resultiert auch in einem nicht unerheblichen Verlust von Zielwirkung.

Da unsere Geschwindigkeit begrenzt ist, wir wollen ja auf keinen Fall über die Schallgeschwindigkeit kommen, müssen wir unsere Zielwirkung aus der Masse des Projektils ziehen. Das tun wir, indem wir ein schweres Geschoss verladen, wie auf bei der dritten Patrone von links auf dem ersten Bild. Das hat zudem den Vorteil, dass wir bei einem schwereren Geschoss nun auch wieder etwas mehr Pulver verladen können, da ein schwereres Geschoss bei  gleichem Druck weniger stark beschleunigt wird, vereinfacht aus gedrückt.

Pulverwelle in einer Unterschallhülse

Nun ist unsere Brennkammer nicht mehr ganz so leer aber trotzdem haben wir ein großes Problem. Hält der Schütze die Waffe vor dem Schuss, zb. in der low ready Position, vor dem Schuss nach unten, befindet sich das meiste Pulver in der Geschossringniesche. Hat der selbe Schütze, die selbe Waffe mit dieser Munitionssorte vor dem Schuss jedoch nach Oben gehalten, so liegt das meiste Pulver in der nähe des Zündkanals aufgeschüttet. Bei beiden Fällen verhält sich die selbe Munition deutlich unterschiedlich bei Schuss. Beim Zweiten Fall kommt es sogar zu einer Pulverwelle, bei welcher das noch nicht entzündete Pulver wellenartig durch die Brennkammer schwabbt und am Geschossheck bricht. Was natürlich ebenfalls nicht gut für die Präzision ist.

Die erste Form der Abhilfe schafft hier Füllmaterial, welches beim Schuss mit dem Pulver verbrennt aber keine eigenen Rauchschwaden erzeugt. DieVerbrennungsrückstände sind jedoch meist schädlich für Lauf und Mechanik der Waffe.

Die wohl eleganteste Lösung sind Reduzierhülse, wie auf dem ersten Bild die vierte Patrone von links. Diese verfügen über eine reduzierte Brennkammer und können so wieder Ladedichten von 100% erreichen. Leider sind diese Hülsen zum einen sehr teuer und zum anderen recht schwer, die Ursache dafür ist, dass sie aus dem vollen gedreht und nicht aus Messingblech gezogen werden können.

Unterschallmunitionssorten für herkömmliche Patronen muss demnach entweder Abstriche bei der Präzision machen oder aber sie ist deutlich teurer in der Herstellung mit einem hohen Gewischt pro Patrone. Zudem müssen automatische Waffen, welche herkömmliche und Unterschall-Patronen verschießen sollen meist ein Geregeltes Gassystem anbieten oder bei der Verwendung von herkömmlicher Munition mit erheblicher Überfunktion zurecht kommen.

.300 Blackout als Über und
Unterschalllaborierung

.300 Blackout geht nun den Weg einer sehr kleinen Hülse in Verbindung mit einem sehr großen Geschoss. Diese Kombination ermöglich es herkömmliche und Unterschalllaborierungen mit hoher Ladedichte zu erschaffen. Bei der herkömmlichen Munition, hat das Geschoss eine vergleichsweise geringe Masse und eine hohe Setztiefe, das Geschoss ragt demnach nicht weit in die Pulverkammer hinein, welche ihrerseits mit viel Pulver gefüllt ist. Ergebnis ist ein rasantes Projektiv.

Die Unterschallform jedoch besitzt ein deutlich schwereres Geschoss, welches tief in die Brennkammer hineinragt und so den Brennraum deutlich reduziert, welcher jetzt mit deutlich weniger Pulver gefüllt werden kann, ohne die Ladedichte zu reduzieren. 

.300 Blackout ist so in der Lage Unter- und Überschallmunition mit identischen äußeren Abmessungen zu erlauben, ohne dass die Ladedichte unter präzisionsrelevante Prozentwerte fällt.

Auch automatische Waffen, haben mit den beiden Munitionssorten deutlich weniger Probleme. Die herkömmliche Überschall-Form besitzt zwar deutlich mehr Pulver und dadurch auch deutlich mehr Druck, jedoch verbleibt das leichte Geschoss nicht sehr lange im Lauf. Das Gassystem wird hier in einem kurzen Zeitraum stark angetrieben. Bei der Unterschallvariante steht zwar, durch die geringere Pulvermenge, weniger Druck zur Verfügung, jedoch bewegt sich das schwerere Geschoss deutlich langsamer durch den Lauf und dient so über einen längeren Zeitraum als Stopfen, welcher das Gas im Lauf der Waffe zurückhält, bis das Geschoss als Projektil den Lauf der Waffe verlässt. Hier haben wir weniger Druck, welcher aber über einen längeren Zeitraum wirken kann. Die Leistung, im physikalischen Sinne von Leistung über Zeit, der beiden Liberierungen ist im Idealfall beinahe identisch. Zumindest auf dem Papier, in der Realität muss doch meist das Gassystem der Waffen verstellt werden.

Ein weiterer Vorteil selbst der leichten Geschosse der Überschallvarinate ist, dass dieses immer noch deutlich schwerer ist als zb. ein herkömmliches 5,56mm Geschoss. .300 Blackout besitzt eine deutlich bessere Leistung, wenn die Patrone in Waffen mit sehr kurzen Läufen, von 13 Inch oder weniger, verwendet wird, als die meisten 5,56x54mm Liberierungen, welche oft Probleme bei derart kurzen Läufen aufweisen.

Der große Nachteil der .300 Blackout sind jedoch die hohen Kosten pro Schuss bei der Unterschallmunition. Diese wird dadurch verursacht, dass die extra schweren Geschosse deutlich höhere Materialkosten verursachen, da die auch einiges an Belastung standhalten müssen. Auch gibt es das große Problem, dass .300 Blackout in die Kammern 5,56x45mm Waffen eingeführt und gezündet werden kann, was dann jedoch meist zur Zerstörung der Waffe führt.

Das weit in das innere der Brennkammer ragende Geschoss ist dem starken seitlichen, radialen, Druck der Pulvergase schutzlos ausgeliefert. Würde man hier ein herkömmliches günstiges Bleigeschoss mit einem nur millimeterdicken Tombakmantel einsetzen, würde dieser Druck den Bleikern des Geschosses, wie einen Pickel, aus seinem Mantel herausdrück. Die Folge wäre eine Zerstörung des Unterschallgeschosses noch in der Patronenkammer.

Nun anschließen noch die Frage, warum man nicht einfach die günstigeren Geschosse der herkömmlichen Überschallmunition in Unterschallhülsen verladen kann.

.300 Blackout

Kann man natürlich machen aber dann hat man zum einen wieder das Problem mit der Pulverwelle bei geringer Ladedichte und zum anderen, aller Wahrscheinlichkeit nach, keine Unterschallmunition, da das leichtere Geschoss von der selben Pulverladung deutlich stärker beschleunigt werden würde, als das schwere Geschoss, welche zu dieser Munition gehört. Was die automatische Funktion dieser Mischmunition angeht, sehe ich ebenfalls schwarz, da wir nun wenig Gas über einen geringeren Zeitraum reden, als bei einem schweren Geschoss.

So, ich hoffe ich konnte die Frage beantworten und anschaulich erklären, warum die .300 Blackout so besonders ist.


Ach übrigens, die 9x39 mm von VSS Vintorez und AS Val schafft diesen Spagat aktuell noch nicht, da mit Überschallmunition geladene AS Val wohl einfach explodieren.


17. Dezember 2025

Stahlschrot und Stahlbeschuss bei jagdlichen Schrotflinten einfach erklärt

Hallo alle zusammen, da ich wohl bekannt dafür bin, komplizierte waffentechnische Sachverhalte sehr einfach und anschaulich zu erklären, wurde ich gefragt, ob ich denn mal die Sache mit Stahlschrot und dem dazugehörigen Stahlbeschuss von jagdlichen Schrotflinten erklären kann.

Von mir aus kein Problem. Aber bedenkt, dass ich hier einige Sachen stark vereinfache, wie ursprünglich gewünscht.

Jeder kennt sich Schrot, man schießt mit vielen kleinen Kügelchen, welche man eigentlich einzeln Schrote nennt, diese bestanden für hunderte Jahre aus Blei und wurden meist für die Jagt auf kleine Tiere, vor allem Vögel verwendet. Da diese Tiere meist recht schnell sind, geht es bei einem erfolgreichen Schrotschuss viel um Reaktion, Muskelgedächtnis, Erfahrung sowie Intuition. In dieser Zeit sind auch viele Daumenregeln entstanden, um Anfänger bei der Abschätzung von Entfernung und Vorhaltedistanz unter die Arme zu greifen.

Irgendwann ist man dann auch die Idee gekommen, dass es vor allem in der Nähe von Gewässern nicht die beste Idee ist, kleine Bleikügelchen in der Gegen zu verteilen. Also hat man nach einem alternativen Material gesucht, welches ähnlich preisgünstig und leicht zu verarbeiten ist wie Blei. Dieses hat man dann in Weicheisen gefunden, welches die ersten Hersteller jedoch als Stahl bezeichnet haben, wahrscheinlich aus Marketinggründen.

Das Problem bei diesem Weicheisen war nun, dass es natürlich ein völlig anderen spezifisches Gewicht hat als Blei. Wer ist Physik oder schusswaffentechnischer Ballistik oder optimal natürlich in beidem gut aufgepasst hat, der weiß, dass man einen leichteren Körper mit der selben Kraft natürlich erstmal besser beschleunigt, dieser aber über Entfernung schneller wieder an kinetischer Energie und auch an Reichweite verliert. Weicheisenschrot verhält sich als ballistisch ganz anders als das gute alte Blei.

Hätten die Hersteller also nun lediglich das Blei gegen Weicheisen ausgetauscht, so wären hunderte Jahre an jagdlicher Erfahrung über den Jordan gegangen und auch die Daumenregeln hätten neu austariert werden müssen. Da man das jedoch nicht wollte, hat man vereinfacht ausgedrückt die Pulverleistung in den Schrotpatronen soweit erhöht, bis das neue Weicheisen ähnliche ballistische Eigenschaften Ausweis wie das alte Blei. Dies gelang jedoch nur für die üblichen Schrotschussentfernungen, erleichtere jedoch einer ganzen Generation an Altjägern das Leben ungemein.

Das Problematische an der größeren Pulverleistung ist jedoch, dass Gasdruck nun mal allseitig ist und nicht nur selektiv die Schrotgarbe durch den Lauf beschleunigt, sondern auch die Waffe stärker belastet.

Was bei den meisten anderen Waffenkategorien kein großes Problem gewesen wäre gestaltete sich vor allem bei Querflinten problematisch, da diese in der Regel möglichst leicht gebaut sind. Dies hat seinen Ursprung in der Schwingbarkeit oder Schwingführigkeit. Bei einem schwingenden Schuss folgt der Waidmann einem quer zu ihm fliegenden Vogel mit der Flinte und einer gewissen Vorhalte. Wer mit diesen Begriffen so gar nichts anfangen kann, der denke einfach an den klassischen Skeetstant mit seinen querfeldein geschleuderten Tontauben.

Eine Flinte lässt sich umso besser schwingen je leichter sie ist, da sie weniger Masseträgheit aufweist und auch besser wieder zum halten bringen, da sie, einmal geschwungen, einen weniger starken Bewegungsimpuls inne hat.

Das leichte Gewischt, oder physikalische gesprochen die geringe Masse, dieser Skeet- und Federwild-Flinten wird meist durch deutlich geringere Wandstärker an Lauf und Patronenlager erreicht sowie durch den Verzicht auf ausgefallene Verriegelungen wie nach Kersten oder Greener. Meist kommt nur eine einfache Laufhaken- oder sogar nur eine Gelenk-Verriegelung zum Einsatz.

Diese Flinten besitzen aus den genannten Gründen meist nur eine Zusatzbelastungsstärke von 5-7% semiantike Modelle, aus der Zeit vor der C.I.P., können sich sogar den 2% nähern. Gemeint ist damit, dass diese Flinten nur 2% mehr Druck vertragen als jene Munition besitzt, für welche sie gebaut worden.

Das die stärkere Ladung von Weicheisenschrot jedoch deutlich darüber liegt bis 17% ist das Verschießen dieser Munition nicht aus allen Flinten sicher - zumindest nicht für deutsche Standards.

Aus diesem Grund muss auf einer Flinte angegeben werden, ob diese für die Verwendung von stärker geladener Weicheisenmunition geeignet ist oder nicht. Da wir im Land der Normen und Prüfer leben, darf ein Büchsenmacher natürlich nicht einfach selber bestimmen, ob eine von ihm gebaut Flinte mit dieser Munition klar kommt.

Eine passende Waffe wird von ihrem Büchsenmacher oder der jeweiligen Waffenfabrik an das deutsche Beschussamt gesendet, welches dann einen sogenannten "Stahlbeschuss" durchführt und der entsprechenden Flinte danach ein S oder eine schönere Schwertlilie einstanzt. Es ist natürlich mal wieder bedenklich, dass sich ein Werbebegriff in deutsche Ämter eingeschlichen hat aber so ist es jetzt nun mal.

Fazit:

Stahlschrot ist nicht aus Stahl, sondern aus Weicheisen. Der Stahlbeschuss den Flinten für diese Munition hat nur in zweiter Linie damit zu tun, dass Stahl härter ist als Blei, sondern kommt vor allem daher, dass Stahlschrot fast immer eine stärkere Pulverladung mitbringt, welcher eine Flinte mit amtlichem S oder einer Schwertlilie standhalten kann.

Die stärkere Pulverladung haben Hersteller eingesetzt, damit Weicheisenschrot sich so ähnlich wie möglich wie Bleischrotverhält, damit sich die Waidmänner nicht so stark umgewöhnen mussten.

Alte Flinten halten Stahlschrotmunition meist nicht aus, da diese zu ihrer Zeit so leicht wie möglich gebaut wurden, damit man sie besser schwingen kann.

Anmerkung:

Es kann in seltenen Fällen vorkommen, dass man es mit einer Flinte zu tun bekommt, dessen Lauf aus einer Legierung besteht, welche derart weich ist, dass selbst Weicheisen diesem innen abreiben oder deformieren kann, wenn die Munition keinen Schrotbecher besitzt. Auch kann es an sehr engen Würgebohrungen zu Abrieb oder Druckspitzen kommen, bei denen der Lauf dann regelrecht gestreckt wird. Diese Fälle sind zwar selten, müssen aber rechtlich bei einem Stahlschroteignung genauso ausgeschlossen werden. 

Grundladen:

Eduard Kettner Jagdwaffenkunde, Walter Biertümpel & Hanns-Joachim Köhler

Jagdwaffenkunde, Willie Barthold

Alles über Jagdwaffen in Theorie & Praxis, Wolfgang Rausch

Alles über Munition für Jagdwaffen in Theorie und Praxis, Selbiger

Jagdballistik Die Lehre vom Jagdlichen Schuss, Walter Lampel, Georg Seitz

Jagdliches Schiessen, Johannes Richter

Schiesstechnisches Handbuch für Jäger und Schützen, Walther Lampel

Visier Special Ausgabe 66 Geschosse und Ballistik

26. Juni 2025

Warum Wiederlader nicht ihre eigene Munition "herstellen"

Hallo alle zusammen, wer sich schon etwas länger im Internet bewegt und dort Diskussionen über Waffen verfolgt wird sicher früher oder später auf einen User treffen, welcher seine These wie folgt untermauern wird, Zitat:

Ich bin Wiederlader ich stelle sogar meine eigene Munition her!

Jeder gebildete Mensch wird hier sofort den Versuch erkennen, ein Autoritätsargument aufzubauen und aufhören den User erst zu nehmen. Ich hingegen werde nun mal prüfen ob die Behauptung überhaupt stimmt.

Dazu werfen wir einen Blick auf die einzelnen Komponenten einer modernen Einheitspatrone. Das Element, welches alle anderen zusammenhält, die maschinell getriebene Patronenhülse kann ein Wiederlader nicht herstellen. Diese sind viel zu komplex und haben mit den alten Papierpatronen nur noch wenig gemein. Es existiert jedoch die Möglichkeit eine eigenen Patronenhülse zu drehen, wie dies bei Samier-Reduzierhülsen für Unterschallmunition mit aufrecht erhaltener Ladedichte gemacht wird. Dies erfordert Jedoch eine Sondergenehmigung.

Heutige Zündhütchen sind ebenfalls viel zu komplex, als das man diese in einer Heimwerkstatt fertigen könnte. Es gäbe Ersatzmittel, welche jedoch dafür bekannt sind keine rückwärtige Dichtigkeit zu gewährleisten. 

Das Pulver ist eine in Deutschland stark kontrollierte Komponenten, welche nicht nur komplex in der Herstellung ist, sondern auch vom Widerlader nur verladen und nicht weiter angetastet werden darf. So ist bereits einfachen zermahlen, zur Reduktion der Korngröße, bei Strafe verboten.

Auch heutige einfache Vollmantelgeschosse mit ihrem Aufbau aus Bleikern und Tombak-Mantel sind viel zu aufwendig für die heimische Herstellung. Beinahe unmöglich wäre die Konstruktion eines eigenen Deformationsgeschosses mit gezielt gesteuerte Fahnenausbildung bei gleichzeitiger Beibehaltung eines Restkörpers. Es existiert lediglich die Möglichkeit einfache Bleigeschosse zu gießen, welche dann jedoch nicht in modernen Gewehren verwendet werden könnte, ohne den Lauf zu verbleien. Die Möglichkeit eigene Geschosse zu drehen, existiert zwar auf dem Papier - jedoch besitzen selbst herkömmliche industrielle Drehbänke nicht die nötige Präzision um moderne Büchsengeschosse herzustellen, die auch noch treffen.


Wir sehen also, dass Widerladen die einzelnen Komponenten nicht selber herstellen, sondern lediglich aus fertigen Teilen etwas zusammensetzen. Dass kann auch auf recht kreative Weise geschehen aber im Alltag würde niemand behaupten "sein eigenes Fahrrad" hergestellt zu haben, wenn man sich einen fertigen Rahmen gekauft hat, welchen man anschließend mit fertigen Reifen, einem fertigen Lenker und einem fertigen Sattel bestückt hat. Das Gleiche gilt für Computer, hier spricht kein normaler Mensch davon seinen eigenen PC hergestellt zu habe, welchem man aus den üblichen Fertigteilen zusammen bebaut hat, man spricht eher von zusammengestellt oder zusammenbehaut.

Aber warum sprechen dann Widerlader davon, ihre eigene Munition herzustellen. In aller Linie natürlich, um sich wichtig zu machen und ihren Themen mehr Gewicht zu verleihen, das ist natürlich richtig aber dies ist nicht der alleinige Grund. Dieser liegt, wie so oft bei Unsinn um Umfeld der Waffentechnik, in Waffengesetzt und seinen Formulierungen.

Das WaffG spricht so tatsächlich von herstellen, dabei weicht die juristische Bedeutung von herstellen, jedoch stark von dem ab, was man im Alltag so unter herstellen versteht. Ein ganz besonders gutes Beispiel ist ein Bekannter, welcher eine staatliche Erlaubnis zur Herstellung von Kriegswaffen besitzt. Dieser übt diese jedoch nicht dadurch aus, dass er, wie auf dem Khayba-Pass, in seinem Hinterhof ganze AK-47 aus vollen Stahlblöcken fräst - viel mehr biegt er Bleche und Kleiderbügelstücke zurecht, um diese in gesetzliche Halbautomaten einzusetzen, um dem BKA später berichten zu können, ob ein Umbau mit haushaltsüblichen Mitteln möglich ist. Gelingt ihm eines dieser vorhaben, hat er rein rechtlich eine Kriegswaffe hergestellt.  

Fazit:

Wiederlader stellen nicht ihre eigene Munition her, sie setzen lediglich fertige Komponenten zusammen. Meist wurde dabei die Hülse bereits einmal abgefeuert, daher auch der Name Wieder-Lader. Alleine das Gesetz bezeichnet diesen Vorgang im guten Beamtendeutsch als Herstellung. Widerlader benutzen diese Diskrepanz zur deutschen Umgangssprache, um ihre Tätigkeit künstlich aufzublähen und wichtiger klingen zu lassen.

Anmerkung:

Es gibt tatsächlich Menschen in Deutschland, welche ihre eigenen Munition herstellen. So stellen einige Vorderladerschützen wie Peter Kunz ihre eigenen Papierpatronen her. Dabei wird das Papier selbst geschnitten, das Geschoss selbst gegossen und manchmal selbst das Schwarzpulver selbst angemischt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Wiederladen, sondern um eine vollständige Neuherstellung, welche einen Pulverschein voraussetzt.


24. Juni 2025

Warum hatten Gewehrpatronen bis 1945 zu viel Leistung und warum hat man das nicht schon früher geändert?

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neune Beitrag nach sehr langer Zeit.

Heute widmen wir uns der Frage, warum die meisten Gewehrpatronen wie 7,9x57mm oder 7,62x54mmR deutlich zu viel Leistung für ihren eigentlichen Zweck als Gewehrpatronen hatten und warum man dies nicht schon sehr viel früher, zum Beispiel direkt nach dem zweiten Weltkrieg, geändert hat.

Es ist natürlich immer leicht zu sagen, dass die Menschen es damals einfach nicht besser gewusst hätten aber das ist, wie so oft in der Geschichtsschreibung, viel zu einfach und zu kurz gegriffen, schließlich waren die Menschen damals nicht dümmer als wir heute.

Um dem ganzen auf den Grund zu gehen, springen wir zu nächst zur Linieninfanterie des 18. Jahrhunderts, diese hatte zwei große Angstgegner. Diese waren zum einen die Reiterei. Es galt als absoluter infanteristischer Albtraum von berittenen Gegner niedergeritten, mit Säbel zerschlagen oder von Lanzen aufgespießt zu werden. Diese Angst konnte jedoch durch das aufkommen des Bajonettes und deutlich gemindert werden.

So blieb der zweite Angstgegner - die Artillerie. Des Öfteren geriet Linieninfanterie unter den Beschuss eines Gegners, welche der einzelne Soldat selber meist noch nicht mal sehen konnte. In besonders unglücklichen Fällen, verlangte es die strategische Schlachtordnung, dass die Infanterie an eben jener Stelle verblieb, um eine wichtige Position zu halten oder dem Gegner den Zugang zur eigenen Flanke zu verwehren.

Die Folge bestand darin, dass die Soldaten mit ansehen mussten, wie vom Boden abprallende Kanonenkugeln durch die einen Reihen schlugen oder Sprenggeschosse die Kameraden neben ihnen in Stücke rissen. Dieses infanteristische Trauma grub sich tief in die Erinnerungen der Waffengattung ein und wurde über Generationen weiter getragen. 

Als nun ab 1880 die damals als "Rauchloses Pulver" bezeichnete Nitrozellulose aufkam, wendete sich das Blatt in den Augen der Infanteristen, da es dieses deutlich leistungsstärkere Treibmittel dem normalen Infanteriegewehr eine Reichweite von bis zu zwei Kilometern erlaubte. 

Das Ganze darf man sich jedoch nicht so verstellen, dass ein einzelner Soldat ein Artilleriegeschütz in eineinhalb Kilometern Entfernung erblickt, sein Visier auf die entsprechende Distanz eingestellt und dann gezielte Schüsse auf den vormaligen Angstgegner abgegeben hätte. Viel mehr hätte der Offizier der Gruppe ein feindliches Artilleriestück durch seinen Feldstecher erblickt, daraufhin wäre die Gruppe angewiesen worden, ihre Visiere auf die vom Offizier ermittelte Entfernung einzustellen, worauf auf einen Zielpunkt gezielt und anschließend gefeuert worden wäre. 

Auf diese Weise hätte sich eine Gruppe normaler Gewehrschützen wie eine riesige artilleristische Schrotflinte verhalten. Die im hohen Bogen von oben auf die Artillerie einprasselnden Gewehrprojektile hätten zwar die einzelnen Artielleriestücke nicht nachhaltig beschädigen können, jedoch wäre eine Bedienung selbiger durch die meist ungeschützte Besatzung unmöglich gewesen, ohne Verluste zu erleiden. Die meist aufwendig ausgebildeten Kanoniere wären in Deckung gezwungen und ihre Kanonen zum schweigen gebracht worden.

Besonders frühe englische Gewehre besaßen für dieses "Volley Fire" neben der Visierung für den persönlichen Schuss extra "Volley Sights" für das zusammengefasste Gruppenschießen.

Diese Taktik besaß in den Augen früher Strategen eine derartig bedeutende Rolle, dass man ebenfalls annahm, dass sich zukünftig Infanteriegruppen auch gegenseitig auf diese Art bekämpfen würde. Der Nahkampf unter 200 Metern wurde von nun an nur noch der Kavallerie zugestanden. Dies ist unter anderem der Grund warum die deutsche Gewehrprüfkommission und auch keine anderen Stelle 1905 kein Problem damit haben wird, dass die Visiereinstellung des Deutschen G98, mit Änderung auf Spitzpatrone, erst bei 200 Metern anfangen wird. 

Aber das griffe zu weit vor, wir gehen nun zurück nach 1895, denn ab diesem Jahr beginnt die Artillerie rapide aufzuholen. Zunächst gelang es nicht die neue Nitrozellulose für größere Geschütze zu bändigen, da man vor allem materiallogische Probleme hatte, große Geschützrohe in ausreichender Festigkeit zu fertigen. Zudem hatte man große Probleme mit der Treffgenauigkeit, erst neue Formeln sowie Optiken und andere Zielhilfe ermöglichten es der Feldartillerie, die Reichweite der Infanteriegewehr wieder weitgenug zu übertreffen, um ihre alte Rolle auf dem Schlachtfeld wieder einnehmen zu können.

Ab dies Zeitpunkt, auf der Schwelle zum 20. Jahrhundert, so würde man nun erwarten, dass die Leistung der Gewehrpatronen wieder zurückgefahren worden wäre, um den einzelnen Schützen eine deutlich angenehmer zuschießende Waffe zur Verfügung zu stellen.

Dies wurde auch überlegt, so ersann der Waffenkonstrukteur Karl Krnka ein "Miniaturgewehr". Dabei handelte es sich um eine Waffe welche in allen wichtigen Parametern reduziert war, sprich kürzerer Lauf, kleines Kaliber, kürzere Hülse. Eine solche Waffe wäre leichter und schneller zu schießen gewesen, hätte auf dem Marsch weniger gestört und der Schütze hätte mehr Munition am Mann tragen können.

Das Hauptbedenken gegen diese kleine Waffe war zunächst, dass die meisten Nationen zu diesem Zeitpunkt über lange überstarke Gewehre verfügten. Man hatte schlicht Angst, dass es zu Situationen kommen könnte, bei denen die eigene Infanterie von der Gegnerischen zusammen geschossen werden könnte, wie die Infanterie des 18. Jahrhunderts ihrer Zeit von der Artillerie.

Diese Bedenken spielten jedoch zu dem Zeitpunkt überhaupt keine Rolle mehr, als sich kurz später die ersten Maschinengewehre flächendeckend durchsetzen. Diese Form der Maschinenwaffe verwendete meist die jeweils landesübliche Gewehrpatrone.

Entgegen der landläufigen Meinung sind Maschinengewehre weitaus mehr als einfach ein Sturmgewehr mit mehr Munition. Man kann, wenn auch in einem kleineren Rahmen, artilleristische Aufgaben mit ihnen erfüllen. So ist es unteranderem Möglich über bis zu vier Kilometer hinweg die einen vorrückenden Truppen in hohem Bogen zu überschießen und einen Kugelhagel von oben auf die Gegner niederprasseln zu lassen (eng. Beating Zone).

Diese kleinen Artilleriewerkzeuge im Arsenal der Infanterie wurden schnell unverzichtbar. Das Problem war nur, dass die frühen Maschinengewehre diese Aufgaben nur dann weiterhin erfüllen konnte, wenn diese weiterhin mit den zu starken Gewehrpatronen arbeiteten. Ein Umstellung der Munition wurde zwar diskutiert kam aber nicht in Frage.

Die Situation wird sich später noch zu Ungunsten einer kleineren Patrone verschärften als die ersten Flugzeugmaschinengewehre fest in Flugzeuge verbaut werden* welche zum einen auf eine große Reichweite angewiesen waren und zum anderen auch darauf, in den Geschossen noch zusätzliche Funktionen wie Brandsätze zu integrieren. Auch das aufkommen früher Panzer, um 1918 noch schlicht Tank genannt, verlangt nach leistungsfähigen Patronen, um frühen panzerbrechenden Geschossen mehr Durchschlagleistung zu geben.

So bekamen die Japaner mit ihrer recht leistungsschwachen 6,5x50mm Meiji 38 (三十年式) Probleme in der Manschurei mit ihren weiten Feldern, worauf die leistungsstärkere 7,7x58mm Typ 99 (九九式) entwickelt wurde.

Heute lebende Menschen werden nun wahrscheinlich fragen, warum man damals nicht einfach zwei Patronen verwendet hat. Eine kleine für Gewehre und eine größere für Maschinengewehre. Dies sei ja auch heute üblich, wenn man sich die NATO mit 5,56x45mm und 7,62x51mm ansieht oder Russland mit 5,45x39mm und der immer noch verwendeten 7,62x54mmR. 

Dabei vergisst man jedoch wie aufwendig Logistik ist und in welchen Kinderschuhen selbige damals um 1900 noch steckte. So führte selbst noch die Einführung der deutschen 7,92x33mm Kurz 1943 zu erheblichen Problemen. Zeitweise hatte man ganze Lagerhäuser voller Stg.44 welche man jedoch nicht an die Truppe ausgeben konnte, da die nötige Munition fehlte. 

Auch Japan geriet durch das nebeneinander von 6,5mm Meiji und 7,7mm immer wieder in Schwierigkeit und so entschloss man sich mit dem Arisaka Typ 99 auch ein Gewehr für die 7,7mm zu schaffen, um nur noch eine Patrone produzieren zu müssen.

Als sich zur Mitte des Zweiten Weltkrieges hin die Logistik dahingehend verbesserte, dass man dieser endlich eine weitere Patrone zumuten konnte, wurde dieser Platz jedoch schnell von den damals immer verbreiteteren Maschinenpistolen eingenommen, diese persönlichen Maschinenwaffen verwendeten bereist existierende Pistolenmunition und waren schnell in den Orts- und Häuserkämpfen sowie in Waldgebieten unverzichtbar geworden. Alleine Deutschland ging das Risiko ein, diesen Platz ab 1943 der bereits erwähnten 7,92x33mm Kurz zu überlassen.

Selbst die NATO entschied sich 1959 noch Gewehre und Maschinengewehre für die gleiche Patrone, die 7,62x51mm NATO, einzurichten. Der Grundgedanke dahinter war, dass eine Kriegslogistik welche mehrere Länder umfasst hätte, deutlich effizienter gewesen wäre, wenn die Infanterie nur mit einer Lebenswichtigen*² Patrone hätte versorgt werden müssen. Man war also bereit, die Effizienz des einzelnen Soldaten zugunsten einer besseren Logistik zu opfern.

Die stärkere Leistung der 7,62x51mm hatte in den Augen der NATO, bei welcher es sich voranging um ein Verteidigungsbündnis handelt, den großen Vorteil, dass die eigenen Soldaten, aus ihren Stellungen heraus, deutlich früher gezieltes und leistungsstarkes Feuer abgeben hätten können, als die feindlichen Soldaten des Warschauer Paktes mit ihren 7,62x39mm Waffen.

Die Sowjetunion plante zunächst ebenfalls die Einführung nur einer Patrone, die 7,62x41mm sollte in Selbstladegewehren (später SKS-45), leichten Maschinengewehren (später RPD-44) und einer Avtomat genannten Mischung aus Sturmgewehr und Maschinenpistole (es wurde das Sturmgewehre AK-47) verschossen werden. Die Patrone musste jedoch auf das heute bekannte maß 7,62x39mm gekürzt werden. Schnell stallte man fest, dass es Maschinengewehre (RPD) und Selbstladegewehr (SKS) an Reichweite fehlte und so entstanden das Universalmaschinengewehre PK (Später PKM) und das Universal-Scharfschützengewehr SVD um den Reichweitenvorteil der NATO-Patrone im Kriegsfall auszugleichen.

Die Logistik des Nebeneinander der zwei Infanteriepatronen 7,62x39mm und 7,62x54mmR gelang und machte im Sowjetisch-Afghanischen Krieg keine großen Probleme. Erst im Donbass-Krieg und später im Ukraine-Krieg wird das Nebeneinander der zwei Maschinengewehr-Patronen 5,45x39mm (RPK-74) und 7,62x54mmR (PKM, PKP Pecheng) Probleme bereits, welche durch das aussondern des RPK-74 weitgehend behoben werden konnten.

Als die US-Armee 1963 das AR-15 als XM16E1 einführte kam mit der 5,56mm M193 eine neue Patrone in die Logistik, dessen Verteilung ohne Probleme von der Logistik bewältigt werden konnte. Jedoch scheiterte der Versuch ein Maschinengewehr für die M193 zu schaffen, da das leichte aber schnelle Geschoss der M193 auf Entfernung schnell an Wirkung verlor. Das Stoner 63 bot in der Konfiguration Mk.23 Mod 0 zwar bis zu 150 Schuss in einem Gurtkasten, wurde jedoch aufgrund der geringen Reichweite nur von Spezialeinheiten als feuerstärkeres Sturmgewehr eingesetzt. So verblieb das 7,62mm NATO MG M60 bei der Truppe. Zudem kam das Scharfschützengewehr XM21 für die selbe Patrone hinzu.

Erst die Einführung der 5,56mm NATO 1980 mit ihrem langsameren jedoch schweren SS-109 Geschoss ermöglichte die Entwicklung von leichten Maschinengewehren, welche dieser Rolle gerecht werden konnten. Durch die Ausrüstung mit M16A2 und M249 (FN Minimi) besitzen die USA wieder zwei Waffen eingerichtet für die gleiche Patrone. 

Fazit:

Man hat früh erkennt, dass die damaligen Gewehrpatronen zu viel Leistung hatten, hat aber nichts daran geändert weil Maschinengewehre diese Art von Patronen brauchen um ihr volles Potential auszuschöpfen. Es war besser Gewehre mit zu viel Leistung zu haben als Maschinengewehre mit zu wenig. Die Logistik des Ersten Weltkrieges hätte zwei Munitionssorten nicht stemmen können, die Logistik des Zweiten keine drei und die zweite war die Pistolenmunition für die Maschinenpistolen. 

Anmerkungen:

*Ironischerweise waren einige der aller ersten in Flugzeugen eingesetzt Maschinenwaffen für kleinere Patronen eingerichtet. So verwendete das italienische Kleistmaschinengewehr Villar-Perosa Pistolenpatronen vom Typ 9x19mm Glisenti. In US-amerikanischen Flugzeugen kam das Selbstladegewehr Winchester M1907 in .351 (9x35mm) zum Einsatz.

*² Pistolenmunition, welcher in der NATO-Armee lediglich in den Pistolen von MG-Schützen und Offizieren sowie den Maschinenpistolen von Fahrzeugbesatzungen verwendet wurde, wurde nicht als Lebenswichtig betrachtet.


11. April 2024

Die Geschichte der Mittelpatronen im deutschen Sprachraum

Hallo alle zusammen, weil wir neulich darum geben wurden, die hier kurze Geschichte der Mittelpatronen im deutschsprachigem Raum.

Miniaturgewehr von Karel Krnka

Ersten Versuche mit Mittelpatronen im deutschen Sprachraum machte Karel Krnka um 1892. Dieser hatte die Idee zu einem Miniaturgewehr, welches kleiner sein sollte als die damals üblichen Infanteriegewehre. Dabei wollte er jedoch nicht nur die Waffe, sondern auch deren Munition einschrumpfen. Leider sind von seinen Versuchen weder Waffen noch Patronen erhalten. Auch die Abmessungen seiner Miniaturpatronen sind heute nicht mehr bekannt.

7,65x35 mm von Furrer und Rubin

Die Schweizer Adolf Furrer und Alexander Rubin entwickelten 1920 die ersten Mittelpatronen im deutschen Sprachraum, dessen Abmessungen heute noch bekannt sind. Sie verwendeten die Kaliber 7 mm und 7,65 mm, sowie die Hülsenlängen 27 mm, 35 mm und 38,5 mm. Die passenden Waffen sollten die Rolle von Zwischenwaffen erfüllen, welche die Lücken zwischen Gewehr und leichten Maschinengewehren schließen sollten.

7,92x42,5mm von Heinemann

Im Jahre 1927 modifizierte Karl Heinemann bei Rheinmetall-Borsig die Patrone 7,92x57mm IS durch Kürzung der Hülse auf 42,5mm Länge. Das Geschoss wurde von der langen 7,92x57mm beibehalten. Zudem entwickelte er einen Selbstladekarabiner mit Kniegelenkverschluss für diese Patrone; dieser sogenannte Heinemann-Selbstlader wurde 1931 als G28 erprobt.

7x49mm von RWM

Die damalige Rheinisch-Westfälische Metallwaren- und Maschinenfabrik, später Rheinmetall, entwickelte im Jahre 1932 eine Patrone mit den Abmessungen 7x49mm, für welche bei Mauser Gasdruckmessläufe bestellt wurden.

8,15x46mm von RWS

Ab 1935 war das generelle Konzept einer Kurzpatrone bereits bekannt, nur das passende Kaliber musste noch gefunden werden. Die Rheinisch-Westfälische Sprengstoff-Actien-Gesellschaft, kurz RWS, ermittelte ein Kaliber von 8,15 mm und nannte das Ergebnis Idealpatrone. Da Jedoch zeitnah keine passenden Waffen geschaffen werden konnten, wanderten die Ergebnisse in die Schublade.

7x39mm von Rheinmetall-Borsig

Im Jahre 1936 schuf die Zweigstelle Borsig der Rheinmetall die Patrone 8x36,5mm und 7x39mm, jedoch nicht für Infanteriewaffen, sondern für Flugzeugmaschinengewehre. Man wollte Gewicht sparen und so auf die schwere 7,92x57mm IS verzichten.

7x46mm von RWS

1936, im selben Jahr wie Rheinmetall-Borsig, arbeitete die RWS an einer Mittelpatrone für Flugzeugmaschinengewehre. Als die Flugzeugpanzerung jedoch in den folgendes Jahren zunahm entschied man sich gegen eine Kurzpatrone, sondern, unter anderem auch aus logistischen Gründen, für die 7,92x57mm IS zusammen mit dem MG81 von Mauser.

7x39,1mm von DWM

1935 entwickelte die Berliner-Karlsruher Industriewerke AG, ab 1936 wieder DWM, eine Patrone für Mauser mit den Abmessungen 7x39,1mm. Zunächst was diese Patrone ebenfalls für ein Fleugzeugmaschinengewehr geplant. Als die Luftwaffe sich jedoch für 7,92x57mm entschied, wollte man die in die Patrone geflossene Arbeit nicht verwerfen und entschied sich mit Bergmann zusammen zu arbeiten um eine Verstärkte Maschinenpistole zu entwickeln, diese sollte formschlüssig verriegeln. Nach Streitigkeiten mit Bergmann, beschloss Mauser die verstärkte Maschinenpistole selbst zu entwickeln. Dies wurde, nach der Umkammerung auf 7,92x33mm, der MKb.42(M).

7,75x40,5mm von GECO

1935 entwickelte die Gustav Genschow & Co, kurz GeCo, eine Mittelpatrone mit den Abmessungen 7,75x40,5mm. Um eine passende Waffe für diese Patrone zu entwickelt, wandte man sich an Heinrich Vollmer mit dem Auftrag für eine verriegelte Maschinenpistole. Die Ergebnisse waren 1935 der Vollmer M 35 (Gasdrucklader mit Drehverschluss) und Vollmer M 35A (Federlader mit Drehverschuss). 1936 wurde der Vollmer M35/II (Gasdrucklader mit Drehverschluss) fertig. 1938 folge mit dem Vollmer M 35/III (Gasdrucklader mit Drehverschluss) das letzte Modell. Für die 7,75x40,5mm GECO existiert ein Maschinenkarabiner der Firma Walther.

7,62x41mm von GECO

Um die Probleme des Vollmer M35/III zu beheben, entwickelte 1938 die Gustav Genschow & Co eine neue Patrone, welche auf die Funktion in automatischen Waffen mir kurzem Verschlussweg optimiert worden war. Der M 35/III wurde mit Wechselläufen in 7,75x40mm und 7,62x41mm erprobt. Die neue GECO-Patrone hat mit den Maßen 7,62x41mm die gleichen Nennmaße wie die spätere sowjetische 7,62 x 41 mm M43, vor ihrer Hülsenkürzung auf 39 mm.

7,92x33mm von Polte

1938/39 wurde die Firma Polte in Magdeburg mit der Entwicklung einer Kurzpatrone beauftragt. Um die Produktion von Waffenläufen und Geschossen zu vereinfachen, wurde auf das Kaliber 7,92 mm bestanden. Polte entwickelte daraufhin folgende Patronen:

  • 7,92x30 mm
  • 7,92x33 mm
  • 7,92x45 mm

1939, wurde mit der 7,92x33mm Kurz die goldene Mitte gewählt und Hugo Schmeisser mit der Entwicklung der schweren Maschinenpistole beauftragt, welche zunächst zur MP42, dann zum MKb.42 (h) sowie zu MP43/I, MP43, MP44 und Sturmgewehr 44 führen wird. Mit dem MKb.42(w) entsteht auch eine Konkurrenzwaffe von Walther. Ab 1943 wird die 7,92x33mm unter der Tarnbezeichnung PP43, Pistolen Patrone 1943, offiziell eingeführt.

10,75x29 mm von Mauser

Nachdem Hitler 1943 das Konzept des Maschinenkarabiners abgelehnt hatte aber eine verbesserte Maschinenpistole gefordert hatte, entwickelte Mauser eine Patrone mit den Abmessungen 10,75x39mm für eine Maschinenpistole mit erhöhter Reichweite und Stoppwirkung für Gruppenführer, Fahrzeugbesatzungen und spezielle Sturmabteilungen. Die Patrone ähnelt in ihrer Wirkung der heutigen .300 Blackout oder der sowjetischen 9x19mm SP5. Es wurde keine Waffe für diese Patrone geschaffen, da alle Ressourcen von Mauser in die Entwicklung von Gerät-06 und Gerät-06(h) flossen.

8x35 mm Rapid aus Brünn

1941 entwickelten die Waffenwerke Brünn, vor der Annexion Tschechiens Zbrojovka Brno, eine Patrone mit den Abmessungen 8x35mm. Für diese Patrone waren ein leichtes Maschinengewehr (ZK 423) sowie ein Maschinenkarabiner (ZK 412) geplant. Auftraggeber war die Waffen-SS welche den Maschinenkarabiner als SS 42 einführen wollte, dies wurde jedoch verhindert, um die Bewaffnung der deutschen Streitkräfte zu vereinheitlichen.

Grundlagen

  • Sturmgewehr 44 Vorgänger, Entwicklung und Fertigung der revolutionärsten Infanteriewaffe von Dieter Handrich
  • Kalaschnikow, Das Genie und sein Lebenswerk Edward von Clinton Ezell
  • The World's Assault Rifles von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson

16. August 2023

Patronenbezeichnungen bei Feuerwaffen ausführlich Erklärt

Hallo alle zusammen, nachdem ich in diesem Beitrag hier ausführlich erklärt habe, wie sich die verschiedenen Kaliberbezeichnungen bei modernen Feuerwaffen zusammen setzten, geht es heute um das Thema Patronenbezeichnungen. Denn auch hier ist mein letzter Beitrag zum Thema schon fast zehn Jahre her.

Dabei muss man als erstes Berücksichtigen, dass Kaliber und Patronen nicht das Gleiche sind aber das werden die meisten beim lesen beider meiner Beiträge recht schnell versehen.

Metrische Patronennamen

Erster Teil von rein metrischen Bezeichnungen ist zunächst das sogenannte Nenkaliber oder Nominalkaliber. Dabei handelt es sich um eine abgerundete Form des Realkalibers in Millimetern. Bei Dezimalwerten meist mit zwei Kommastellen.

Dann folgt ein Malzeichen, wobei meist ein kleine x zum Einsatz kommt. Seltener wird das Sonderzeichen × (Unicode U+00D7) verwendet. In den frühen 2000er Jahren war zudem das * (Astrix) sehr verbreitet, ist jedoch außer Mode gekommen.

Die darauf folgende Zahl, gibt die abgerundete Hülsenlänge an, gefolgt von der Maßeinheit Millimeter abgekürzt als mm.

Ein paar aktuelle Ausnahmen von dieser Regel sind einige us-amerikanische Patronen. Bei 10mm Auto, 6,8mm SPC und 6,5mm Grendel ist es nicht üblich die Hülsenlängen zu nennen.

Bei Hülsen, welche nicht über eine Ausziehernut und einen geraden Schaft verfügen, wird die Form des Hülsenbodens kurz mit einem Buchstabenkürzel angegeben. Dabei steht ein großes R für Rand, ein HR für Rand und Ausziehernut (im englischen Half Rimmed), ein B für einen Gürtel (anglisch Belt) und A für einen Mauser-A-Boden.

Zum Abschluss folgt ein Name, welcher in der Kombination mit Kaliber und Hülsenlänge einzigartig sein muss. Bei dem Namen kann es sich um eine Firma, den Verwendungszweck, ein Militärbündnis oder eine Ergänzung handeln. Auch die erneute Nennung der militärischen Bezeichnung ist üblich.

Traditionell wird in Europa das Kaliber von Feld zu Feld, in den USA hingegen von Zug zu Zug genannt. Zudem orientiert man sich in Europa an der Länge der Patronenkammer, wohingegen man sich in den USA an der Patronenhülse orientiert. Dies ist der Grund, warum man bei dem HK G11 für die Bundeswehr die Angabe 4,73x33mm findet, bei beim HK ACR für die US-Streitkräfte jedoch 4,92x34mm.

Inch Patronenbezeichnungen

Im englischen Sprachraum war es bis 1945 üblich das Laufkaliber in Inch (25,4 mm) anzugeben. Dabei wurde bei Dezimalzahlen, wie in der englischen Mathematik brauch, die Kommastelle mit einem Punkt markiert und zudem die führende Null weggelassen.

Besitzt das Geschoss einen Treibspiegel, so wird zum Laufkaliber nach einem Schrägstich zudem das kleinere Kaliber des Projektils angegeben. Beispiel .50/.30 bezieht sich auf eine Patrone mit einem Geschoss für eine Kaliber 50 (12,7 mm) Waffe mit einem Kaliber 30 (7,62 mm) Projektil.

Die gleichen Angaben werden bei einem Projektil mit Vorkörper gemacht. Hier wird zunächst das Laufkaliber angegeben, dann ein Plus gesetzt und dann das größere Kaliber des Vorkörpers angegeben. Beispiel .45+.90 Bezieht sich auf eine Waffe mit Kaliber 45 Lauf und einem Kaliber 90 Vorkörper.

Beim aufkommen der ersten Waffen mit Flaschenhälsen, war es in den USA üblich das Ursprüngliche Kaliber der Hülse zu nennen. Dabei wird zunächst das neue Kaliber des Geschosses im eingezogenen Flaschenhals genannt, danach folgt ein Bindestrich, gefolgt vom ursprünglichen Kaliber der Hülse. Man spricht auch vom Hülsenschaftkaliber. Dabei ist zu beachten, dass beide Angaben einen Punkt vor der Zahl aufweisen. Beispiel eine .25-.30 ist eine Hülse welche in ihrer ursprünglichen Zylindrischen Form ein Kaliber 30 Geschoss aufnehmen konnte, nun aber eingezogen wurde und in ihrer neuen Form als Flaschenhalshülse in ihrem Hülsenmund ein Kaliber 25 Geschoss aufnehmen kann.

Zur Zeit der Schwarzpulverwaffen war es üblich, nach den Kaliberangaben zusätzlich das Gewicht des Schwarzpulvers zu nennen, welches sich in der Brennkammer der Hülse befand. Diese Angabe wurde in der Maßeinheit Grain gemacht. Und folgten den Kalibern nach einem Bindestrich. Dabei kann man diese Angaben von Kaliber daran unterscheiden, dass sie nicht mit einem Punkt beginnen. Eine .45-70 war demnach eine Patrone mit .45 Kaliber Geschoss und einer Schwarzpulverlaborierung von 70 Grain (4,54 Gramm). Mit dem Aufkommen von wesentlich leistungsstärkerem rauchschwachem Pulver wurden diese Angaben jedoch bald nicht mehr verwendet.

Neben dem Gewicht der Pulverladung wurde auch das Gewicht des Geschosses mit angegeben und ebenfalls in Grain gemessen. Die Angabe folgt getrennt durch einen weiteren Bindestrich meist nach der Angabe zur Pulvermenge. Eine .45-70-405 ist demnach eine Patrone mit einem Kaliber 45 Geschoss einer 70 Grain schweren Menge Schwarzpulver und einem 405 Grain (26,24 Gramm) schweren Geschoss.

Anschließend wird noch ein, für das entsprechende Kaliber einzigartiger, Name genannt. Dabei handelt es sich in den USA meist um Firmennamen aber auch um Namen von Einzelpersonen, Verwendungszwecke, Waffengruppen, Einführungsjahre oder Marketingsuperlative. Im Gegensatz zu Europa, hat man es besonders häufig mit Abkürzungen zu tun.

Gauge Patronenbezeichnungen

Die, vor allem bei Schrotflinten, gebräuchlichen Gauge (sprich ɡeɪdʒ) Bezeichnungen beziehen sich bei ihren Kaliberangaben auf Brüche aus Zeiten alter Kanonen. Passt eine Kugel, welche aus genau einem halben Pfund (kurz lb für das lateinische Libra, dt. Wage) Blei gegossen wurde genau in den Lauf einer Waffe, so handelt es sich um einen Halb-Pfünder, welcher als 2 Gauge bezeichnet wird und ein Kaliber von 33,67 mm aufweißt. Heute sind jedoch eher kleinere Waffen wie die bekannten 12 Gauge Schrotflinten üblich, bei welche es sich um Zwölfter-Pfünder handelt, welche ein Kaliber von 18,53 mm aufweisen.

Wichtig ist neben dem Kaliber einer modernen Schrotflinte die Hülsenlänge. Dabei wird sich jedoch ausdrücklich auf die Länge einer Hülse im verschossenen Zustand bezogen. Der Grund lieht im heute verbreiteten Sternenverschluss, welcher sich beim Schuss auffaltet und so entsprechend mehr Platz in der Patronenkammer einnimmt. Eine frische Hülse kann also etwas kürzer sein, als es ihre Bezeichnung vermurten lässt.

Im europäischen Raum wird diese Länge in Millimetern angegeben und nach einem Schrägstich hinter der Gauge Angabe vermerkt. Eine 12/70 ist demnach eine Patrone für eine Zwölftelpfünder-Waffe mit 18,53 mm Kaliber und einer Patronenkammer mit 70mm Länge, in welches sich ein eventualer Sternenverschluss hinein entfalten kann.

Im us-amerikanischen Raum hingegen werden die Länge von Gauge Patronen in Inch angegeben. Bei nicht vollen Inch werden jedoch Brüche verwendet anstelle von Dezimalzahlen. Das Europäische 12/70 entspricht demnach 12/2¾ US.

Bei weiteren Bezeichnungen von Schrothülse wie Magnum, Express oder Stahl ist darauf zu achten, dass es sich hier nicht um bloßen Namen handelt, wie bei metrischen Patronenbezeichnungen. Vielmehr handelt es sich um hinweise auf eine stärkere Druckentwicklung beim Schuss, dem die Waffe standhalten muss. Eine Flinte ohne Magnumverschluss oder Stahlbeschuss, darf nicht mit solcher Munition geladen werden.

Linien Bezeichnungen

Im russischen Zarenreich wurde eine Maßeinheit Namens ли́ния (dt. Linie) verwendet, welche fast genau 0,1 Inch entsprach und damit 2,54 mm. Das Mehrladegewehr Mosin-Nagant wurde demnach im russischen Zarenreich als Русская 3-линейная винтовка Мосина eingeführt, zu Deutsch Russisches 3-Linien Gewehr Mosin. 3 Linien entsprechen dem Kaliber 30 (0,30 Inch) was 7,62 mm entspricht.

Der Text erschien erstmals am 7. August 2023 als Artikel Patronenbezeichnung im Waffen-Wiki und erscheint mit freundlicher Genehmigung vom Mitautoren Helmut Knittelfeld.

13. August 2023

Kaliber von Feuerwaffen ausführlich Erklärt

Hallo alle zusammen. Da mein Artikel über Kaliber von 2012 bis heute immer noch einer meiner meistgelesenen Artikel ist, habe ich mir gedacht, ich veröffentliche hier auch mal unsere neuste Beschreibung zum Thema, welche wir eigentlich für das Waffen-Wiki geschrieben haben.

Dabei muss man als ersten bedenken, dass Kaliber nicht gleich Kaliber ist, denn den Innendurchmesser eines Hohlkörpers kann man in einer Feuerwaffe an verschiedensten Stellen messen. So existieren folgende Kaliber:

  1. Nominal Kaliber, eine abgerundete Angabe, welche sich leichter aussprechen lässt. Auch Nennkaliber genannt.
  2. Zug-Kaliber (blau), die Strecke von Zug zu Zug
  3. Feld-Kaliber (rot), die Strecke von Feld zu Feld
  4. Zug-Feld-Kaliber (lila), die Strecke von einem Zug zum gegenüberliegenden Feld
  5. Geschoss Kaliber (grün), der Geschossdurchmesser an der dicksten Stelle.
  6. Treibspiegelkaliber, das Kaliber des Treibspiegels an der dicksten Stelle.
  7. Ursprungskaliber, das Kaliber welches die Patrone hatte, bevor sie eingezogen wurde.
  8. Initialkaliber, das Kaliber des Geschosses vor dem Schuss einer einem konischen Lauf.

In Europa wird das Kaliber in Millimetern angeben zB. 9mm in den USA in Zehntel Inch ohne führende Null zB. .38. Dazu existiert noch die Gauge-Angabe, welche sich auf das Gewicht einer homogenen Bleikugel bezieht, welche den Innendurchmesser des Laufes ausfüllt.

Traditionell wird in Europa bei der Angabe von Kaliber eher das Feld-Kaliber genannt, in den USA eher das Zug-Kaliber für die Benennung verwendet.

Metrisch

In Europa und nach 1945 auch in den USA werden Kaliber in metrischen System in Millimetern, kurz mm, angeben. Bei nicht ganzen Zahlen, werden meist zwei Kommastellen angegeben. In der Schweiz ist es jedoch üblich auf eine Kommastelle zu runden.

Aussprache

Bei der Aussprache von Kaliber orientiert man sich an den Regeln der Mathematik. So nennt man die Zahl vor dem Komma als ganze Zahl. Beispiel 12 mm Zwölf Millimeter. Bei Dezimalzahlen werden die Zahlen hinter dem Komma von links nach rechts der Reihe nach genannt. Beispiel 7,62 mm Sieben Komma Sechs Zwei, der Einfachheit halber lässt man dabei oft das Komma weg und macht stattdessen eine kurze Pause Sieben - Sechs Zwei.

Inch

In den USA sowie in England vor 1945 wird das Kaliber in Inch angegeben, was in etwa 25,4 mm entspricht. Oft wird diese Angabe auch als Zoll bezeichnet, es wir jedoch davon abgeraten und empfohlen den korrekten Begriff Inch zu verwenden, um Verwechslungen zum Beispiel mit dem Preußischen Zoll (25,81 mm) zu vermeiden.

Da ein Inch meist zu lang für die meisten Handfeuerwaffenkalbier ist, wird das Kaliber in Dezimalzahlen angegeben. Dabei wird der in der Englischen Mathematik übliche Punkt anstelle eines Kommas verwendet und der Einfachheit halber die führende 0 weggelassen. Das Kaliber 0,45 Inch wird so zu Kaliber .45.

Aussprache

Inch-Kalibern haben im deutschen Sprachraum weniger feste Regeln, meist wird bei zwei Kommastellen die ganze Zahl gesprochen. Beispiel .45 Kaliber Fünfundvierzig. Bei drei Komastellen kann es jedoch vorkommen, dass die Zahlen einzeln gesprochen werden .233 wird Kaliber Zwei Zwei Drei gesprochen oder .308 als Drei Null Acht. Dagegen wird .300 als Kaliber dreihundert gesprochen.

Entsprechungen

Meist wird jedem verbreiteten metrischen Kaliber eine Inch-Entsprechung gegenüber gestellt. Diese Gleichsetzungen sind jedoch nicht immer zuverlässig und können stark voneinander abweichen. So entsprechen 0,223 Inch nicht 5,56 mm, sondern 5664,20 mm.

Gauge

Gauge angaben, ausgesprochen als ɡeɪdʒ, orientieren sich an der Einteilung alter Kanonen, welche runde Kugeln aus homogenem Blei verschossen. Diese Kugeln wurden in Pfund (kurz lb für das lateinische Libra, dt. Wage) gewogen, was 453,59 Gramm entsprach. Eine Sechs-Pründer-Kanone verschoss demnach eine Kugel aus 6 lb Blei.

Mit dem Aufkommen kleinerer Geschütze, wurde zu Brüchen gegriffen, so verschoss eine Halbpründer-Kanone einen Kugel aus einem halben Pfund Blei. Diese Rechnung wurde vor allem für Schrotflinten beibehalten und so handelt es sich einer einer 12 Gauge Schrotflinte einfach um einen Zwölftelpfünder, was 18,53 mm entspricht. So kommt es zustande, das Gauge-Angaben mit höheren Zahlen kleine Kaliber aufweisen. Die verkürzte Schreibweise lautet 12g.

Aussprache

Im englischen nennt man die zunächst die Zahl gefolgt von dem Wort Gauge. Zum Beispiel 12 Gauge, twelve gauge (twɛɫv ɡeɪdʒ). Im Deutschen sagt man hingegen Kaliber und dann die entsprechende Zahl. Um ganz sicher zu gehen, das keine metrische Angebe gemeint ist, wird jedoch empfohlen Flintenkaliber zu sagen. Zum Beispiel Flintenkaliber zwölf.

Der Text erschien erstmals am 6. August 2023 als Artikel Kaliber im Waffen-Wiki und erscheint mit freundlicher Genehmigung vom Mitautoren Helmut Knittelfeld.

25. April 2022

Waffenfunktion: Direkter Gasdrucklader mit Liderung belastetem Masseverschluss

Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch direkten Gasdruck, belastet per Überliderung, Masseverschluss. Verwendet in Kimball Combat.

Kinematik: Direkter Gasdrucklader mit Liderungsbelastung

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht, das Treibmittel in der Brennkammer der Patronenhülse setzt sich in Pulvergase um. Der Druck dieser Gase wirkt zu allen Seiten hin, die auf den Mund der Patronenhülse wirkende Gasdruck sorgt dafür, dass das Hülsenmaterial in eine Ringnut gedrückt wird, welche in den vorderen Teil des Patronenlagers geschnitten wurde. Gleichzeitig treibt der Gasdruck das Geschoss aus der Patronenhülse.

Bild 3: Sobald das Geschoss in den Übergangkonus des Laufes eintritt und die Patronenhülse kein geschlossenes System mehr darstellt, versucht der Gasdruck, welcher auf den Hülseninnenboden wirkt, die Patronenhülse nach hinten zu treiben. Dieses Austreiben wird jedoch dadurch behindert, dass das Material der Patronenhülse vom Gasdruck in die Ringnut gepresst wird und für einen reibschlüssigen Widerstand sorgt.

Bild 4: Es kommt zu einem Kräftemessen zwischen dem Druck auf den Hülseninnenboden und dem Druck auf den Hülsenmund in der Ringnut. Da der Hülsenboden eine größere Fläche aufweist, welche vom Gasdruck beaufschlagt werden kann, wird dieses Kräftemessen von der nach hinten gerichteten Kraft gewonnen. Da die Patronenhülse vom Verschluss (rot) abgestützt wird, überträgt sich die Bewegung auf diesen. Da der Verschluss (rot) nur kraftschlüssig abgestützt ist, bewegt sich dieser ebenfalls nach hinten. Dies tut er jedoch langsamer, als wenn die Ringnut nicht existieren würde.

Bild 5: In dem Moment, in dem das Geschoss den Lauf der Waffe verlässt, fällt der Gasdruck im Lauf schlagartig ab. Damit gehen sowohl dem Hülseninnenboden als auch der Ringnut ihre Antriebskräfte verloren. Da jedoch der Verschluss (rot) während der Wirkzeit genug Bewegungsenergie aufnehmen könnte, bewegt er sich, durch das Beharrungsvermögen seiner Masse, weiterhin nach hinten. Dabei zieht er die Patronenhülse aus der Patronenkammer heraus und biegt dabei den Hülsenmund fast in seine ursprüngliche Form zurück. Letzteres sorgt noch mal für eine Verlangsamung der Öffnungsbewegung.

Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn ,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung von:

waffentechnik.wordpress.com