Posts mit dem Label feuerwaffe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label feuerwaffe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

9. Februar 2026

Das Öffnung-Paradoxon der Luger P-08 Parabellum Pistole

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag,

ich wurde gefragt, ob ich denn mal meine Meinung zum Öffnungs- oder Antriebs-Paradoxon der Luger abgeben kann. Damit sind natürlich vor allem die Ausführungen der Parabellum Pistole von George Luger gemeint, dessen bekannteste aber nicht einzige Ausführung der P-08 ist.

Um das Paradoxe an der ganzen Sache zu verstehen, müssen wir erstmal einen Blick auf das Verriegelungssystem der Luger werfen, denn diese verwendet ein Kniegelenk. Genauer ein unterknicktes Kniegelenk, dies bedeutet, dass das Gelenk entgegen seiner späteren Öffnungsrichtung leicht gebeugt ist. Damit unterscheidet sich die Luger von der Borchardt C93, diese verwendet ein gestrecktes Kniegelenk und der Erma KGP welche ein überknicktes oder angeknicktes Kniegelenk verwendet.

Wenn jetzt eine Kraft auf den Stoßboden der Waffe wirkt, versucht sich das Kniegelenk der Luger zu öffnen, jedoch in die falsche Richtung, da das Gelenk seine bereit vorher vorhandene Knickbewegt weiterführen möchte aber nicht kann, da die Bewegung vom oberen Waffengehäuse, im Handbuch der Luger P-08 Gabelstück genannt, im Weg ist. Weil Druck nun mal nicht intelligent ist, wird das Kniegelenk stumpf gegen das Gehäuse gepresst.

Mit der Beschleunigung des Geschosses kommt es nach Isaac Newton zu einer Gegenreaktion, welche den Schlitten der Luger, im Handbuch Gabelstück und Lauf genannt, nach hinten wirft, dabei trifft das nach außen geometrisch erweiterte Mittlere Gelenk, das namesgebende Kniegelenk, auf eine schräge Ebene welche Teil des Griffstücks ist und nun kommt es zum besagten Paradoxon. 

Um den Verschluss der Luger zu entriegeln, muss das Kniegelenk, bevor es sich nach oben öffnen kann, zunächst aus der bisher vorherrschenden Unterknickung heraus geholt und zunächst in eine gestreckte Position gebracht werden. Aus Sicht der Trigonometrie muss sich der Verschluss dabei jedoch erstmal dem Lauf für einige Millimeter nähern.

Dazu betrachtet man das unterknickte Kniegelenk als ein Dreiecke, wobei die beiden Arme als deren Schenkel a und b und eine gedachte Linie als Gesamtlänge des Verschlusses als c versteht. Wird nun der Winkel γ (Gamma) in der Ecke C (zwischen den Strecken a und b) vergrößert, also gesteckt, so verlängert sich die gedachte Stecke c. 

Der Verschlussabstand wird verringert, der Verschluss bewegt sich demzufolge auf den Lauf zu.

Darauf folgt nun die Erklärungsnot einiger Modelle, welche das Luger Paradoxon ausmachen. Befinden wir uns zum Beispiel in einem überkommenen Modell, welcher für den Antrieb nur eine Kraft kennt, dann müssen wir erklären, warum die Kraft an der Schräge in der Lage ist das Kniegelenk so zu öffnen, dass sich der Verschluss in Richtung Schussrichtug bewegt, während die Kraft, welche den Schlitten der Waffe nach hinten geworfen hat, ja versucht den Verschluss nach hinten zu treiben.

Oder nochmal aus einer anderen Perspektive. Der Stoßboden möchte sich gerne nach hinten bewegt, sitzt aber durch die Unterknickung des Kniegelenks in der Fall. Nun kommt es, dass das Kniegelenk von der Steuerkurve angestoßen wird, was für einige Millimeter dafür sorgt, dass der Stoßboden, entgegen der Stoßbodenkräfte, die Patronenhülse wieder weiter in das Patronenlager zurück drückt.

Wie zunächst auch ich selber, werden aufmerksame Leser nun natürlich anführen, dass das Ganze in etwas wie folgt aufläuft:

Die Stoßbodenkraft treibt den Schlitten, genauer Gabelstück, Lauf und Verschluss, an wobei diese eine gewisse kinetische Energie entwickelt. Nun kommt es im Lauf selber, erst durch die Geschossbewegung und später durch den Austritt des Geschosses, zu einem Druckabfall im Lauf und damit zu einer starken Abschwächung der Stoßbodenkraft.

Wenn nun die Koppelgruppe mit der ihr innewohnenden kinetischen Energie, mit dem Kniegelenk an die griffstückfeste Steuerkurve prallt, überwiegt, nach dieser Vorstellung, diese die Stoßbodenkräfte, welche zu diesem Zeitpunkt noch auf den Stoßboden wirken. 

So könnte man sich das Ganze zumindest erklären, wenn nicht bekannt wäre, dass die Luger unfassbar heiß öffnet und dass das Geschoss, der P-08, den Lauf gerade mal knapp verlassen hat, wenn es zum Kontakt zischen Kniegelenk und Steuerkurve kommt. Hochgeschwindigkeitsaufnahmen belegen dies.

Bei der langen P-08 befindet sich das Geschoss angeblich sogar noch im Lauf, was auch der Grund für die absurd hohe Feuergeschwindigkeit war, welche Prototypen der langen P-08 aufweisen, welche während des Ersten Weltkrieges auf Schnellfeuer umgebaut wurden.

Wer sich besser mit Innenballistik auskennt wird aufgrund dieser Tatsachen nun wissen, dass der Druck am Stoßboden einer Waffe, nach dem Austritt des Geschosses, nicht so schnell abfällt, wie einige das vermuten, dies ist auch gut so, denn der Restgrasdruck (eng. residual gas pressure) ist, wie bei beinahe allen Selbstladewaffen, mit verantwortlich für den Verschlussantrieb.

Besonders die Luger ist auf diesen zusätzlichen Antrieb, nach der Entriegelung, angewiesen, da der alleinige Stoß der Steuerkurve gegen das Kniegelenk dieses nicht ganz nach oben schleudern kann. Wird in eine Luger Pistole eine Lugersche Kröpfungrille (auch bekannt als Revelli-Rillen) eingeschnitten, welche ein herausdrücke der Patronenhülse nach hinten verhindert oder verlangsamt, kommt es bei einer Luger zu, durch Unterfunktion verursachten, Ladehemmungen.

Eine Luger ist demnach auf den Resteigengasdruck angewiesen, um zuverlässig zu funktionieren. Und hier beißt sich unsere Katze in den Schwanz und das Paradoxon entfaltet sein ganzes Arsenal der Verwirrung.

Wir haben eine Stoßboden-Kraft, welche die Lauf-Verschluss-Schlitten Gruppe antreibt, dabei entwickelt diese Gruppe kinetische Energie, welche dann aber gegen die ursprüngliche Stoßboden-Kraft ankämpfen muss, auch wenn es nur ein paar Millimeter sind, dieser Kampf muss gewonnen werden. Nach diesem Kampf wird die Stoßboden-Kraft jedoch vom Gegner zum Verbündeten und hilft dabei den Verschluss zu öffnen und diese Hilfe muss vorhanden sein.

Das Hauptproblem ist, dass die Stoßbodenkraft nicht plötzlich schwächer und dann wieder stärker werden kann.


Wer das ganze mal in der Realität nachvollziehen möchte, der braucht nicht weiter tun, als eine Bierflasche mit Plöpp-Verschluss ordentlich schütteln. Wenn man nun mit beiden Daumen versucht den Verschluss aufzudrücken, ist es erst schwer, wird dann noch schwerer, bis es dann laut Plöpp macht und der Verschluss regelrecht aufspringt und sich der Inhalt der Flasche über den Boden ergießt. Auch hier muss man bei den erstem paar Millimetern der Öffnungsbewegung zunächst gegen den Druck im Inneren der Flasche ankämpfen, bis einem dieser dann, nach Überwindung des Streckpunktes, plötzlich hilft und einem der Riegel der Flasche regelrecht aus den Finger springt.


Um das Paradoxon nachhaltig aufzuklären, müsste man eine Luger mit einer blinden Auszieherkralle und einer Madenkammer ausstatten. Eine blinde Auszieherkralle ist einfach eine Auszieherkralle, welche keine Kralle mehr hat und so eine Patronenhülse nicht ausziehen kann. Eine Madenkammer ist eine Patronenkammer, welche über eine oder mehrere Schrauben verfügt, welche innen so auf die Patronenhülse drücken, dass diese sich nicht mehr nach hinten, aus dem Patronenlager heraus, bewegen kann. Würde man nun noch eine Zeitlupenaufnahme von einer so manipulierten Luger machen, würde man sehen welche Bewegung das Kniegelenk alleine angetrieben durch den Aufprall auf die Steuerkurven vollführen könnte.

Das Ergebnis wird wahrscheinlich nicht sehr weit, oder nicht sehr hoch sein, denn George Luger hat seine Parabellum Pistole nicht aus Spaß als äußerst heiß öffnendes System entwickelt.

22. September 2025

Ladehemmungen von Schusswaffen ein Überblick

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag zum Thema Feuerwaffen.

Dieses mal gibt es von uns einen Überblick über die häufigsten und wichtigsten Formen von Ladehemmungen, also praktisch allem, was bei einer modernen automatischen Schusswaffe so alles schiefgehen kann.

Dabei jedoch noch zwei kleine Anmerkungen, denn nicht alles, was man umgangssprachlich so als Ladehemmung bezeichnet, ist auch wirklich eine Hemmung des Ladevorgangs, denn auch in einer Anzugsgruppe kann so einiges schief gehen und das wäre dann sprachlich korrekt eher eine Abzungshemmung. Der korrekte Oberbegriff ist Funktionsstörung. Dazu ist der Text sehr auf die Waffenfamilie der Lader fokussiert, andere Arten von mehrschüssigen Feuerwaffen, wie Revolver die zu den Transporter gehören, haben dann nochmal einige ganz eigene Funktionsstörungen.

Schematisch werde ich zunächst den englischen Begriff nennen, dann kurz erklären, wie sich die jeweilige Hemmung beim Schützen bemerkbar macht, um dann die technischen Hintergründe zu erläutern. Im nächsten Absatz erkläre ich dann, wie man die Ladehemmung dann genau behebt.

Blockierter Abzug

Bei einem blockierten Abzug (eng. Blocked Trigger, Dead Trigger) lässt sich der Abzug nicht abziehen, demnach handelt es sich um eine Ladehemmung des Typs A0. Dabei handelt es sich jedoch meist eher um ein Symptom, als um eine eigenständige Fehlfunktion.

Zur Behebung muss meist die Abzugsgruppe entblockiert werden, was bei den meisten Waffenmodellen ein Zerlegen der Waffe voraussetzt.

Diese Hemmung trag öfter bei XM16E1 auf, Ursache waren aus den Patronen heraus, in das Gehäuse der Waffe, gefallene Zündhüten, welche unter den Abzugsstollen gerollt waren und dort die Abzugsbewegung blockierten.

Untätiger Abzug

Bei einem untätigen Abzug (eng. Dead Trigger), kann zwar der Abzug betätigt werden, in der Waffe geschieht jedoch nichts, es haltend sich um eine Hemmung des Typs A0. Wie auch beim blockierten Abzug, handelt es sich hier meist um ein Symptom und weniger um eine eigenständige Hemmung. So kann ein untätiger Abzug unter anderem die Folge eines Zündversagens oder eines Verschlussrückpralls sein.

Der erste Versuch zur Behebung eines Untätigen Abzuges ist immer der Versuch eine Waffe erneut zu spannen, scheitert dies so sollte die Waffe zerlegt und die Funktion der Abzugsgruppe überprüft werden.

Untätige Abzüge kommen unter anderem beim PTR-91, dem iranischen G3, vor, welches eine deutlich schlechtere Nachschlagmasse besitzt. Durch Verschlussrückprall öffnet sich der Verschluss kurz, nachdem die Zündung der Patrone bereits eingesetzt hat und der Hammer im Dauerfeuermodus bereits fällt. Letzterer trifft auf die Schützensicherung und folgt dem Verschluss nur, anstelle mit voller Kraft auf das Zündhütchen zu schlagen. Es steht steht ein schlapper Hammer (eng. Follow Hammer). Es bricht kein Schuss, der Hammer ist nicht gespannt, der Abzugs Funktionslos.

Unbeabsichgtige Schließzündung

Bei der unbeabsichtigen Schließzündung (eng. Slam Fire) kommt es zum Bruch eines Schusses, sobald sich der Verschluss einer Waffe schließt. Ist dabei der Abzug nicht abgekrümmt, handelt er sich um eine Funktionsstörung (keine Ladehemmung) des Typs B. Die Ursache ist meinst eine Kombination aus zu empfindlichen Zündhütchen in Kombination mit einer zu starken Kinetischen Energie des Zündstifts.

Ein Beispiel sind frühe AR-15 M601, bei denen immer wieder, nach dem Durchladen, unbeabsichtigt Schüsse brachen.

Zündversagen

Bei einem Zündversagen (eng. failure to fire) wird der Abzug abgekrümmt und fällt, meist für den Schützen gut hörbar, es kommt jedoch nicht zu einer Zündung. Auch hierbei handelt es sich eher um ein Symptom, als um eine eigenen Hemmung. So kann es vorkommen, dass sich erst gar keine Patrone im Patronenlager befundet hat, eventuell ausgelöst durch ein überfahren der Patrone (eng. Bolt Override). Öfter kommt es jedoch vor, dass es Probleme mit der Munition oder dem Zündstift gibt.

Bei einem Zündversagen muss, durch das Abwarten einer gewissen Sicherheitszeit, sichergestellt sein, dass es sich nicht um einen Spätzünder (eng. Hangfire) handelt. Ist diese Zeit verstrichen, so versucht man zunächst die Zündeinrichtung der Waffe erneut zu spannen, was jedoch nicht bei allen Waffen möglich ist. Aus diesem Grund wird meist einfach händisch repetiert, um eine neue Patrone zu laden.

Spätzünder

Der Spätzünder (eng. Hangfire) ist nah verwand mit dem Zündversagen, nur das hier die Patrone nicht gar nicht zündet sondern stark verspätet. Ursache kann ein zu schwacher Zündschlag von Zündelement wie dem Zündstift aber auch fehlerhafte oder überlagerte Munition sein.

Wichtig bei einem Spätzünder ist, die Waffe weiterhin im Ziel zu halten, damit der Schuss nicht in eine unsichere Richtung abgegeben wird, was zu schweren Unfällen führen kann. Auch darf der Verschluss einer Waffe nicht frühzeitig geöffnet werden, da dies zu einer Zündung in unverriegeltem Zustand (eng. Out of Batterie Ignition) führen kann, wodurch die Waffe zerstört und der Schütze schwer verletzt werden kann.

Spätzünder sind vor allem Bei Lee-Enfield Gewehren bekannt, welche mit historischer Munition geschossen werden.

Schlappschuss

Der Schlappschuss oder schlappe Schuss (eng. Squib Load) kann, entgegen seines niedlichen Namen, eine der verheerendsten Fehlfunktionen überhaupt sein. Bei einem Squib entwickelt die Treibladung nicht ausreichend Druck, um das Geschoss vollständig aus dem Lauf heraus zu treiben, es bleibt im Lauf, als sogenannter Geschossstecker, stecken. Ursache ist beinahe ausschließlich die Munition, welche mit zu wenig Pulver bestückt oder in welche lediglich ein Zündhütchen eingesetzt wurde. Die eigentliche Gefahr stellt dabei nicht der schlappe Schuss selbst dar, sondern der eventuelle Versuch, einen Folgeschuss abzugeben. Dabei trifft dessen Geschoss auf das stecken gebliebene des Schlappschusses, was zu einem Überdruck im Lauf und damit zu einer Laufsprengung, auch Rohrkrepierer genannt, führt. Die Folge ist eine totale Zerstörung der Waffe und meist schwerste Verletzungen beim Schützen. Glücklicherweise sind Schlappschüsse deutlich an ihrem geringeren Rückstoß sowie dem Ausbleiben des sonst üblichen Mündungsknalls zu erkennen. Im Bezug auf automatische Waffe erzeugen Schlappschüsse meist nicht ausreichend Gasdruck oder Rückstoß, um die Selbstladefunktion anzutreiben.

Einen Schlappschuss zu beheben ist äußerst schwierig, meist muss das Geschoss mittels eines stabilen Ladestocks – unter Aufwand enormer Muskelkraft – durch den Lauf zurück getrieben werden. Die Idee, einen Geschossstecker mittels einer Platzpatrone vollständig durch den Lauf zu schießen, scheitert meist daran, dass sich zwischen Geschoss und Platzpatrone ein Sauerstoffkissen bildet, welches im Laufe des Befreiungsschusses immer weiter komprimiert wird und damit heiß und dicht genug wird, um den Lauf nachhaltig zu beschädigen.

Die Niederländische Armee (eigentlich Armee der Vereinigten Provinzen) gab für ihre frühen Hinterlader Notfallpatronen aus, welche einen Geschossstecker ausschießen konnte. Die Gewehre waren danach in der Regel wieder einsatzbereit, verloren jedoch stark an Präzision.

Geschossstecker

Geschossstecker (eng. Squib Round) werden häufig von Schlappschüssen (eng. Squib Load) verursacht, können jedoch auch anderen Ursachen haben wie Gasdrucklecks oder Fremdköper im Lauf, welche noch nicht stark genug sind einen Laufsprengung (Rohrkrepierer) zu verursachen. Im Hinblick auf Gefahren und Behebung gelten die gleichen Regeln, wie bei Schlappschüssen nur das vorher die Fremdköper aus dem Lauf entfernt oder der Ursache für ein Gasleck ausfindig gemacht werden sollte.

Rohrkrepierer

Der Rohrkrepierer oder auch die Laufsprengung oder Rohrsprengung (eng. Barrel Burst) ist eine schwerwiegende Funktionsstörung, welche auch als vordere Waffensprengung (eng. Barrel Kaboom) bezeichnet wird. Hier kann die Materialfestigkeit des Laufes dem Druck im inneren nicht standhalten und wird von diesem aufgerissen. Beigezogenen Waffen, wo die in den Lauf geschnittenen Züge die schwächsten Stellen darstellen, bildet sich meist ein Riss entlang eins dieser. Bei stärkeren Laufsprengungen bildet sich dagegen eine zweibelförmige Ausdehnung. Die Extreme form ist eine Sprengung bei welchen die Feldteile derart ins Freie verbogen werden, dass das Laufende aussieht wie die Tentakeln eines Oktopus.

Rohrkrepierer können lediglich durch den Austausch des Rohres behoben werden.

Durchstochenes Zündhütchen

Ein durchstochenes Zündhütchen (eng. Pirced Primer) entsteht, wenn der Zündstift zustark oder zuweit in das Zündhütchen in der Zündglocke der Patrone einschlägt und dabei die äußere Membran verletzt. Dadurch können heiße Pulvergase am Zündstift vorbei, durch dessen Lager, zuerst in das Innere der des Verschlusses und zuletzt auch in das Innere des Waffengehäuses gelangen. Gelangt nur eine geringe Menge Pulvergase so in die Waffe wird diese lediglich stärker verschmaucht und muss gereinigt werden. Gelangt jedoch deutlich mehr Gas in die Waffe so kann mit Magazinabsprengungen (ang. mag blowout) oder sogar eine Waffensprengung (eng. Kaboom) gerechnet werden. Durch den Gasverlust reduziert sich zudem der Gasdruck, mit welchem das Geschoss durch den Lauf getrieben werden kann, der Verlust ist meist nicht ausreichend um Geschossstecker zu verursachen, jedoch wird die Ballistik unberechenbar weswegen die Präzision der Waffe sinkt.

Selbst bei einmaligen Auftreten, sollte der Zündstift gründlich auf seinen Zustand und den Weg überprüft werden, den dieser im Verschluss zurücklegen kann. Ist der Zündstift ohne Markel, so kann davon ausgegangen werden, dass die Munition nicht sachgemäß gefertigt worden ist.

Während des Vietnam Krieges verbreitete sich unter US-Soldaten das Gerücht, man könne den SKS, durch das spitz zufielen des Zündstiftes, zur Abgabe von Schnellfeuer bewegen. Dies führte jedoch meist nur zu durchstochenen Zündhütchen und dem bandigen ausfall der Waffe durch verschmauchte Zündstiftschächte.

Ausgeblasenes Zündhütchen

Bei einem ausgeblasenen Zündhütchen (eng. Blow out Primer, Primer Blowout) wurde das Zündhütchen aus seiner Zündglocke herausgeblasen. Meist besteht die Ursache entweder in einem zu hohen Druck innerhalb der Patrone oder einer unzureichenden Befestigung des Zündhütchens in der Zündglocke, bei unzureichender Abstützung durch den Verschluss. Die unangenehmen Folgen sind meist eine Störung der Abzugsgruppe, sollte das Zündhütchen ins Waffengehäuse geschossen werden oder ein eintreten von Pulvergasen ins Waffengehäuse.

Ausgeblasene Zündhütchen sind ein deutliches Indiz für Überdruck in einer Feuerwaffe, welcher möglichst schnell behoben werden sollte. Um Zündhütchenausbläser zu vermeiden, sind diese bei militärischer Munition oft zusätzlich befestigt.

Während des Vietnamkrieges kam es bei XM16E1 immer wieder zu Zündhütchenausbläsern. Ursache war die nicht gut auf die Waffen abgestimmte Munition, welche viel zu hohe Drücke aufbaute und so den Verschluss der Waffen viel zu früh nach hinten trieb, welcher die unter hohem Druck stehenden Zündhütchen nicht ausreichend abstützen konnte. Die folge war, das Zündhütchen aus ihren Zündglocken ins Waffengehäuse gelangten und dort die Abzugsgruppe der XM16E1 störten.

Abgeschossener Mündungsaufsatz

Bei einem abgeschossenen Mündungsaufsatz (eng. Flying Muzzle Device) handelt es sich um ein Ereignis, bei welchem ein Mündungsaufsatz, nicht wie geplant, an der Mündung der Waffe verbleibt, sondern mit dem Geschoss mitgerissen wurde. Häufiger ist der Abflug des Mündungsaufsatzes jedoch darin begründet, dass Gasdruck zwischen Laufkrone und Mündungsaufsatz zum wirken kam, während keine Gegenkräfte durch mechanische Verbindungen, wie Gewinde, eine Beschleunigung des Mündungsaufsatzes nach vorne verhindern konnten.

Zur Behebung muss der Mündungsaufsatz gesucht, auf Beschädigungen durch das Geschoss oder den Gasdruck untersucht und anschließend sachgemäß an der Waffe befestigt werden.

Die Häufigste Ursache von fliegenden Mündungsaufsätzen ist das abfeuern scharfer Munition aus Waffen mit aufgesetztem Manöverpatronengerät.

Unzureichende Verschlussrücklaufdistanz

Bei einer unzureichenden Verschlussrücklaufdistanz (eng. short Bolt Travel) bewegt sich ein Verschluss nicht weit genug nach hinten, um die leere Patronenhülse auszuwerfen, eine frische Patrone aus dem Magazin zu entnehmen und in die Patronenkammer einzuführen. Dabei ist es zunächst unerheblich ob der Verschluss von der Automatik einer Selbstladewaffe oder der Muskelkraft eines Schützen nicht weit genug nach hinten bewegt wurde.

Bei beiden Waffentypen besteht die akute Behebung darin, den Verschluss der Waffe händisch in die hinterste Position zu bringen. Bei einer automatischen Waffe würde man danach den Verschluss nach vorne schnellen lassen. Für den nächsten Schuss sollte jedoch sichergestellt werde, dass die Antriebskräfte die Hemmkräfte überwiegen. Bei einer Selbstladewaffe muss sichergestellt sein, dass genug Gasdruck oder Rückstoß den Verschluss erreicht. Bei einer verstellbaren Gasabnahme sollte die Gasmenge erhöht werden. Zudem sollten ungewollte Hemmkräfte durch eventuelle Verschmutzung beseitigt werden.

Ein Beispiel ist das Romat, die israelische Version des FN FAL, welches von den Soldaten meist auf die niedrigste Gasentnahmeeinstellung gestellt wurde, bei welcher die Waffe noch repetierfähig war. Der Grund war ein deutlich auf diese Weise angenehmerer Rückschlag. Als die Waffen im Verlauf des Sechs-Tage-Krieges in Kontakt mit Wüstensand kam, welcher in der Waffe eine Hemmkraft ausübte, öffneten sich die Verschlusse der Waffen nicht immer weit genug. Ein anderen Beispiel bilden Waffen welche als Rückstoßlader mit kurz zurückgeleitendem Lauf arbeiten und mit Schalldämpfern ausgestattet werden. Die zusätzlich zu bewegende Masse des Schalldämpfer führt zu einer Unterfunktion des der Laufrücklaufs und erschwert die Repetierfunktion, die Folge ist meinst eine unzureichende Verschlussrücklaufgeschwindigkeit, Erst ein Schalldämpfer Masseentkoppler verschafft hier Abhilfe.

Auszugshemmung

Bei einer Auszugshemmung oder Auszugsfehler (eng. failure to extrect) wird die Patronenhülse nicht oder nicht vollständig aus der Patronenkammer der Waffe entfernt. Direkte folge ist, dass keine neue Patronen in die Patronenkammer eingeführt werden kann, bis die alte leere Hülse entfernt wurde. Meist stößt, beim nächsten Ladevorgang, die neu zuzuführende frische Patrone auf die alte im Lager verbliebene und es kommt zu Patronensalat (eng. Double Feed). Ursache ist meist ein überwiegen von Hemmkräften, welche die Patrone, meist durch Reibung, im Patronenlager halten bei gleichzeitig zu schwachen Auszugskräften, welche vom Verschluss über die Auszieherkralle auf die Patrone übertragen werden. Es werden die Drei Formen Krallenspung, Randabriss und Bodenabriss unterschieden.

Auszieherkrallensprung

Der Krallensprung (eng. Extractor Jump) ist die leichteste Form der Auszugshemmung. Hier überspringt die Auszieherkralle den Rand oder die Ausziehernut der Patrone lediglich , meist aufgrund einer zu schwachen Auszieherkrallenfeder oder einer abgenutzen Kralle. Meist reicht es das Magazin zu entfernen, damit keine weitere Patrone zugeführt werden kann, den Verschluss zu schließen und erneut zu öffnen. Meist wird die zurück gebliebene Patrone dann ausgezogen. Sollte dies nicht funktionieren, kann man versuchen die Patrone an ihrem Rand oder ihrer Ausziehernut mit dem Rand einer anderen Patrone oder einem Schlitzschraubenzieher zu entfernen.

Krallensprünge traten vermehrt bei den M4 Karabinern der US-Armee auf, diese mit dem feinen Wüstensand des Iraks in Kontakt kamen. Dieser feine Sand gelange in die Patronenkammern und erzeuge dort durch Reibung übermäßige Hemmkräfte, denen die ursprüngliche Form der Auszieherkralle und dessen Feder nicht gewachsen waren. Im Zuge des PIP/Individual Carbine Programms wurde deswegen ein Gummiring entwickelt, welcher zusätzlich um die Auszieherkrallenfeder gelegt wurde, dieser erhöhte die Auszugskräfte und beseitigte entsprechende Hemmungen.

Hülsenrandabriss

Bei der nächst schwerwiegenderen Form, wurde das Stück des Randes oder der Ausziehernut, welche von der Auszieherkralle ergriffen wurde, regelrecht abgerissen (eng. Rim Shear). Diese Form darf nicht mit dem Abriss des gesamten Hülsenbodens (eng. Case head Speparation) verwechselt werden. Hier wären die Auszugskräfte des Verschlusses zwar ausreichend gewesen, die Hemmkräfte wären jedoch so stark, dass das Delta zwischen Antriebs- und Hemmkraft stärker war, als die Materialfestigkeit der Patronenhülse. Zur Behebung greift man am besten sofort zu einer anderen Patrone oder einem Schlitzschraubenzieher und versucht die Patronenenhülse, an einem unbeschädigten Stück des Randes oder der Ausziehernut aus der Patronenkammer zu entfernen.

Hülsenbodenabriss

Ist eine eigentlich falsche Bezeichnung, da der Hülsenboden hier nicht von der Auszieherkralle abgerissen, sondern vom Gasdruck innerhalb der Patronenhülse abgesprengt beziehungsweise weggesprengt wird. Entsprechend ist die englische Bezeichnung Case Head Seperation (Hülsen Kopf Abtrennung) präziser, im Englischen bezeichnet man den Boden der Patrone mit dem Zündmittel als Head, englisch für Kopf. Die Ursache ist der direkt wirkende Gasdruck (Rückdruck) welcher versucht, die Hülse nach hinten aus dem Patronenlager heraus zu treiben, davon aber meist von einem verriegelten Verschluss abgehalten wird. Gleichzeitig drückt der radiale Liderungsdruck die Wände der Patrone gegen die Innenwände der Patronenkammer. Bei langen Patronen, welche besonders viel Reibung zwischen Patronenwand und dem Patronenlager erzeugen können, ist die Hemmkraft der Liederungsreibung stärker als die Aushubkraft des Rückdrucks der Patrone nach hinten. Wird nun die Patrone nach hinten nicht ausreichend von einem Verschluss abgestützt, wird die S-Strecke (Sichere Auszugsdistanz) überschritten und der Patronenboden nach hinten gedrückt, während die Wände der Patrone vom Liderungsdruck im Patronenlager festgehalten werden. Folge ist zunächst ein dehnen des Hülsenmaterials, anschließt ein aufreißen des Material und final der komplette Abriss des Hülsenbodens. Folge ist zum einen das austreten von heißen Pulvergase ins innere der Waffe, welche diese verschmutzen und Teile beschädigen können. Hin und wieder kann es dabei auch zum aussprengen des Magazins kommen.

Meist kann der abgerissene, eigentlich abgesprengte, Hülsenboden sogar noch leichter und weiter ausgeworfen werden als eine reguläre vollständige Patronenhülse. Der Rest der Patrone verbleibt jedoch in der Waffe und so ist ein vollständiges Zuführen einer frischen Patrone nicht möglich, diese kann nicht vollständig in das Patronenlager eingeführt werden. Um die Ladehemmung zu beheben, muss zunächst das Magazin entfernt werden, um weitere, zum Scheitern verurteilte, zuführversuche der Waffe zu unterbinden. Anschließend muss die unvollständig zugeführte zweite Patrone entfernt werden, dies kann meist ohne Probleme bewerkstelligt werden, da diese meist noch aus dem Patronenlager herausragt. Meist fällt die zweite Patrone sogar von alleine aus dem frei gewordenen Magazinschacht heraus. Schwieriger ist das entfernen der Resthülse aus dem Patronenlager, da diese keinen Rand und keine Ausziehernut mehr besitzt. Hand der Soldat kein Spezialwerkzeug zur Hand bleibt nur noch der Versuch, die Resthülse von vorne mit einem Ladestab zu entfernen. Dies geschaltet sich jedoch schwierig, da die Hülsenmundkrone die einzige vertikale Fläche ist, auf welche der Stab treffen kann, dieser wird jedoch teilweise hinter dem Übergangskonus verdeckt.

Während des Vietnam Krieges waren die Soldaten der US-Armee mit XM16E1 ausgerüstet, dessen Edgewater Puffer verschlissen und deren Patronen mit einem nicht gut auf die Waffe abgestimmten Pulver geladen waren. Folge war ein zu hoher Zapfdruck welcher den sehr leichten Verschluss zu einer viel zu frühen Öffnung veranlasste. Folge waren Hülsenbodenabsprengungen, die oft genug vorkamen, dass viele US-Soldaten fertig zusammen geschraubte Ladestücke mit Klebeband an ihren Waffen befestigten, um diese im Fall dieser Hemmung schnell griffbereit zu haben, um eine Resthülse zu entfernen.

Auswurfshemmung

Nach dem ausziehen der leeren Patronenhülse geschient in der Regel deren Auswurf entweder durch einen Gehäusefesten Auswerfer oder einen, welcher auf dem Verschluss sitzt. Gelingt der Auswurf aus dem Waffengehäuse nicht, stört die leere Patronenhülse in der Regel die weitere Waffenfunktion. meist lässt sich eine leere Patronenhülse jedoch schnell wieder aus dem System entfernen. Es gibt grob drei unterschiedliche Formen: Patronensalat mit leerer Hülse (eng. case double feed), Auswurfhemmung durch Unterfunktion (eng. stove) und Auswurfhemmung durch Überfunktion (eng. tower).

Patronensalat mit leerer Hülse

Die schwerwiegende aller Auswurfshemmungen ist die, in welcher noch nicht mal der der Versuch unternommen wird die Hülse auszuwerfen. Die Folge ist eine mitten auf der Verschlussbahn liegenbleibende Hülse, welche meist beim zurückkehren des Verschluss zusammen mit einer frischen Patrone aus dem Magazin in richtig Patronenkammer geschoben wird. Dabei verklemmen sich leere Hülse und Frische Patrone und es entsteht Patronensalat. In Schlimmen fällen kann dabei die frische Patrone derart beschädigt werden, dass diese nicht mehr verwendet werken kann.

Als Ursache kommt fast nur das völlige fehlen eines Auswerfers oder ein brechen einer Auswerferfeder in Frage. Aus diesem Grund sollte die Waffe erst repariert werden, bevor diese weiter verwendet wird. Ist eine Reparatur unmöglich, so sollte die Waffe als Einzellader verwendet werden, um die Beschädigung von Munition zu verhindern.

Auswurfshemmung durch Unterfunktion

Bei einer Auswurfshemmung durch Unterfunktion (eng. stove oder stovepipe, wörtlich Schornstein) verfügt der Verschluss nicht über ausreichend Rücklaufenergie, um die Patronenhülse mit einer ausreichenden Geschwindigkeit anzustoßen. Meist folgt daraus, dass die Hülse noch nicht vollständig aus dem Waffengehäuse geworfen wurde, wenn der Verschluss zurückgeht. Dies resultiert wiederum darin, dass sich die unvollständige Patronenhülse zwischen Verschlussstirn und der vorderen Kante des Auswurfsfenster verklemmt. Dabei zeigt der leere Patronenmund der verschossenen Hülse nach außen, wie der Schornstein eines Ofens, daher der englische Namen stovepipe. Als Folge kann sich der Verschluss, welcher meist bereits eine frische Patrone aus dem Magazin entnommen hat, nicht vollständig schließen, die SAchützensicherung (eng. out of battery safety) bleibt aktiv, es kann kein weiterer Schuss angegeben werden.

Zur Behebung reicht es oft aus, die verklemmte Patronenhülse zu ergreifen und aus der Waffe herauszuziehen. Auch wenn dabei die Gefahr besteht, die Waffe zu zerkratzen. Alternativ kann man den Verschluss nach hinten führen und gleichzeitig die Waffe in eine Position drehen, in welcher die leere Hülse durch die Schwerkraft aus der Waffe fällt. Dabei kann sich jedoch auch die frisch aus dem Magazin zugeführte Patrone lösen und mit aus der Waffe fallen. Man verlöre einen Schuss.

Ofenrohre sind eine der häufigsten Ladehemmungen und kommen unter anderem bei nicht regelmäßig gereinigten Waffen vor, als auch bei solchen mit zu niedrig eingestellter Gasregelung.

Auswurfshemmung durch Überfunktion

Auswurfshemmugen durch Überfunktion sind weitaus selber jedoch auch komplexer. Hier läuft der Verschluss deutlich zu schnell zurück, was zwar zu einem kräftigeren Auswerfer der Patronenhülse führt, jedoch auch zu einer ungewollt schneller horizontalen Rotation um den Hülsenboden herum. Dabei verlässt die Hülse meist das Waffengehäuse zunächst vollständig, dreht sich dann jedoch mit dem Hülsenmund voraus wieder in das Auswurfsfenster hinein. Dort stößt der Hülsenmund meist an die vordere Kante des Auswurfsfenster und kommt dort für einige Millisekunden zum stehen. Da durch eine zu hohe Verschlussgeschwindigkeit, meist auch eine zu hohe Verschlussrückkehrgeschwindigkeit einhergeht, versucht sich der Verschluss der Waffe zu schließen, während sich der Hülsenmund der leeren Hülse noch im Auswurfsfenster befindet. Bei bei einer Auswurfshemmung durch Unterfunktion auch, verklemmt sich die Hülse zwischen Verschlussstirn und Auswurfsfenster, nur das dieses mal der flache Hülsenboden nach außen zeigt, daher die englische Bezeichnung als Tower zu deutsch Turm.

Behoben wird diese Art der Funktionsstörung meist durch das herausziehen der verklemmten leeren Hülse. Da der vordere Teil der Hülse keinen Rand oder Ausziehernut besitzt, ist dies deutlich ungefährlicher als bei einem stove.

Häufigste Ursache für Auswurfshemmungen durch Überfunktion sind falsch eingestellte Gasabnehmen oder das Verwenden von Munition mit stärkerer Ladung als für die Waffe vorgesehen wie das verwenden von 5,56mm NATO in Waffen eigenrichtet für .223 Remington.

Verstiftetes Magazin

Ein verstiftetes oder verstecktes Magazin ist ein Magazin, welches durch das Verstecken, im Sinne einer Steckverbindung, einer nicht vollständig zugeführten Patrone nicht aus der Waffe entfernt werden kann. Auf diese Weise wird das übliche Vorgehen bei einer Ladehemmung blockiert, weswegen verstecke Magazine zu einer der schwerwiegenderen Ladehemmungen gezählt werden. Kehrt der Verschluss nach seiner Öffnungsbewegung zurück, stört er dabei meist eine Patrone aus dem Magazin an, um diese aus dem Magazin zu entnehmen und auf die Zuführrampen zu bringen. Kommt es dabei zu einem Anhalten des Verschlusses, so besteht die Möglichkeit, dass die Patrone noch nicht die Magazinlippen verlassen hat, jedoch bereits etwas in das Waffengehäuse hineinragt. Versucht nun der Schütze das Magazin aus der Waffe zu nehmen, so verhält sich die teilweise zugeführte Patrone, wie ein Sperrstift, welcher Magazin und Waffengehäuse mit einander Verstiftet.

Um diese Form der Ladehemmung zu beheben, sollte zunächst der Verschluss in seine hinterste Position gebracht werden. Im besten Fall hat die Auszieherkralle bereits Kontrolle über die Patrone erhalten, wodurch diese nach hinten gezogen und optimal auch bereits ausgeworfen wird. Da Jedoch die meisten automatischen Waffen nicht über eine Kontollierte Züführung sondern über Schubführung verfügen, wird dies in dem meisten Fällen nicht der Fall sein. Der Schütze muss also versuchen die Patrone so zu bewegen, dass diese nicht mehr als Sperrstift fungiert. Dazu kann er sie entweder Händisch soweit in Richtung Patronenlader schieben, dass diese die Magazinlippen vollständig verlässt, um dann das Magazin zu entnehmen. Alternativ kann der Schütze versuchen, die Patrone zurück ins Magazin zu schieben, um dann das Magazin zu entfernen. Letzteres Vorgehen ist jedoch meist schwieriger zu bewerkstelligen.

Überfahrenes Magazin

Bei einem überfahrenen Magazin (eng. Magazin Override oder Magazine Overdrive) fährt der Verschluss einfach über ein Magazin hinweg, welcher noch Patronen enthält, ohne eine Patrone aufzunehmen und die die Patronenkammer zuzuführen. Die Folge ist eine Waffe dessen Zündeinrichtung zwar gespannt, dessen Patronenlager jedoch nicht geladen ist. Krümmte der Schütze den Abzug ab, so fiele der Hammer, es bräche jedoch kein Schuss. Bei Dauerfeuer unterbräche die Schussfolge.

Zur Behebung muss der Schütze lediglich den Verschluss repetieren und könnte dann, bis zu einem erneuten auftreten der Hemmung, wieder feuern.

Das XM16E1 der US-Amerikaner zeigte vermehrt diese Hemmung. Ursache war eine Kombination aus zu hoher Verschlussgeschwindigkeit und verschmutzten Magazinen.

Randhänger

Als Randhänger (eng. Rim Lock) bezeichnet man eine Hemmung, bei welcher zwei Randpatronen mit ihren jeweilen Ränder aneinander hängen bleiben. Dabei liegt der Rand der oberen Patrone hinter dem Rand der, im Magazin, unter ihr liegenden Patrone. Versucht nun der Verschluss die obere Patrone aus dem Magazin zuzuführen, so überträgt sich diese Kraft ober den Rand der ersten Patrone auf die zweite unter ihr im Magazin. Dabei wird die zweite Patrone jedoch nicht mit zugeführt, sondern gegen den vorderen Außenrand des Magazin gedrückt, wo es kein Weiterkommen gibt. Der Verschluss lässt sich nicht schließen, entsprechend kann die Waffe nicht abgefeuert werden.

Die Lösung besteht darin, die erste Patrone händisch aus dem Magazin zu entnehmen und, je nachdem wie eilig es der Schütze hat, zu entfernen oder so ins Magazin zurück zu drücken, dass dessen Rand nun vor dem Rand der Patrone darunter liegt.

Zuverlässige Magazine für Waffen für Randpatronen zu entwickeln war und ist eine schwierige Aufgabe. Waffen wie das russische Mosin Nagant oder das britische Lee-Enfield besitzen spezielle Einrichtungen in ihren Magazinen, alleine nur um Randhänger zu vermeiden.

Überzählige Zuführung (Patronensalat)

Als überzählige Zuführung (eng. Double Feed) bezeichnet man Hemmungen, welche dadurch hervorgerufen werden, dass die Waffe versucht zwei Patronen gleichzeitig in das Patronenlager einzuführen.

Horizontaler Patronensalat

Hier wurde entweder bereits eine Patrone in das Patronenlager eingeführt oder eine ist auf dem Weg dorthin, als die Waffe versucht eine weitere Patrone zuzuführen. Dies kann jedoch nicht gelingen, da die erste Patrone diesem weg blockiert. Im besten Fall bleiben die beiden Patronen hinter einander hängen und blockieren so den weiteren Weg des Verschlusses nach vorne. Im günstigsten Fall trifft dabei das Geschoss der hinteren Patrone lediglich auf den Hülsenboden der vorderen. Dabei passiert im besten Fall nichts, in unglücklichen Fällen, kann es jedoch zu einem eindrücken des Geschosses der hinteren Patrone in dessen Hülse kommen (eng. bullet setback). Dadurch wird der Pulverraum dieser Patrone reduziert, was bei dessen abfeuern zu einem Überdruck führen kann. Im schlimmsten Fall, trifft die zweite Patrone, welche versucht ins Patronenlager zu gelangen, mit der Spitze ihres Geschosses, auf das Zündhütchen der ersten Patrone im Patronenlager und entzündet diese. Da die zweite Patrone die erste Patrone nicht, wie ein Verschluss, gegen den Gasdruck rückwärtig abstützen kann, kommt es meist zu einem Aushub der erste Patrone nach hinten, aus dem Patronenlager heraus, gefolgt von einem Hülsenriss und durch das unkontrollierte austreten von Pulvergasen zu einer Waffensprengung.

Um horizontalen Patronensalat zu beheben, sollte man zunächst den Verschluss in die hinterste Position bringen und anschließend das Magazin entfernen, damit keine dritte Patrone sich dem Salat anschließt. Anschließend versucht man beide Patronen zu entfernen. Möchte man die am Salat beteiligen Patronen danach noch verschießen, so sollte man diese gründlich auf Beschädigungen untersuchen. Besonders die zweite Patrone neigt dazu einen Geschosseindrücker (eng. bullet set back) zu erleiden.

Besonders das deutsche Repetiergewehr Gewehr 88 litt unter horizontalem Patronensalat, wenn man den Verschluss eines geladenen G88 nach vorne schob, auf halber Strecke stoppte, den Verschluss wieder nach hinten führte, um anschließen dieser wieder nach vorne zu schieben verursachte man ein horizontales aufeinandertreffen von zwei Geschossen auf der Verschlussbahn. Der Grund war, dass die Auszieherkralle erst in die Ausziehernut der Patrone einsprang, wenn diese, gegen Ende der Zuführbewegung, schon fast vollständig in das Patronenlager eingeführt war. Zog man den Verschluss auf halber Strecke zurück, so bliebt die erste Patrone einfach auf der Verschlussbahn liegen. Dies wurde beim Nachfolger, dem Mauser G98, verunmöglicht, da die Auszieherkralle deutlich früher Kontrolle über die Patrone erlangte (eng. controlled feed). Bei einem Zurückziehen des Verschlusses ab halber Strecke wurde die erste Patrone mitgenommen, zudem konnte eine neue Patrone erst nach dem Auswurf der vorherigen vom Verschluss angestoßen werden.

Vertikaler Patronensalat

Wo beim vertikalen Patronensalat zwei Patronen nach einander versuchen, in das Patronenlager zu gelangen, da versuchen es bei horizontalem Patronensalat zwei Patronen gleichzeitig. Die Verschlussstirn trifft hier nicht auf einen, sondern auf zwei Patronenböden und schiebt demnach zwei Patronen über, seltener nebeneinander, in das Patronenlager. Dabei trifft das untere Geschoss meist, wie geplant, auf die Zuführrampen. Da obere hingegen meist an die Oberinnenseite des Patronenlagers. Aus diesem Grund werden beide Patronen von ihren Geschossen aus zueinander gepresst und dabei stark deformiert. Spätestens zu diesem Zeitpunkt kann sich der Verschluss, meist noch nicht mal unter massiver Gewalteinwirkung von Außen, weiter nach vorne bewegen. Die Waffe ist schussunfähig. Nur selten handelt es sich bei horizontalem Patronensalat um eine eigenständige Hemmung, auch wenn diese zum Beispiel durch hochgebogene Magazinlippen verursacht werden kann. Öfter kommt diese Art der Hemmung zustande, wenn ein Schütze versucht eine andere Hemmung zu beheben, ohne vorher das Magazin zu entfernen. Ursache ist, dass für die Behebung der meisten Hemmungen der Verschluss bewegt werden muss, dieser weiß jedoch nicht, dass er dabei keine neuen Patrone aus dem Magazin zuführen soll. Die Weiter auf eine bestehende Hemmung zugeführten Patronen verursachen horizontalen Patronensalat.

Um vertiakelen Patronensalat zu beheben, sollte zunächst das Magazin entfernt werfen, damit sich keine weiteren Patronen dem Salat anschließen. Anschließend wird der Verschluss in die hinterste Stellung gebracht und optimal dort fixiert. Dann versucht man die Patronen zu entfernen. Optional fängt man dabei mit der Unteren an, auch wenn diese meist schwerer zu erreichen ist, da diese leichter von den Zuführrampen abgleiten kann, als die Obere von der meist steilen oberen Kante des Patronenlagers. Da Patronen bei vertikalen Patronensalat meist schwer deformiert werden, wird stark davon abgeraten diese zu verschießen.

Blockierter Verschluss

In ganz besonders harten Fällen kann er vorkommen, dass sich der Verschluss nicht mehr öffnen oder schließen lässt. Ursache sind meist dazugekommene Hemmkräfte, meist Reibung verursacht durch Schmutz oder Eis. Die Folge ist, dass sich eine Waffe gar nicht erst durchladen oder spannen lässt.

Zur Behebung eines (eng. Stuck Bolt) versucht man zunächst die Waffe, bei festgehaltenem Verschlussgriff, mit dem Kolben auf den Boden zu schlagen. Gelingt dies nicht, kann man versuchen die Waffe mit Wasser auszuspülen. Bleibt auch diese Maßnahme ohne Erfolg, so ist man gezwungen die Waffe zu zerlegen.

Das T-48, die Version des FN FAL welche von den US ab 1951 erprobt wurde, hatte unter arktischen Bedingungen die Angewohnheit, dass zwischen Verschluss und Gehäuse gelangter Schnee dort während des Schießens schmolz und anschließend wieder gefror. Die Folge war ein blockierter Verschluss, welcher nur durch komplettes abtauen der Waffe oder das zerlegen behoben werden konnte. Fror ein T-48 bei offen stehenden Verschluss, so war ein Zerlegen jedoch nicht möglich, da die Schließeinrichtungsverbindungsstange die beiden Gehäusehälften des T-48 verzampfte.

Schlapper Hammer

Als schlappen Hammer (eng. Follow Hammer) bezeichnet man eine Hammer oder einen Schlagstift, welcher nicht mit voller Kraft auf das Zündhütchen schlägt, sondern langsam auf es herausgleitet und dabei nicht die nötige Kraft entwickelt dieses abzuschlagen und die Zündung der Patrone einzuleiten. Ursache ist mein ein defekter oder von Laien absichtlich deaktivierter Selbstladeunterbrecher. Die Folge ist eine Waffe welche zwar über eine Patrone in der Patronenkammer verfügt, dessen Zündeinrichtung jedoch nicht gespannt ist. Der schlappe Hammer hat ein Zündversagen verursacht.

Um einen schlappen Hammer zu beheben, kann der Schütze versuchen die Zündeinrichtung erneut zu spannen, wobei die meisten Waffen jedoch repetiert werden müssen.

Da unter Laien und Endbenutzern leider das Gerückt umgeht, dass man Selbstladewaffen, durch das Entfernen des Unterbrechers in Schnellfeuerwaffen umbauen könnte, wird von diesem immer wieder versucht diese auszubauen, abzufeilen oder sonstwie zu deaktivieren. Folge ist meist lediglich ein schlapper Hammer. Andersfalls werden schlappe Hämmer oft durch Verschlussrückprall verursacht, so bei der iranischen PTR-71 einem Klon den deutschen G3.

Verschlussrückprall

Bei Verschlussrückprall (eng. Bolt Bounce) handelt es sich um ein Phänomen, bei welchem der zurückkehrende Verschluss am Schildzapfen oder direkt an der hinteren Wand der Patronenkammer abprallt und dabei ein Stück zurück springt. Je nach Beschaffenheit der Zündeinrichtung kann es bereits vor dem Sprung nach hinten zu einer Zündung gekommen sein. Aus diesem Grund wird zwischen Verschlussrückprall mit und ohne Zündung unterschieden.

Verschlussrückprall ohne Zündung

Hier schnellt der Verschluss, innerhalb einer laufenden Schussfolge, nach vorne, entnimmt dem Magazin eine Patrone, führt diese zu, verriegelt, betätigt den Schnellfeuerunterbrecher, springt dann aber ein Stück zurück. Bei diesem Rücksprung entriegelt der Verschluss teilweise, jedoch tritt, bei einer sorgfältig konstruierten Waffen, dabei auch die Schützensicherung (eng. out of battery safety) in Kraft. Der durch die Betätigung des Schnellfeuerunterbrechers freigegebene Hammer trifft nun nicht auf den Zündstift, sondern auf die Sicherung. Es bricht kein Schuss mehr, obwohl sich eine Patrone im Patronenlager befunden hätte. Es kommt zu einer Hemmung ähnlich einem Zündversagen.

Um die Folgen eines Verschlussrückpralls ohne Zündung zu beheben, kann der Schütze versuchen die Zündeinrichtung erneut händisch zu spannen. Bei den meisten Schnellfeuerwaffen ist dies jedoch nur durch repetieren möglich. Dabei wird die nicht gezündete Patrone ausgeworfen, welche bedenkenlos wiederverwendet werden kann. Um konstruktiv gegen Verschlussrückprall vorzugehen, bieten sich verschiedene Möglichkeiten kann. Die formschlüssige Verschlusssperre der UMP45 ergreift den Verschluss kurz für einige Millisekunden, wenn dieser in der vordersten Position ankommt. Die Nachschlagmasse des MG3 gibt dem Verschluss von hinten einen Schlag, wenn dieser vorne zum stehen kommt. Einen anderen Weg geht die AKM, welche ihren Hammer für einige Millisekunden festhält, so das der Verschluss vorne etwas mehr Zeit hat sich zu beruhigen.

Besonders das iranische PTR-71, ein Klon des deutschen G3, leidet unter Verschlussrückprall, da es über eine deutlich schlechtere Nachschlagmasse verfügt.

Verschlussrückprall mit Zündung

Bei dieser, weitaus gefährlicheren, Version des Verschlussrückpralls, kommt es vor dem Rückprall noch zu einer Zündung. Der Verschluss beginnt, innerhalb eines Schusszyklus, nach vorne zu laufen. Dabei entnimmt er dem Magazin, oder einem anderen Patronenvorrat wie einem Gurt, eine Patrone, führt diese in der Patronenlager ein und zündet diese sofort, wie es meist bei zuschießenden Waffen mit Vorlaufzündung (Zündung durch Vorlauf) der Fall ist. Gleichzeitig mit der Zuführung verriegelt der Verschluss. Kommt es zu zu Verschlussrückprall, so wird der Verschluss eine kleine Strecke nach hinten geworfen, während sich in der gezündeten Patrone bereist der Gasdruck aufzubauen beginnt. Bei seinem Rücklauf entriegelt der Verschluss teilweise oder sogar ganz. Dies kann fatalerweise dazu führen, dass die Patrone durchzündet, während der Verschluss teilweise entriegelt ist und in diesem Zustand dem Gasdruck der Patrone nicht genug Wiederstand leisten kann. Die Folge sind ein überschreiten der S-Strecke, was Hülsenreißer und Waffensprengungen zur Folge haben kann.

Nach einer Waffensprengung sollte der Schütze sich zunächst selber auf Verletzungen untersuchen, welcher versorgt werden müssen. Danach muss jegliche verbleibende Munition aus der Waffe entfernt werden. Erst danach sollte durch eine gründliche Inspektion aller Waffenteile sichergestellt werden, dass die Waffe weiterhin einsatzbereit ist.

Vor allem das deutsche Maschinengewehr MG42 litt unter Verschlussrückprall welcher regelmäßig zu Hülsenreißern und sogar Hülsenbodenabsprengungen führte. Die Ursache für diese schwerwiegenden Hemmungen blieb lange unbekannt, bis Hochgeschwindigkeitsaufnahmen Verschlussrückprall als Ursache ausmachten. Eine als Zwangsjacke bezeichnete Nachschlagmasse wurde zwar entwickelt kam aber nicht mehr zur Truppe, da die Umstellung auf stabilere Stahlhülsen das Problem zufällig behob. Das MG1 des späteren Bundesgrenzschutzes erhielt jedoch eine als Verschlusssperre bezeichnete Nachschlagmasse.

Waffensprengung

Be einer einer Waffensprengung, auch Fatale oder Totale Fehlfunktion, im Englischen schlicht Kaboom handelt es sich um eine Reihe von Fehlfunktionen, bei welchen Wichtige Waffenteile durch den Druck der Pulvergase nachhaltig zerstört oder derart deformiert werden, dass die Waffe nicht ohne den Austausch dieser Teile wieder schussbereit wird.

Mündungssprengung

Bei einer Mündungssprengung (eng. Muzzle Kaboom) wir der Laufmündung der Waffe aufgerissen wird. Da bei Waffen mit gezogenen Laufprofiel die Züge natürliche Schwachstellen darstellen, wird der Lauf meist in der Form gedrehter Tentakel aufgerissen. Die Ursache für diese Form des Rohrkrepierers ist meist ein Laufhindernis, meist in Form eines in den Lauf eingedrungenen Fremdkörpers. Dieser verursacht ein abruptes abbremsen des Geschosses, während dieses von hinter weiterhin von den Pulvergase nach vorne geschoben wird. Da das Geschoss den Pulvergase nicht, wie berechnet, Platz machen kann und damit das Volumen im Lauf erhöht, kann der Druck auf ein Niveau ansteigen, welches die Festigkeit des Laufmaterials übersteigt. Da aus Gründen der Gewichtsersparnis der Lauf zur Mündung hin oft dünner wird, kommt es an der Mündung oder kurz vor der Mündung zu einem aufreißen des Laufes, da sich hier der schwächste Punkt befindet.

Hält man eine Waffe nur mit der Mündung in das Wasser eines Flusses oder Sees, so ist das Geschoss, im nicht mit Wasser gefüllten Teil des Laufes, in der Lage, auf die gewünschte enorme Geschwindigkeit zu beschleunigen. Trifft das Geschoss jedoch auf den mit Wasser gefüllten Teil, nahe der Mündung, so wird das stark beschleunigte Geschoss durch das Wasser stark abgebremst und es kommt zu den beschriebenen Erscheinungen.

Laufsprengung

Hier ist meist eine Sprengung des Laufes (eng. Barrel Burst) im mittleren Teil gemeint. Die Folge ist meist ein längsseitiges Aufreißen des Laufes. Bei Waffen mit gezogenen Läufen bilden die, in den Lauf geschnittenen, Züge eine Schwachstelle, das aufreißen beschießt demnach meist spiralförmig. In besonders schwere Fällen reißen auch oft gleich mehrere Züge auf, wodurch die typische Zwiebelform entsteht. Wie bei Mündungssprengungen auch, so ist die Ursache oft in Laufhindernissen zu finden, welche das Geschoss entschleunigen und so zu einem Überdruck im Lauf führen, da der einberechnete Volumengewinn durch Geschossbewegung ausbleibt. Aber auch Materialermüdung kann zu Laufsprengungen führen.

Der eigentlich nur für hintergelagerte Truppen ausgegebene M4 Karabiner wurde während des Krieges gegen den Terror auch von Spezialeinheiten verwendet. Bei einer Mission verwendete ein Mitglied des US SOCCOM einen M4A1 Karabiner, um Deckung zugeben in beinahe ununterbrochenem Dauerfeuer. Dies führte zu einer Lauftemperatur, welcher der Lauf, in Verbindung mit dem Gasdruck in seinem Inneren nicht bewachsen war. Die Folge war die Entwicklung des M4A1 SOCOM (Colt Model 920HB).

Patronenkammersprengung

Im seltenen Fall einer Patronekammersprengung (eng. chamber failure) wird die Patronekammer verrissen. Dies ist äußerst selten, da die Patronenkammer meist das stärkste Glied in der Kette der tragenden Komponenten einer Feuerwaffe ist. In der Regel kommt es eher zu einer Laufsprengung oder dem Abriss von Verriegelungselementen, als zum versagen der Patronenkammer. Dabei kann es jedoch vorkommen, dass das Geschoss schon so früh im Lauf durch Fremdkörper blockiert ist, dass der Gasdruck den Lauf erst gar nicht erreichen kann.

Schildzapfensprengung

Bei dieser Fehlfunktion wird der Schildzapfen auseinandergerissen (eng. trunnion failure). Da der Schildzapfen meist, im Gegensatz zur nach ihm folgenden Patronenkammer, Ausfräsungen für die Aufnahme der Verriegelungs- oder Übertragungelemente des Verschlusses besitzt, ist dieser meist Materialschwächer als die Patronenkammer. Kommt es zu einem Überdruck in der Patronenkammer, kann es vorkommen, dass der auf den Verschluss wirkende Gasdruck so stark ist, dass dessen Verriegelungselemente eine derart starke Kraft auf die Gegenlager des Schildzapfens ausüben, dass entweder diese Gegenlager abgerissen werden. Sind die Gegenlager jedoch materialstark genug, so kann es zu einem aufreißen oder aufbiegen des Schildzapfens kommen.

Verschlusssprengung

Mit Verschlusssprengung wird ein recht weites Feld an Erscheinungen zusammengefasst. Die leichteste Form ist der Abriss der Verriegelung oder Übertragungselemente. Hier wird der Druck so hoch, dass Elemente wie Zapfen (Verschlusswarzen) schlicht abgerissen werden (eng. lug failure, lug sheere). Voraussetzung ist, dass die Gegenlager im Schildzapfen sowie der Schildzapfen selber eine höhere Materialfestigkeit als die Verriegelungselemente ausweisen. Die Folge ist meist eine überhöhte Verschlussgeschwindigkeit welche, je nach Modell, sogar dazu führen kann, dass der Verschluss nach hinten aus der Waffe herausgeschossen wird. Eine weiter Form der Verschlusssperungen ist die Sprengung von innen heraus. Diese wird meist dadurch verursacht, dass sich der Verschluss innen mit Pulvergasen füllt. Ursache wiederum hierfür sind meist durchstochene Zündhütchen (eng. pierced primer). Dabei kann sich der Verschluss aufblähen und sogar bersten.

Besonders bei den Mauser-98-Gewehren wurde auf besonderen Schutz vor Verschlusssprengungen gelegt. So besitz der Verschluss an seiner Unterseite einen weiteren Verriegelungszapen, welche während des normaler Betriebes der Waffe nicht in Aktion ist. Käme es zu einem Abreißen der beiden Hauptzapfen oder zu einem aufreißen der Schildzapfenhülse, so bestände die Aufgabe dieses dritten Sicherheitszahn nicht darin, den Verschluss komplett aufzuhalten. Seine Aufgabe besteht darin, dadurch, dass er nur unten wirkt, der Verschluss zu einer Drehbewegung nach oben zu veranlassen, wodurch der Verschluss nicht gerade in das Gesicht des Schützen fliegen würde, sondern im Idealfall noch oben über dessen Kopf hinweg. Auch besitzt der Verschluss des Gewehr 98, damals Kammer genannt, große Löcher an der Unterseite. Im Fall eines durchstochenen Zündhütchens, könnte sich zwar der Verschluss mit Gas füllen, dieses könnte jedoch durch die Löcher nach unten entwichen. Es würde zwar eine Anstauen des Gases im Verschluss verhindern würde, jedoch würde das, ins Magazin der Waffe gelangende Gas, dieses nach unten aus der Waffe schießen, beziehungsweise bei einem klassischen Mauser-98-System die Bodenplatte des internen Magazins auf sprengen.

Magazinabsprengung

Das aussprengen eines Magazins (eng. Magazin Blowout, Mag Blowout) ist nur bei Waffen mit integriertem Magazin eine fatale Waffensprengung, bei welcher das Magazin, vom Gasdruck rückwärtig entweichender Pulvergase, aus der Waffe geschleudert wird. Alternativ kann auch nur der Magazinboden abgesprengt werden. Der ins Waffengehäuse gelangte Gasdruck kann dabei viele Ursachen haben. Besonders häufig sind durchstochene Zündhütchen, sowie Zündungen bei unzureichender Verriegelung (eng. Out of Battery Detonation).

Nicht geschlosserter Verschluss

Ein nicht geschlossener oder auch nicht vollständig geschlossener Verschluss (eng. not in Battery) ist ein Hemmung, bei welcher ein Verschluss, am Ende eines Ladezyklus, nicht vollständig in der vordersten Position angekommen ist. Würde ein Schütze nun den Abzug einer umsichtig konstruierten Waffe betätigen, so wurde zwar der Hammer fallen sich jedoch, aufgrund der Schützensicherung kein Schuss lösen. Einige Modelle setzen auch Verschlussfühler ein, um ein lösen des Hammers, bei nicht vollständig geschlossenem Verschluss, komplett auszuschließen. Die häufigste Ursache für einen nicht vollständig geschlossenen Verschluss ist, dass der Schütze den Verschluss oder Schlitten einer automatischen Waffe nicht hat nach vorne schnellen lassen, sondern diese per Hand nach vorne geführt hat, um unter Umständen keinen Lärm zu verursachen. Es kann jedoch auch an einer zu schwachen Schließfeder oder zu starken Gegenkräften durch Reibung, verursacht durch Verschmauchung oder Verschmutzung, liegen. In Besonders schweren Fällen, versperrt Dreck die Gegenlager des Schildzapfen oder es befindet sich sogar ein Fremdkörper in der Patronenkammer, welcher die Patrone darin hindert voll ins Patronenlager eingeführt zu werden.

Um einen nicht vollständig geschlossenen Verschluss zu beheben, kann ein Schütze bei den meisten Waffenmodellen versuchen den Verschlussgriff nach vorne zu drücken. Bei Waffen bei denen der Verschlussgriff keine vorwärtige Kontrolle erlaubt, hilft es meist nur, den Verschluss komplett nach hinten zu führen und erneut nach vorne schnellen zu lassen. Dabei wird jedoch eine Patrone unbeabsichtigt ausgeworfen. Einige Waffen ohne vorwärtig wirkenden Verschlussgriff, wie das M16A1, haben Schließhilfen, mit welchen sich der Verschluss in die vorderste Position zwingen lässt. Ein einfaches steckenbleiben des Verschlusses, kann mit einer solchen Einrichtung behoben werden. Wurde die Hemmung jedoch durch einen Fremdkörper verursacht, würde ein zu starkes Betätigen des Verschlussdrückers die Hemmung jedoch verschlimmern, da die zuladede Patrone deformiert und der Fremdköper tiefer in die Waffe hinein getrieben werden würde.

Besonders das Selbstladegewehr M1 Garand der US-Amerikaner im zweiten Weltkrieg, litt meist nach dem Laden mit seinen 8-Schuss-Laderahmen direkt an einem nicht geschlossenen Verschluss. Dieser schloss sich, je nach Zustand der Waffe und des jeweils verwandten Rahmes, meist nicht vollständig und so musste der Schütze oft den Verschluss per Hand am Verschlussgriff nach Vorne treiben.

Hitzezündung

Bei einer Hitzezündung (eng. cook-off) wird eine Patrone nicht durch das auftreffen eines Zündelements auf sein Zündhütchen, sondern durch von außen aufgenommene Hitze entzündet. Ursache ist hierfür die chemische Beschaffenheit des Treibmittels wie auch den Zündhütchen, welche bei einer bestimmten Temperatur zünden, unabhängig von der Zündquelle. Meist kommt es bei Schnellfeuerwaffen zu Hitzezündungen, wenn sich eine Patrone über einen längen Zeitraum hinweg in einem Patronenlager eines heißgeschossenen Rohres befindet.

Um Hitzezündungen zu vermeiden, sind die meisten für Dauerfeuer ausgelegten Waffen, als zuschießende Waffen mit geschlossener Verschlussstellung ausgeführt. So wird eine neue Patronenhülse erst Millisekunden vor dem Schuss in die Patronenkammer eingeführt, um die Zeit zu reduzieren, in welcher diese Hitze von dieser aufnehmen kann. Aber auch bei diesen Waffen ist es ratsam, vor dem öffnen eines eventuell steckengebliebenen Verschlusses, eine Sicherheitszeit abzuwarten, um eine eventuelle Hitzezündung nicht bei offenem Verschluss geschehen zu lassen, auch ist dabei die Mündung der Waffe in eine sichere Richtung zu halten.

Besonders beim MG3 kam es in Kombination mit überlagerter Munition immer wieder zu Unfällen. Dabei wurde das Rohr des Maschinengewehr, während einer Schussfolge, immer heißer. Es versagten jedoch immer wieder Zündhütchen, worauf sich der Verschluss mit einer solchen Patrone im Patronenlager schloss, es jedoch nicht direkt zu einer Zündung kam. Diese erfolgte erst später durch eine Hitzezündung. Wartete ein Soldat diese Zeit nicht ab, sondern öffnete den Verschluss, um zu sehen was los war, konnte es zu einer Zündung ohne ausreichende Verriegelung kommen (eng. out of Battery Ignition).

Unverriegelte Zündung

Von einer unverriegelten Zündung oder Zündung bei nicht geschlossenem Verschluss (eng. out of Battery Ignition) spricht man, wenn es zur Zündung einer Patrone kommt, während entweder die Verriegelung- oder Übertragungsaelemente noch nicht in ihre Ruheposition eingefahren sind, wenn der Verschluss nicht vollständig geschlossen ist geschlossen ist und die Verrieglungs- und Übertragungglieder noch nicht ihren vollen Ruhewert erreicht haben oder wenn eine Patrone bei komplett offenem Verschluss zündet.

Zündung bei nicht aktiven Verriegelungselelemten

Kommt es bei einer Waffe, welche eigentlich auf eine formschlüssig statische Verriegelung berechnet ist zu einer Zündung, während die entsprechenden Ruheelemente nicht in ihre Gegenlager eingefahren sind, so ist mit einer deutlichen Überschreitung der S-Strecke sowie mit einer unseren Verschlussrücklaufgeschwindigkeit und allen damit verbunden Folgen, wie einem Hülsenreißer, zu rechnen. Ursachen können unter anderem ein unsachgemäßer Zusammenbau der Waffe oder eine vorangegangene Beschädigung der Waffe sein.

Nach einer Zündung in nicht verriegeltem Zustand, sollte die Waffe gründlich auf ihre Funktion überprüft werden.

Beim kanadischen Geradezuggewehr Ross als auch beim deutschen Kommissionsgewehr G88 war es konstruktionsbedingt möglich, die Waffe so zusammen zubauen, dass die Verriegelungskämme des Ross bzw. die Verschlusskopfzapfen des G88 nicht in ihre Gegenlager einrasteten. Das abfeuern einer derart fehlerhaft zusammengebauten Waffe führte zu, für die damaligen Soldaten, traumatischen Erlebnissen welche das Vertrauen in die Waffen nachhaltig beschädigte.

Zündung bei nicht vollständig geschlossenem Verschluss

Bei dieser Form der unversiegelten Zündung hat sich der Verschluss noch nicht ganz schließen können, wenn die Patrone zündet. Bei formschlüssig statischen Waffen kann dies fatale Folgen haben, da diese auf eine bestimmte gesamte Oberfläche zwischen Verriegelungselement und Gegenlager angewiesen sind. Ist dieser Oberfläche zu klein, können Teile von Lager und Gegenlager abbrechen. Die Folgen sind sowohl eine nachhaltige Beschädigung als auch eine Überschreitung der S-Strecke und eine unsichere Verschlussgeschwindigkeit, wenn auch in geringerem Maße als bei gar nicht aktiven Ruheelementen. Bei kraftschlüssig dynamischen Waffen mit Übersetzung, deren Übertragungselemente nicht vollständig in ihre Taschen oder Ruhelager eingeführt wurden, ergibt sich ein ähnliches Bild, wenn auch mit einer geringeren Chance auf eine Beschädigung der Elemente.

Das französische Sturmgewehr FAMAS erzeugt durch seine Übersetzung, nach der französischen Formel, aus seinem insgesamt nur 380 Gramm schweren Verschluss eine virtuelle Masse von 2⅓ Kilo. Dies gelingt jedoch nur, wenn der Übersetzungshebel voll in ein Ruhelager eingreift. Bei der Verwendung von ausländischer Munition mit sehr empfindlichen Zündhütchen kam es jedoch immer wieder zu verfrühten Zündungen, bei nicht nicht ganz eingreifendem Schleuderhebel. Das Resultat war eine deutlich niedrigere virtuelle Masse von ~1 Kilo statt der für die Waffe berechneten 2⅓ Kilo Verschlussmasse. Folge waren Hülsenreißer und das Gerücht, dass ein FAMAS F1 nicht mit Messinghülsen betrieben werden dürfe.

Waffen mit einfachem Masseverschluss hingegen leiden deutlich weniger unter einem nicht vollständig geschlossenem Verschluss. Bei Waffen mit Vorlaufzündung wird dies sogar zum festen Funktionsprinzip erhoben, da eine, während des Vorlaufes, gezündete Patrone zunächst den vorwärtigen Bewegungsimpuls des Verschlusses überwinden muss, um diesen anschließend zu einer rückwärtigen Bewegung zu veranlassen.

Zündung bei offenem Verschluss

Diese äußerst seltene Form geht von der Zündung einer Patrone aus, während der Verschluss einer Waffe beinahe offen steht. Dabei befindet sich die Patrone meist sogar noch unter der Kontrolle des Magazins oder wird gerade erst vom Verschluss angestoßen. Da sich dem Druck einer so früh unnachsichtig gezündeten Patrone nichts entgegenstellt, zerplatz diese meist einfach im Waffengehäuse. Darauf werden Hülsensplitter und heiße Gase aus dem Verschlussfenster der Waffe heraus aber auch ins innere des Waffengehäuses geschleudert. Da sich dabei jedoch kein hoher Druck aufbauen kann, ist diese Art der unbeabsichtigten Zündung (ing. geglect ignition) weitaus ungefährlicher als eine Waffensprengung.

Bei zuschießenden Waffen wie der Ingram Model 10 kann es bei Beschädigung des Verschlusses dazu kommen, dann die Patronenanstoßnase, das Zündhütchen sehr empfindlicher Munition berühr und dabei stark genug quetsche, dass die Patronen zündet.

Unkorrekte Schusszahl bei Feuerstoß

Bei einer unkorrekten Schusszahl bei einem Feuerstoß (eng. burst failure) wird entweder ein Schuss zu viel oder ein Schuss zu wenig aus einer Waffe mit mechanisiertem Feuerstoß angegeben. Die häufigste Ursache besteht darin, dass eine Abzugsgruppe mit einfachem Aufbau ihren Schusszähler nicht zurückstellt, wenn zwischenzeitlich auf Einzelfeuer gewechselt wird oder der Munitionsvorrat zuneige geht. Bei Waffen mit extrem hoher Feuergeschwindigkeit kann es jedoch auch passieren, dass durch verschleiß oder den Einsatz falscher Schmiermittel die Mechanik nicht richtig greift.

Das russische Hyperburst Sturmgewehr AN-94 besitzt eine Kombination aus extrem hoher Schussfolge und extrem kleinen Teilen, welche über sehr geringe Abstützflächen verfügen. Diese Kombination kann dazu führen, dass sich neben den zwei Schuss im Hyperburst auch noch ein dritter regulärer Schuss löst, als wäre die Waffe auf Dauerfeuer eingestellt. Deutlich simpler dagegen ist die Abzugsgruppe des M16A2 und das M4 Karabiner (nicht A1 Version) gestaltet, welche über einen 3-Schuss-Feuerstoß verfügt. Um diesen möglichst einfach und störunanfällig halten zu können, wurde auf ein Rückstellfunktion verzichtet, zudem zählt er bei Einzelfeuer weiter mit. Gibt also ein Schütze einen vollen 3-Schuss-Feuerstoß ab, stellt die Waffe auf Einzelfeuer um, gibt dabei einen Schuss ab, stellt dann zurück auf 3-Schuss-Feuerstoß und krümmt den Abzug ab, werden sich keine 3, sondern nur 2 Schüsse lösen. Der Feuerstoß fällt kürzer aus als erwartet. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Ladehemmung im eigentlichen Sinne und die meisten US-Soldaten wird diese Eigenschaft der Waffe nahe gebracht. Dies hielt jedoch eine Prüfkommission für den M4 Karabiner, welcher im Zuge dies Irak-Krieges einige Probleme zeigte, nicht davon ab, diesem jeden unvollständigen Burst als Ladehemmung einzutragen. Wodurch der M4 statistisch deutlich schlechter abschnitt als seine damaligen Konkurrenten XM8, SCAR-L und HK416.

Unbeabsichtigtes Dauerfeuer

Bei unbeabsichtigtem Dauerfeuer (eng. accidental fullauto) handelt es sich um eine Funktionsstörungen, bei welches eine Waffe zwar ordnungsgemäß repetiert, sich jedoch unbeabsichtigt zu viele Schüssen lösen. Die häufigste Form ist das Versagen eines Schussbegrenzers, wie dieser meist in Abzugsgruppen mit mechanisiertem 3-Schuss-Feuerstoß verbaut ist. Durch verschließ oder nicht sachgemäßen Zusammenbau, kann es hier dazu kommen, dass mehr als die vorgesehenen zwei oder drei Schüsse abgegeben werden. Es kann jedoch auch bei Waffen zur unbeabsichtigten Abgabe von Dauerfeuer kommen, welche als reine Selbstlader ausgeführt sind. Häufig wird in solchen Fällen behauptet, dass ein Versagen oder Verschleiß des Selbstladeunterbrechers dafür verantwortlich sei, dies hat jedoch in der Regel lediglich einen schlappen Hammer (eng. Hammer Follow) zur Folge. Viel eher betätigt sich ein ein Element unabsichtlich als Schnellfeuerunterbrecher.

Der italienische englischsprachige YouTuber Backyard Ballistics stelle fest, dass seine Glock 17 immer wieder unbeabsichtigt Dauerfeuer schoss. Ursache war eine kleiner Feder, welche in den Schacht der Zündstiftsicherung gelangt war, wo diese sich als Verschlussfühler betätigte. Die kleine Feder drückte auf den Abzugsstollen, was ein Absenken dieses Elements zur Folge hatte. Durch dieses Absenken, wurde der gespannte Zündstift freigegeben, und zwar genau jedes Mal, wenn der Schlitten erneut seine vorderste Position erreichte. Die kleine verlaufene Feder arbeitete fast wie in vollwertiger Schnellfeuerunterbrecher.

Magazinentleerung

Bei einer Magazinentleerung, welche sich jedoch auch auf Gurtwaffen erstreckt, (eng. Runaway Gun) handelt es sich um eine Fehlfunktion, bei welcher die Waffe den Feuerzyklus nicht unterbricht, selbst wenn der Schütze den Abzug frei gibt. Primä sind hier zu schießende Waffen mit offener Verschlussstellung betroffen, da diese darauf angewiesen sind, den Verschluss in der hintersten Position fang und festhalten zu können, um das Feuer einzustellen. Ist die Verschlusshaltenase oder ein entsprechender Abzugsstollen mit Fangnase verschlissen, beschädigt oder nicht vorhanden, ist ein fangen des Verschlusses nicht mehr möglich. Auch aufschießende Waffen mit geschlossener Verschlussstellung können eine unbeabsichtigte Magazinentleerung erleiden, hier sind die Ursachen jedoch komplexer und oft in einer unsachgemäß zusammengesetzt Abzugsgruppe zu suchen.

Als die US-Navy SEALs ihre ersten HK MP5 in der Navy-Version erhielten, hatten diese noch Abzugsgruppen mit den Einstellungen Sicher, Einzelfeuer, 3-Schuss-Feuerstoß und Dauerfeuer. Als diese Abzugsgruppen von nicht ausreichend eingewiesene Personal zerlegt und wieder zusammengesetz wurde, schossen einige Waffen nicht wieder anhaltbares Dauerfeuer. Je nach Version der Geschichte entweder nach der ersten Schussabgabe oder bereits nach dem ersten Durchladen. Dabei kam es zu schweren Unfällen, worauf die Führung zunächst das Zerlegen der S-1-3-A Abzugsgruppe nur noch Speziell geschultem Personal erlaubten. Langfristig sonderten die Navy SEALs alle Abzugsgruppe mit mechanisiertem Feuerstoß aus und bestellten S-1-A Gruppen bei Hecker & Koch.


So ich hoffe alle wichtigen waren dabei.

23. September 2024

Wie die Geschichte des AR-15 verfälscht wird

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag zum Thema Waffengeschichte beziehungsweise zu dunklen Seite der Geschichte und zwar der Geschichtsfälschung und wissenschaftlich korrekt dem Geschichtsrevisionismus oder umgangssprachlich der Geschichtsklitterung. 

In diesem Beitrag geht es darum, wie Sportschützen die Geschichte des AR-15 verbiegen, um diese Waffe, im angeblichen Gegensatz zum M16, als harmlos erscheinen zulassen. Aber sehen wir uns erstmal die Erzählungen im einzelnen an.

Im übrigen ist es wichtig, von Erzählungen zu sprechen und nicht von Theorien, da diese mit wissenschaftlichen Theorien nicht viel zu tun haben.

pre Populos Erzählung

Die schärfste Form der Geschichtsfälschung rund um das AR-15 ist die Behauptung, dass AR-15 Projekt habe von Anfang an einen zivilen Charakter gehabt und das M16 sein eine spätere Auskopplung aus diesem Programm. Dies ist jedoch nicht richtig, da die Entwicklung des AR-15 auf eine Anfrage des US-Militärs im Zuge des SCHV-Programms zurückgeht. Zudem waren schon die ersten Prototypen des AR-15 (XAR-15) schnellfeuerfähige Kriegswaffen.

Die Theorie (eigentlich eine reine Erzählung ohne wissenschaftlichen Anspruch) ist demnach zurückzuweisen.

silum Populos Erzählung

Die weniger scharfe Form der Leugnung des militärischen Ursprungs des AR-15 besagt, dass AR-15 und M16 zeitglich entwickelt wurden aber auch dies lässt sich anhand historischer Dokumente widerlegen, welche die Korrespondenz zwischen dem US-Militär und der Firma Armalite widergeben.

Da zwischen dem Start der Entwicklung des AR-15 1957 und der ersten zivilen Version der Waffe GX-4968 1963 sechs Jahre liegen, muss die Erzählung, dass zivile und militärische Modelle zeitgleich entwickelt wurden zurückgewiesen werden.

post Populos Theorie

Die Theorie, wobei es sich tatsächlich um eine wissenschaftliche Theorie handelt, gibt historisch nachvollziehbar an, dass erst nach dem militärischen Projekt eine zivile Version des AR-15 auf dem Markt angeboten wurde. Eine frühe zivile Version wurde als GX-4968 1963 von US Behörden geprüft und für den Zivilmarkt für geeignet befunden. Aufgrund dies Vietnamkrieges verzögerte sich jedoch die Herstellung von zivilen Waffen, so das erst 1964 mit dem Colt AR-15 SP1 Sporter', mit der internen Nummer R6000, auf den Mark kam.

Die bloße Aussage, dass nach den militärischen AR-15 Modellen auch zivile AR-15 Modelle angeboten wurden, ist demnach empirisch adäquat.

Begriffsverzerrung AR-15

Zum nachträglichen umschreiben den Geschichte des AR-15, kommt meinst noch eine nachträglich Begriffsverzerrung. So wird in der häufigsten Form der Erzählung behauptet, dass es sich beim AR-15 um eine rein zivile Waffe handelt soll, wohingegen das M16 die militärische Variante sei.

Die ist jedoch nicht richtig, da die ersten Versionen der Waffe auf ihren Gehäusen und in offiziellen Dokumenten als AR-15 bezeichnet werden. Dabei besitzen diese Waffe eine AUTO Einstellung an ihren Feuerwahlhebeln und werden in den Dokumenten als fully automatic (dt. vollautomatisch) oder select fire (dt. ~Wahlfeuer) beschrieben.

Die ersten AR-15 01 (Colt Model 601), welche in Vietnam eingesetzt wurden waren schnellfeuerfähig. Die später von der US-Luftwaffe als XM16 getestete AR-15 02 trägt noch die Bezeichnung AR-15 auf ihrem Gehäuse. Das gleiche gilt für das AR-15 03 der US-Armee, welches als XM16E1 eingeführt wurde, wie für das AR-15 04, welches die Luftwaffe als M16 führe. Auch das M16A1 führt noch die Beschriftung AR-15.

Waffen, welche Colt für andere Länder wie Singapur fertigte, tragen ebenfalls die Aufschrift AR-15 und wurden also solche vermarktet.

Demnach ist die Erzählung, nach der es sich beim AR-15 per se um eine zivile Version des M16 handelt als Geschichtsfälschung zurückzuweisen.

Ziel

Das Ziel der nachträglichen Änderung oder Umdeutung der Geschichte der Waffe ist, dass AR-15 als harmlosere Waffe darzustellen und von ihrem Ursprung als rein militärischen Projekt abzulenken. Damit soll Unkundigen der Eindruck vermittelt werden, dass das AR-15 harmloser sei als es ist.

Fazit

Viele Sportschützen lügen im Bezug auf die Geschichte des AR-15 und seiner Einführung als M16 und XM16E1, um die Waffe als harmloser darzustellen.

Grundlagen:

  • The Black Rifle, M16 Retrospective von R. Blake Stevens & Edward C. Ezell
  • The Black Rifle II, the M16 into the 21st Century von Cristopher Bartocci
  • Small Arms Profile 22 Armalite Weapons von F.W.A. Hobart
  • The M16 von Gordon L. Rottman
  • The M16/AR15 Rifle A Shooter's Guide von Joe Poyer
  • Sturmgewehre der Welt Band III T -V von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson
  • Waffen Revue Nr.18 Sept.-Nov. 1975 Waffensystem AR 15 (M-16)
  • Visier Special Ausgabe 37 M16 & AR-15

11. April 2024

Die Geschichte der Mittelpatronen im deutschen Sprachraum

Hallo alle zusammen, weil wir neulich darum geben wurden, die hier kurze Geschichte der Mittelpatronen im deutschsprachigem Raum.

Miniaturgewehr von Karel Krnka

Ersten Versuche mit Mittelpatronen im deutschen Sprachraum machte Karel Krnka um 1892. Dieser hatte die Idee zu einem Miniaturgewehr, welches kleiner sein sollte als die damals üblichen Infanteriegewehre. Dabei wollte er jedoch nicht nur die Waffe, sondern auch deren Munition einschrumpfen. Leider sind von seinen Versuchen weder Waffen noch Patronen erhalten. Auch die Abmessungen seiner Miniaturpatronen sind heute nicht mehr bekannt.

7,65x35 mm von Furrer und Rubin

Die Schweizer Adolf Furrer und Alexander Rubin entwickelten 1920 die ersten Mittelpatronen im deutschen Sprachraum, dessen Abmessungen heute noch bekannt sind. Sie verwendeten die Kaliber 7 mm und 7,65 mm, sowie die Hülsenlängen 27 mm, 35 mm und 38,5 mm. Die passenden Waffen sollten die Rolle von Zwischenwaffen erfüllen, welche die Lücken zwischen Gewehr und leichten Maschinengewehren schließen sollten.

7,92x42,5mm von Heinemann

Im Jahre 1927 modifizierte Karl Heinemann bei Rheinmetall-Borsig die Patrone 7,92x57mm IS durch Kürzung der Hülse auf 42,5mm Länge. Das Geschoss wurde von der langen 7,92x57mm beibehalten. Zudem entwickelte er einen Selbstladekarabiner mit Kniegelenkverschluss für diese Patrone; dieser sogenannte Heinemann-Selbstlader wurde 1931 als G28 erprobt.

7x49mm von RWM

Die damalige Rheinisch-Westfälische Metallwaren- und Maschinenfabrik, später Rheinmetall, entwickelte im Jahre 1932 eine Patrone mit den Abmessungen 7x49mm, für welche bei Mauser Gasdruckmessläufe bestellt wurden.

8,15x46mm von RWS

Ab 1935 war das generelle Konzept einer Kurzpatrone bereits bekannt, nur das passende Kaliber musste noch gefunden werden. Die Rheinisch-Westfälische Sprengstoff-Actien-Gesellschaft, kurz RWS, ermittelte ein Kaliber von 8,15 mm und nannte das Ergebnis Idealpatrone. Da Jedoch zeitnah keine passenden Waffen geschaffen werden konnten, wanderten die Ergebnisse in die Schublade.

7x39mm von Rheinmetall-Borsig

Im Jahre 1936 schuf die Zweigstelle Borsig der Rheinmetall die Patrone 8x36,5mm und 7x39mm, jedoch nicht für Infanteriewaffen, sondern für Flugzeugmaschinengewehre. Man wollte Gewicht sparen und so auf die schwere 7,92x57mm IS verzichten.

7x46mm von RWS

1936, im selben Jahr wie Rheinmetall-Borsig, arbeitete die RWS an einer Mittelpatrone für Flugzeugmaschinengewehre. Als die Flugzeugpanzerung jedoch in den folgendes Jahren zunahm entschied man sich gegen eine Kurzpatrone, sondern, unter anderem auch aus logistischen Gründen, für die 7,92x57mm IS zusammen mit dem MG81 von Mauser.

7x39,1mm von DWM

1935 entwickelte die Berliner-Karlsruher Industriewerke AG, ab 1936 wieder DWM, eine Patrone für Mauser mit den Abmessungen 7x39,1mm. Zunächst was diese Patrone ebenfalls für ein Fleugzeugmaschinengewehr geplant. Als die Luftwaffe sich jedoch für 7,92x57mm entschied, wollte man die in die Patrone geflossene Arbeit nicht verwerfen und entschied sich mit Bergmann zusammen zu arbeiten um eine Verstärkte Maschinenpistole zu entwickeln, diese sollte formschlüssig verriegeln. Nach Streitigkeiten mit Bergmann, beschloss Mauser die verstärkte Maschinenpistole selbst zu entwickeln. Dies wurde, nach der Umkammerung auf 7,92x33mm, der MKb.42(M).

7,75x40,5mm von GECO

1935 entwickelte die Gustav Genschow & Co, kurz GeCo, eine Mittelpatrone mit den Abmessungen 7,75x40,5mm. Um eine passende Waffe für diese Patrone zu entwickelt, wandte man sich an Heinrich Vollmer mit dem Auftrag für eine verriegelte Maschinenpistole. Die Ergebnisse waren 1935 der Vollmer M 35 (Gasdrucklader mit Drehverschluss) und Vollmer M 35A (Federlader mit Drehverschuss). 1936 wurde der Vollmer M35/II (Gasdrucklader mit Drehverschluss) fertig. 1938 folge mit dem Vollmer M 35/III (Gasdrucklader mit Drehverschluss) das letzte Modell. Für die 7,75x40,5mm GECO existiert ein Maschinenkarabiner der Firma Walther.

7,62x41mm von GECO

Um die Probleme des Vollmer M35/III zu beheben, entwickelte 1938 die Gustav Genschow & Co eine neue Patrone, welche auf die Funktion in automatischen Waffen mir kurzem Verschlussweg optimiert worden war. Der M 35/III wurde mit Wechselläufen in 7,75x40mm und 7,62x41mm erprobt. Die neue GECO-Patrone hat mit den Maßen 7,62x41mm die gleichen Nennmaße wie die spätere sowjetische 7,62 x 41 mm M43, vor ihrer Hülsenkürzung auf 39 mm.

7,92x33mm von Polte

1938/39 wurde die Firma Polte in Magdeburg mit der Entwicklung einer Kurzpatrone beauftragt. Um die Produktion von Waffenläufen und Geschossen zu vereinfachen, wurde auf das Kaliber 7,92 mm bestanden. Polte entwickelte daraufhin folgende Patronen:

  • 7,92x30 mm
  • 7,92x33 mm
  • 7,92x45 mm

1939, wurde mit der 7,92x33mm Kurz die goldene Mitte gewählt und Hugo Schmeisser mit der Entwicklung der schweren Maschinenpistole beauftragt, welche zunächst zur MP42, dann zum MKb.42 (h) sowie zu MP43/I, MP43, MP44 und Sturmgewehr 44 führen wird. Mit dem MKb.42(w) entsteht auch eine Konkurrenzwaffe von Walther. Ab 1943 wird die 7,92x33mm unter der Tarnbezeichnung PP43, Pistolen Patrone 1943, offiziell eingeführt.

10,75x29 mm von Mauser

Nachdem Hitler 1943 das Konzept des Maschinenkarabiners abgelehnt hatte aber eine verbesserte Maschinenpistole gefordert hatte, entwickelte Mauser eine Patrone mit den Abmessungen 10,75x39mm für eine Maschinenpistole mit erhöhter Reichweite und Stoppwirkung für Gruppenführer, Fahrzeugbesatzungen und spezielle Sturmabteilungen. Die Patrone ähnelt in ihrer Wirkung der heutigen .300 Blackout oder der sowjetischen 9x19mm SP5. Es wurde keine Waffe für diese Patrone geschaffen, da alle Ressourcen von Mauser in die Entwicklung von Gerät-06 und Gerät-06(h) flossen.

8x35 mm Rapid aus Brünn

1941 entwickelten die Waffenwerke Brünn, vor der Annexion Tschechiens Zbrojovka Brno, eine Patrone mit den Abmessungen 8x35mm. Für diese Patrone waren ein leichtes Maschinengewehr (ZK 423) sowie ein Maschinenkarabiner (ZK 412) geplant. Auftraggeber war die Waffen-SS welche den Maschinenkarabiner als SS 42 einführen wollte, dies wurde jedoch verhindert, um die Bewaffnung der deutschen Streitkräfte zu vereinheitlichen.

Grundlagen

  • Sturmgewehr 44 Vorgänger, Entwicklung und Fertigung der revolutionärsten Infanteriewaffe von Dieter Handrich
  • Kalaschnikow, Das Genie und sein Lebenswerk Edward von Clinton Ezell
  • The World's Assault Rifles von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson

19. November 2023

Sind automatische Feuerwaffen von Natur aus Voll- oder Halbautomatisch?

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem hoffentlich nur kurzen Beitrag zum Thema Waffentechnik.

Häufig hört man aus den unterschiedlichen Gründen, dann automatischen Waffen entweder von sich aus alle durch die Bank weg vollautomatisch sein und durch zusätzliche Eingriffe erst zu Halbautomaten würden und umgekehrt aber um das genau zu erklären, müssen wir erstmal die unpräzise Waffensprache verlassen und uns der seriösen und eindeutigen technischen Waffenindustriesprache bedienen.

Waffen welche den Nachladevorgang selbstständig bewerkstelligen sind für uns Selbstlader, diese können sich Selbst laden. Waffen welche bei einem abkrümmen des Abzuges aus einem Lauf  mehrere Geschosse abfeuern können sind für und Schnellfeuerwaffen.

Nun zur Antwort auf die Frage, welche richtig gestellt lauten müsste: 

"Werden Schnellfeuerwaffen durch zusätzliche Eingriffe zu reinen Selbstlader reduziert oder werden Selbstlader erst durch zusätzliche Eingriffe zu Schnellfeuer Waffen erweitert?"

Die Antwort ist recht einfach denn diese Lautet:

Aufschießende Waffen mit geschlossener Verschlussstellung sind erstmal nur Selbstlader und müssen durch einen zusätzlichen Schnellfeuer-Unterbrecher zu Schnellfeuerwaffen aufgewertet werden. 

Zuschießende Waffen mit offener Verschlussstellung sind erstmal reine Schnellfeuerwaffen und müssen durch einen zusätzlichen Einzelfeuer-Unterbrecher zu reinen Selbstladern reduziert werden.

Es kommt also stark auf die Verschlussstellung der Waffen an. Ohne zu sehr in die technischen Details zu gehen, kann man das Ganze am ehesten anhand eines einfachen Gedankenexperiments nachvollziehen.

Dazu stellen wir uns vor, das eine kleine magische Fee einfach mit einem wink ihres Zauberstabs die komplett Abzugsgruppe einer Waffe verschwinden lässt.

Aufschießende Waffen

Eine feuerbereite aufschießende Waffe mit geschlossener Verschlussstellung, wie eine AK-47 oder das deutsche G36, würden beim plötzlichen verschwinden der gesamten Abzugsgruppe einfach gar nicht machen. Die Patrone bliebe ungezündet in der Kammer liegen und kein Schuss würde brechen.

Selbst wenn man den Hammer beim diesem Gedankenspiel heraus lässt, würde nur ein Schuss brechen. Der Abzugsstollen würde verschwinden, der Hammer freigegeben. Der Hammer würde auf den Zündstift aufschlagen und es würde der erste Schuss brechen. Der Gasdruck des Schusses würde auch den Verschluss von AK-47 oder G36 indirekt nach hinten treiben, welcher dabei den Hammer spannen würde aber ohne den Unterbrecher in der Abzugsgruppe, könnte dieser nicht gespannt gehalten werden, sondern würde dem Verschluss als sogenannter "Schlapper Hammer" langsam folgen. Sobald der Verschluss in der vordersten Position ankommt und der Züntstiftschutz (auch Schützensicherung genannt) außer Funktion tritt, würde der Hammer zwar auf den Zündstift drücken aber nicht die nötige Schlagkraft für eine sichere Zündung entwickelt. Ein zweiter Schuss würde nicht brechen, ein erneutes Abkrümmen des Abzuges hätte keinen Effekt, da der Hammer seinerseits hinten auf dem Verschluss aufliegt. Nur ein erneutes Durchladen der Waffe würde wieder Feuerbereitschaft herstellen.

Um mit einer aufschießenden Waffe überhaupt Einzelfeuer abgeben zu können muss demnach erstmal ein "Einzelfeuer-Unterbrecher" her. Dieser hält den Hammer in gespannter Position, auch dann, wenn der Schütze den Abzug noch abgekrümmt hält. Erst wenn der Schütze den Abzug freigibt, wird die Kontrolle über den Hammer vom Unterbrecher zurück an den Abzugsstollen übergeben. Dies ist meist durch ein leises Klicken zu hören und zu spüren.

Um einer aufschießende Waffe Schnellfeuer zu ermöglichen, muss ein sogenannter Schnellfeuer-Unterbrecher eingebaut werden, welcher auch als "Schnellfeuerhebel" oder "Sperrhebel" bezeichnet wird. Seine Aufgabe besteht darin, dem den Hammer immer dann freizugeben, wenn der Verschluss vorne angekommen ist. Dies kann er durch eine eigenen Kralle tun oder sich als "Universalunterbrecher" eine Kralle mit dem Einzelfeuer-Unterbrecher teilen.

Zuschießende Waffen

Stellen wir uns dagegen eine feuerbereite zuschießende Waffe mit geschlossener Verschlussstellung wie eine Uzi (Bundeswehr MP2) oder eine MG42 (oder Bundeswehr MG3) vor so hat ein spontanes verschwinden der Abzugsgruppe fatale Folgen.

Der Verschluss, welcher vom Abzungsstollen bzw. einer Verschlusshaltenase der Abzugsgruppe hinten gehalten wird, würde nach vorne schnellen einer Patrone aus dem Patronenvorrat (Magazin der Uzi, Gurt des MG42) zuführen und diese Zünden. Durch die jeweiligen Stoßbodenkräfte würde der Verschluss nach hinten getrieben und könnte, von der schließlich verschwundenen Abzugsgruppe, nicht mehr gehalten werden und würde wieder nach vorne laufen und wieder eine Patrone zuführen und zünden.

Eine Abzugsgruppenlose zuschießende Waffe würde solange feuern, bis der Patronenvorrat aufgebraucht oder unterbrochen wäre oder aber es zu einer Ladehemmung käme.

Um mit einer zuschießenden Waffe auch Einzelfeuer schießen zu können benötigen diese einen "Einzelfeuer-Unterbrecher" dieser Teilt sich zwar einen Namen mit dem Einzelfeuer-Unterbrecher in aufschießenden Waffen, funktioniert jedoch anders.

Seine dynamische Form besitzt meist eine kleine Fühlernase, welche in die Verschlussbahn hineinragt und der Abzugsgruppe mittteilt, wenn der Verschluss sich bewegt. Dabei kann sowohl die Vorwärtsbewegung als auch die Rückwärtsbewegung des Verschlusses erfühlt werden bzw. mechanisch abgetastet. Krümmt der Schütze den Abzug ab, bewegt sich der Verschluss erst nach vorne und nach dem Brechen des Schusses nach hinten. Passiert der Verschluss die Fühlernase, gibt diese ein mechanisches Signal an die Abzugsgruppe und entkoppelt dabei den Abzug von der Verschlusshaltenase oder dem Abzugsstollen. Dadurch springt die Anzugshaltenase zurück in die Verschlussbahn und hält den Verschluss hinten, auf diese Weise konnte nur ein Schuss brechen. Der Schütze muss nun den Abzug einmal freigeben, damit dieser wieder die Kontrolle über die Abzugsnase zurückgewinnen kann, um diese beim erneuten Abkrümmen wieder wieder absenken zu können, um den nächsten einzelnen Schuss abzugeben.

Da diese Form aber sehr kompliziert und damit teuer in der Fertigung ist, gibt es auch nicht-dynamische Einzelfeuer-Unterbrecher umgangssprachlich "Schnappnasen" oder "Springunterbrecher". Diese sind mechanisch so konstruiert, dass sie die Verschlusshaltenase oder den Abzugsstollen bei einem Abkrümmen des Abzuges nur einmal schnell nach unten schnellen lassen, um danach wieder zurück in die Verschlussbahn zu springen. Dabei ist die Zeit des Sprunges der Haltenase so berechnet, dass sie lange genug aus der Verschlussbahn heraustritt, dass der Verschluss ungestört nach vorne gleiten kann, um einen einzelnen Schuss auszulösen aber schnell genug wieder in die Verschlussbahn zurückspringt, um den selben Verschluss nach dem ersten Schuss wieder in seiner hintersten Position zu fangen.

Das Problem dieser günstigeren Alternative ist, dass die Springgeschwindigkeit sehr vom Zustand der Springfeder sowie der Schmierung oder Verschmutzung der Waffe abhängt. Ist ein Springunterbrecher stark verschmutzt oder seine Feder aufgebraucht, so kann es sein, dass dieser zu lange aus der Verschlussbahn genommen wird und zwei anstelle von einem Schuss pro Abkrümmung brechen. Dagegen kann ein zu schnell in die Verschlussbahn zurückspringender Springunterbrecher von unten gegen den noch vorschnellenden Verschlusskörper drücken und durch Reibung dessen Vorlaufgeschwindigkeit reduzieren. Letzteres kann zu Zündunzuverlässigkeit und einer der Genauigkeit abträglichen Zündverzögerung führen.

Fazit

Außschießende Waffen sind von Natur aus Halbautomatisch.

Zuschießnede Waffen sind von Natur aus Vollautomatisch.

Es gibt aber ein paar Ausnahme im Bereich der sogenannten Verschlusszünder und Trägerzünder aber diese sind sehr selten und bedürften einer noch ausführlicheren Erklärung.


So das war schon wieder fast dreimal so viel Text wie ich geplant hatte. Ich hoffe ich konnte die Frage zufriedenstellen beantworten.


11. August 2023

Wie Funktioniert das Gewehr G11, Antriebs- und Verschlusssystem

Das Gewehr G11 gilt als eine der kompliziertesten Feuerwaffen der Welt. Bricht man jedoch dessen Funktionszyklus auf die wichtigsten Abläufe und Elemente herunter ist das System des stoffschlüssig-dynamischen Walzenverschluss gar nicht mehr so schwer zu verstehen.

Deswegen nähern wir uns nun Schritt für Schritt dem Mythos G11.

Der Modus Operandi dieser Waffe lässt sich am ehesten beschreiben als ein Mehrlader, welcher mit der Funktion eines Transporters vereint wurde. Ziel war es eine kompaktes Kernsystem zu schaffen, welche lafettiert im Waffengehäuse nach hinten gleiten kann. Dadurch ist es der Waffe möglich, mehrere Schüsse abzugeben, bevor der Rückschlag den Schützen erreicht.

Bild 1: Die Waffe ist geladen, es befindet sich eine Patrone im Patronenlager, welches in eine drehbare Walze geschnitten ist. Weitere Patronen befinden sich im Magazin über dem Patronenlager. Die Patronen sind mit dem Geschoss nach unten gelagert.

Bild 2: Der Schütze krümmt den Abzug durch, worauf der Schlagbolzen auf das Zündhütchen der Patrone trifft. Die Zündflamme entzündet eine Setzladung welche oft fälschlicherweise als Booster bezeichnet wird. Dabei ist die Aufgabe dieser Ladung nicht das entzünden der weiteren Treibladung, welche das Geschoss umgibt, sondern das setzen des Geschosses. Der Druck der setzladung wirkt sowohl auf den Geschossboden, als auch auf den Stoßboden des G11. Beim Stoßboden der Waffe handelt es sich um ein Teil des Kernsystems, die Waffe ist stoffschlüssig verriegelt, der Gasdruck ist nicht in der Lage den Stoßboden zu bewegen. Das Geschoss hingegen wird vom Gasdruck aus der ihm umgebenen Hauptladung heraus getrieben. Dies muss geschehen, bevor die Hauptladung zündet, käme es verfrüht zur einer Zündung der Hauptladung, würde der entstehende Gasdruck allseitig auf das Geschoss einwirken und könnte dieses nicht beschleunigen. Da jedoch das Geschoss von der Setzladung in den Übergangskonus des Laufes getrieben wurde, fungiert es dort als eine Art Pfropfen.

Bild 3: Durch die von der Setzladung erzeugte Wärme, zündet nun auch die Hauptladung, mit einer Zeitlichen Verzögerung. Das von der Setzladung in den Übergangskonus des Laufes getriebene Geschoss, wird nun von den wesentlichen stärkeren Pulvergasen der Hauptladung am Geschossheck beaufschlagt und durch den Gasdruck durch den Lauf des G11 getrieben. Da mit dem Geschoss eine erhebliche Masse beschleunigt wird, kommt es nach dem dritten Gesetz nach Issac Newton zu einer Gegenreaktion. Diese Gegenreaktion nutzt die Pulvergassäule im Lauf als fluidmechanischen Körper, um auf den Stoßboden des G11 zu wirken. Im Gegensatz zum direkt wirkenden Gasdruck, ist die Gegenreaktion der Geschossbewegung, auch bekannt als Geschossrückstoß, dazu in der Lage den Stoßboden nach hinten zu treiben. Da das Kernsystem des G11 im Waffengehäuse beweglich gelagert ist, wird nur das Kernsystem bedeutend nach hinten bewegt, wobei das Waffengehäuse relativ still steht. Der Schütze bekommt vom Rückstoß nicht mit.

Bild 4: Das Geschoss passiert eine Gasentnahmebohrung, welche unten im Lauf angebracht ist. Die hochgespannten Pulvergase nutzen diese Möglichkeit zur Ausdehnung und gelangen durch die Bohrung in einen Gaszylinder, dort beaufschlagen sie alle umliegenden Flächen. Bei der hinteren Fläche, handelt es sich um die Stirn eines Antriebskolbens, welcher vom Gasdruck nach hinten getrieben wird. Der Antriebskolben ist über einer Pleuelstange mit dem Zahnradsystem des G11 verbunden und sorgt über diese dafür, dass die Walze, mit der darin eingeschnittenen Patronenkammer, gedreht wird. Das Antriebssystem des G11 ähnelt dabei einer Dampfmaschine, welche die hin und her Bewegung des Dampfkolbens in eine Drehbewegung des Schwungrades umwandelt.

Realisiert wurde das schnelle aufrichten des Patronenlagers über ein Malteserkreuzgetriebe, welches das ruckartige Drehen der Walze binnen weniger Millisekunden ermöglicht. Während des dieses, durch lokale Gaskraft angetriebenen Vorgangs, läuft das Kernsystem des G11 weiter zurück. Möglich ist dieses, da Gaskräfte lokal begrenzt arbeiten, was man mit einer Dampflock vergleichen kann, welche durch den Dampfdruck auch dann angetrieben werden kann, wenn sie sich mit hoher Geschwindigkeit auf Schienen bewegt.

Bild 5: Das Geschoss hat den Lauf der Waffe verlassen und die Walze mit Patronenlager wurde durch das Malteserkreuz vollständig aufgerichtet und zeigt nun mit seiner Öffnung nach oben zum Magazin. Ein Schieber welcher die nächste Patrone ergreift hat nun die Möglichkeit, angetrieben durch das Zahnradsystem des G11, diese neue Patrone von oben in das Patronenlager in der Walze zu schieben. Vorher kommt jedoch ein zweiter kleiner Schieber zum Einsatz, welcher nach dem Aufstellen einmal kurz durch das Patronenlager fährt. Der Sinn hinter diesem Entladeschieber ist, dass entladen einer nicht ganz leer geschossenen Waffe oder die Entfernung einer Blindgängerpatrone. Das Kernsystem des G11 läuft dabei immer noch im Gehäuse zurück.

Bild 6: Der Ladeschieber hat die neue Patrone vollständig in das Patronenlager in der Walze eingeführt. Es ist festzustellen, dass es sich durch diesen Sachverhalt beim G11 um einen Schieberlader handelt. Die Patronen werden also nicht von der Stirn eines zurücklaufenden Verschlusses erfasst, sondern von einem Schieber in das Patronenlager geschoben. Da auf diese Weise auf einen zurücklaufenden Verschluss verzichtet werden konnte, konnte das Kernsystem sehr kompakt gebaut werden, was den Rücklauf im Waffengehäuse erst ermöglichte. Das Kernsystem des G11 läuft auch dabei immer noch im Gehäuse zurück.

Bild 7: Durch die Rückstellfeder des Gaskolbens, werden die meisten vorher durch des Gasdruck angetriebenen Bewegungen im System revidiert ergo in umgekehrter Bewegungsrichtung erneut ausgeführt. So wird unter anderem die Walze mit Patronenkammer, vom Malteserkreuzgetriebe schlagartig wieder in die ursprüngliche senkrechte Position gebracht. Auf diese Weise wird die neue Patrone mit dem Geschoss vor den Lauf gebracht und befindet sich so in Abschlussposition. Es kommt also zu einer Präsentation durch eine Bewegung des Patronenlagers relativ zum Lauf. Dass G11 zählt somit primär zu den Transportern und sekundär zu den Mehrladern.

Bild 8: Beim Rücklauf des Kernsystems im Waffengehäuse hat die, mit dem Waffengehäuse verbundene, Abzugsgruppe die Kontrolle über das, mit dem Kernsystem verbundene, Zündsystem des G11 verloren. Wurde diese jedoch vor der ersten Schussabgabe auf den mechanisierten Feuerstoß eingestellt, übernimmt der Rücklauf des Kernsystem die Aufgabe der Schussauslösungssignalgebung. Beim Rücklauf des Kernsystems berührt ein Element im feststehenden Waffengehäuse das Zündsystem des G11 und es kommt, noch während des Rücklaufes, zu einer erneuten Schussabgabe. Der Ablauf dieses Schusses ist weitgehend mit der des Erstschusses identisch, nur der Rücklauf des Kernsystems ist weiter vorgeschritten. Beim, durch den Rückstoß des zweiten Schusses, weiter angetriebenen Rücklaufes, kommt es zu einer erneuten Betätigung des Zündsystems und zu der Abgabe eines dritten Schusses, welcher ebenfalls nach dem gleichen Muster verläuft. Auch dieser Schuss treibt den Rücklauf des Kernsystems weiter an, nur trifft dieses mal das Kernsystem auf die Rückwand des Waffengehäuses, erst jetzt ist für den Schützen ein Rückschlag zu spüren, da das Kernsystem, bei seinem Anschlag an die hintere Wand des Waffengehäuses, einen Großteil seiner, während der drei Schüsse aufgenommenen, Bewegungsenergie auf das Gehäuse übertragt. Vor diesem Anschlag ist für den Schützen der Rückstoß der drei abgegebenen Geschosse kaum zu merken. Die Waffe bliebt während der drei ersten Schüsse erstaunlich stabil, was das eigentlich Ziel der Konstruktion ist.

Der Text erschien erstmals am 8. Mai 2023 als Artikel HK G11 im Waffen-Wiki und erscheint mit freundlicher Genehmigung vom Mitautoren Helmut Knittelfeld.