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21. Juli 2024

Die kurze Geschichte des AR-15

Das AR-15 von Armalite
Und damit herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag mit dem Thema Waffengeschichte. Dieses mal sehen wir uns, aufgrund der aktuellen Ereignisse, schon wieder das AR-15 an und seinen Weg von einer reinen vollautomatischen Kriegswaffe zu einem zivilen Halbautomaten. 

Auch wenn alleine die letzte Aussage schon nicht ganz korrekt ist, denn die vielen zivilen AR-15 sind ein Nebenzweig der militärischen Geschichte der Waffe aber lasst und erklären.

Armalite

Der Flugzeugproduzent Fairchild hatte die Idee, die damals im Flugzeugbau neuen Materialien und Herstellungsmethoden, auch für den Bau von Feuerwaffen einzusetzen und gründete zu diesem Zweck die Firma Armalite. Bei dieser entstand als erstes das AR-1 ein äußerst leichtes Repetiergewehr, welches den Beinamen Para Sniper trug. Armalite nutzte die durch Fairchild bestehenden Kontakte zur US-Luftwaffe, um dieser die Waffe anzubieten. Die US-Luftwaffe hatte jedoch kein Interesse am AR-1, bekundete jedoch den Bedarf an einem leichten Überlebensgewehr für Piloten.

AR-5 & AR-7

Darauf begannen die Arbeiten für eine besonders leichte Waffe, welche man kompakt unter anderem unter dem Schleudersitz eines Flugzeuges verstauen konnte. Die Ergebnisse waren die AR-5 Survival Rifle für die Kleinkaliberpatrone .22 Hornet und das AR-7 Explorer für die Patrone .22lfb. Beide wurden zunächst in begrenzten Stückzahlen von der US-Luftwaffe bestellt.

AR-10

Zudem begannt 1955 bei Armalite die Entwicklung von automatischen Waffen unter der Leitung von Eugene Stoner, welcher ein damalig neuartiges Antriebsystem für Feuerwaffen entwickelt hatte. Sein System war ein Gasdrucklader, bei welchem die Pulvergase aus dem Lauf abgezapft und anschließend zwischen Verschlussträger und Verschlusskopf geleitet wurden, um den Verschlussträger exakt gerade nach hinten zu treiben und zeitgleich den Verschlusskopf durch Drehung zu entriegeln. Dieser lineare Verschlussantrieb verhinderte eine kippen des Verschlusses. Zudem war der Vorteil dieses System, dass man auf einen herkömmlichen Gaskolben gänzlich verzichten konnte. Somit wurde keine Zusätzliche Masse beim Schuss hin und her geworfen, das System bleib beim Schuss ruhiger.

Die erste Schnellfeuerwaffe mit diesem System wurde 1956 das AR-10 welches zunächst für die starke Gewehrpatrone .30-06, welche einen extremen Rückschlag aufweist. Um diesem weiter Herr zu werden, verlegte Stonder die Schulterstütze auf eine Höhe mit dem Lauf. Auf diese weise wurde der Rückschlag gerade auf die Schulter der Schützen übertragen und es kam zu keiner starken Drehung, wie bei gewöhnlichen Gewehrschäften.

Um die neuen leichten Materialien aus dem Flugzeugbau nutzbar zu machen, wurde der Schildzapfen, ea. das Verrigelungstsück, in welches die Verschlusszapfen eingriffen, aus einem Teil mit dem Lauf gefertigt. So konnten Lauf und Verschlusskopf miteinander verriegeln und dem Gasdruck der Pulvergase gemeinsam standhalten. Der Vorteil dieser Bauweise war, dass das Gehäuse nun kein Gastragendes Teil mehr war - es konnte nun aus leichtem Aluminium gefertigt werden.

Als 1957 die NATO-Patrone 7,62x51 mm vorgestellt wurde, entwickelte Stonder das AR-10 für diese Patrone weiter und schuf so eine sehr leichte Waffe, welche in der Lage war, die starke moderne Gewehrpatrone in kurzen Feuerstoßen zu verschießen, ohne das die Mündung aus dem Ziel wanderte. Mit anderen Waffen für diese Patrone, war dies nicht möglich oder aber diese hatten ein deutlich höheres Gewicht.

Als die USA für die nächste Waffe nach dem M1 Garand Test durchführen, trat das AR-10 in den letzten Test gegen T-48 (FN FAL) und M14 an. Da das AR-10, zu diesen Zeitpunkt, jedoch deutlich früher in der eigenen Entwicklung steckte, zeigte es deutlich mehr Probleme als bei seine Konkurrenten. Zudem kam es zu einer Laufsprengung, da die Läufe der früheren AR-10 aus Aluminium mit einer dünnen inneren Stahleilage bestanden. spätere AR-10 erhielten aus diesem Grund Vollstahlläufe.

Auch die Bundeswehr testete das AR-10 als G4 neben G1 FN FAL (FN Gewehr), G2 SIG 510-2 und G3 (CETME Gewehr). Lehnte es jedoch ab. Lediglich der Sudan und Portugal kaufen das AR-10 in größeren Stückzahlen.

Eine für die Patrone 7,62x39mm M43 eingerichtete Version des AR-10, wurde als AR-10F von Finnland erprobt ajedoch nicht eingeführt. Das AR-10F war Armalites erste Waffe für eine echte Mittelpatrone.

AR-11 Stoppete

Parallel zur Entwicklung des konservativen M14 forschten die USA an neuen progressiven Waffenkonzepten, ein Programm Namens SALVO, sollte die Trefferwahrscheinlichkeit im Feuerkampf erhöhen. Eine Auskopplung dieses Programms war das SCHV-Konzept, welches für small caliber high velocity (kleines Kaliber hohe Geschwindigkeit) steht. Dabei sollten eine Waffe und Munition geschaffen werden, welche durch ihr kleines Kaliber leicht zu schießen waren aber durch die hohe Geschwindigkeit der Geschosse dennoch großen Schaden anrichten sollten. Der Vorteil für den Schützen wäre zum einen gewesen, dass er mehr Schüsse in kürzerer Zeit hätte abgeben und zudem auch mehr Munition mitführen können.

Die Idee kam schon durch die Patrone .220 Swift von 1935, welche ein .22 Kalibergeschoss auf über 1000 m/s beschleunigte und dabei gute Stoppwirkung zeigte. Da die Patrone für die Verwendung in den gewünschten vollautomatischen Waffen ungeeignet war, forschte man auf Grundlage der .222 Remington von 1950 für welche jedoch zu diesem Zeitpunkt keine automatischen Waffen existierten.

Die Verantwortlichen des SCHV-Programms wendeten sich deshalb an Armalite, dessen AR-10 gerade erst aus dem Test, für das neue reguläre Gewehr, ausgeschieden war. Man bad die Firma genau diese Waffe für .222 Remington einzurichten. Man erhoffte sich aus der Kombination des kleinen Kalibers, zusammen mit den Rückschlag reduzierenden Eigenschaften des AR-10 eine äußert angenehm zu schießende Waffe ershalten zu können.

Eugene Stoner wurde dem Wunsch jedoch nicht gerecht, da er die Meinung vertrat, dass das kleine Kaliber diese Maßnahmen nicht nötig hätte und konstruierte mit der AR-11 Stopette ein Gewehr mit klassischer Schäftung mit ergonomischer Ähnlichkeit zum M2 Carbine. Die Arbeiten an der Stoppete wurden jedoch gestoppt. Die offiziellen Gründe geben technische Schwierigkeiten an. Es wird jedoch angenommen, das Armalite Stoner stoppte, da der M2 Carbine gerade im Korea Krieg eine sehr schlechte Figur machte.

AR-15 in .222

Armalite beauftragte 1957 James Sullivan mit der Umsetzung der Wünsche des SCHV-Programms. Dieser begann mit Stoners Unterstützung das AR-10 zum AR-15 einzuschrumpfen und für die Patrone .222 Remington einzurichten. Die Waffe war äußerst angenehm zu schießen, es gab jedoch häufig Probleme mit Ladehemmungen, welche auf die 25-Schuss-Magazine zurückzuführt wurden. Man entschied sich für eine Reduktion der Magazinkapazität auf 20 Schuss.

Da auch beim Einsatz von leistungsfähigem IMR-Pulver die .222 Remington Patrone nicht die geforderte Leistung der Waffe erbracht werden konnte und das Druckmaximum der .222 ohnehin schon erreicht war, entschied sich Stoner eine komplett neue eigene Patrone für das AR-15 zu entwickelt. So entstand 1958 zunächst die .222 Special oder .222 Stoner. Um eine höhere Leistung zu erzielen, wurde die Hülsenschulter nach vorne gezogen, um einen größeren Pulverraum zu schaffen. Zudem erhielt die Patrone eine für automatische Waffen angepasste Ausziehernut. Um Verwechslungen zu vermeiden, wurde die .222 Special in .223 Remington umbenannt.

AR-15 in .224

Um das AR-15 nicht konkurrenzlos im SCHV-Programm zu haben, baten die Verantwortlichen Winchester eine Konkurrenzmodell zu entwickeln. Das Ergebnis war eine als Winchester Light Weight Rifle bezeichnete Waffe für die experimentelle Patrone .224 E2. Um die beiden Waffen fair vergleichen zu können, wurden auch AR-15 in .224 E2 gefordert und von Armalite geliefert. Das AR-15, kam jedoch mit der Patrone nicht gut zurecht.

Die Verantwortlichen mit dem AR-15 in .223 zufrieden und so wurde angedacht, dass AR-15 im begrenzten Maß als Zwischenlösung zwischen M14 und dem erwarteten Ergebnis des SPIW-Programms zu nutzen. Dieses Programm sollte für die Zukunft eine Waffe liefern, welche dem einzelnen Infanteristen eine deutlich höhere Trefferwahrscheinlichkeit und Feuerkraft geben sollte.

Da die ursprüngliche Entwicklungsfirma ArmaLite sich lediglich als ein Thinktank für die Entwicklung neuer Waffen verstand und selbst keine ausreichenden industriellen Kapazitäten für die Produktion des AR-15 besaß, wurden 1959 die Rechte und Pläne für die Produktion an die Firma Colt übertragen. Colt fertigte eine verbesserte und an die eigenen Produktionsmittel angepasste Version des als AR-15 01 intern Colt Modell 601 genannt. Dieses Modell unterscheidet sich vom AR-15 von Armalite unter anderem durch seinen abgerundet dreieckigen Handschutz. Entgegen der Erwartungen von Colt fanden sich jedoch zunächst keine Abnehmer für das AR-15.

AR-15 in Vietnam

Ab 1961 spitzte sich die Lange in Vietnam weiter zu worauf die USA begannen die süd-vietnamesische Armee ARVN zu bewaffnen, dabei stellte sich jedoch heraus, dass die vietnamesischen Soldaten, aufgrund ihrer Statur, nur schlecht mit dem ausgegebenen M1 Grand zurecht kamen, weswegen man davon absah M14 für diese zu produzieren. AR-10 und AR-15 schienen besser geeignet und so beschafften die USA testweise einige AR-15 mit der Modellnummer 601 für US-Militärberaten, welche bis dahin mit dem M2 Carbine ausgerüstet waren. Das AR-15 601 oder kurz AR-15 01 zeigte gute Ergebnisse sowohl in den Händen von ARVN-Soldaten als auch in denen der us-amerikanischen Berater.

Die US-Luftwaffe war von Anfang an mit dem M14 unzufrieden, da sie die Waffe als zu schwer empfanden. Die Wachmannschaften der Flugfelder waren bis dahin mit M2 Carbine ausgerüstet, da aber die Munition der Waffen, .30 Carbine, aus der Logistik der US-Streitkräfte ausgesondert werden sollte, suchte die Luftwaffe nach einer neuen Waffe.

Das AR-15 wurde von der Luftwaffe getestet und nach einigen Änderungswünschen 1961 testweise als XM16 eingeführt. Dabei trägt die Waffe noch immer die Bezeichnung AR-15 auf ihrem Gehäuse und wird als AR-15 02 bezeichnet. Colt intern als sie als Model 602 oder kurz M602 geführt. Dabei wurde das Klaiber auf 5,64 mm metrisiert und die Patrone als 5,64x45mm HV bezeichnet.

M16 Der US-Luftwaffe

Die Luftwaffe zeigte sich zufrieden mit dem XM16 und so wurde das AR-15 mit der Nummer 604 1962 offiziell als US Rifle, 5,56mm, M16 kurz M16 eingeführt. Das Nennkaliber wurde von 5,64mm auf 5,56mm geändert und die Patrone als 5,56x45mm M193 bezeichnet.

XM16E1 der US-Armee

Die Armee interessierte sich immer stärker für das AR-15, da man darin eine Zwischenlösung bis zum erscheinen der ersten Waffen des SPIW-Programms sah. Jedoch bestand die Armee auf einer Schließhilfe, welche, nach damaliger Meinung der US-Armee, jede Waffe haben sollte.

Colt rüstete eine solche nach und so wurde 1963 das AR-15 mit der Modellnummer M603 testweise als US Rifle, 5,56mm, XM16E1 kurz XM16E1 eingeführt. Als 1965 neben US-Militärberatern auch reguläre Truppen der US-Armee nach Vietnam verlegt wurden, trugen diese bereits das XM16E1. Lediglich später eintreffende hinter gelagerte Truppen der US-Armee führen noch das M14.

Ziviles AR-15 SP-1

Für den zivilen US-Markt, Colt schuf ein Modell des AR-15 welches keinen Schnellfeuermodus mehr hallte und reichte diese 1963 als GX-4968 bezeichnete Modell beim us-amerikanischen ATF (Amt für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen) ein. Diese Behörde gab grünes Licht für die Waffe, es kam jedoch zunächst nur zur Produktion von sehr geringen Stückzahlen der 1964 als AR-15 SP-1 Sporter vermarkteten Waffe. Der Grund war zum einen das geringe Interesse der us-amerikanischen Zivilbevölkerung, zum anderen nahm der Krieg in Vietnam immer weiter Fahrt auf und so hätte Colt, selbst bei großem Interesse am SP-1 Sporter, nicht die nötigen Produktionskapazitäten gehabt.

Der Name AR-15 wurde von Colt für die gesamte Waffenfamilie übernommen und so tragen selbst XM16E1, M16 und noch M16A1 sowie XM177E2 die Aufschrift Colt AR-15 über der jeweiligen militärischen Bezeichnung. Erst mit der M16A2 in den 80er Jahren verschwand die Bezeichnung von den Gehäusen.

Die von Colt gefertigten zivilen Halbautomaten erhielten ebenfalls die Oberbezeichnung AR-15, so trägt die Sporter SP-1 (intern R6000) die Bezeichnung AR-15 Sporter SP1.

Dieser Umstand führt bei einigen Unkundigen zu der Annahme, dass man mit AR-15 nur die halbautomatischen Mitglieder der Waffenfamilie AR-15 meint. Was jedoch faktisch falsch ist.

Falschbehauptungen

Häufig hört man von Unkundigen zudem die Behauptung, dass AR-15 sein kein Sturmgewehr, weil dieses ein reiner Halbautomat sei. Dies ist jedoch nicht richtig, alle bei Armalite als AR-15 gefertigten Waffen besitzen eine mit AUTO beschriftete Stellung für ihre Feuerwahlhebel. Auch das AR-15 01 von Colt, ist Schnellfeuerfähig.

Eine Weitere Behauptung lautet, dass AR-15 und M16 zwei verschiedene Waffen sein. Auch diese Behauptung ist anhand von offiziellen Dokumenten sowie der Beschriftung der Waffe selber zurückzuweisen. So tragen M16, XM16E1 und M16A1 die Beschriftung Colt AR-15 auf ihren Gehäusen. Daneben belegen zeitgenössische Dokumente, dass das AR-15 als M16 eingeführt wurde.

Grundlagen:

  • The Black Rifle, M16 Retrospective von R. Blake Stevens & Edward C. Ezell
  • The Black Rifle II, the M16 into the 21st Century von Cristopher Bartocci
  • Small Arms Profile 22 Armalite Weapons von F.W.A. Hobart
  • The M16 von Gordon L. Rottman
  • The M16/AR15 Rifle A Shooter's Guide von Joe Poyer
  • Sturmgewehre der Welt Band III T -V von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson
  • Waffen Revue Nr.18 Sept.-Nov. 1975 Waffensystem AR 15 (M-16)
  • Visier Special Ausgabe 37 M16 & AR-15

18. August 2023

Die Geschichte der US Mk.18

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag zum Thema Waffengeschichte.

Es gibt keine Waffe, die man heute so oft in den Händen von Spezialeinheiten sieht, wie die Mk.18, von denen die Meisten so wenig wissen. Denn leider wird sie ständig für einen M4 Karabiner gehalten, von welchem sie zwar abstammt aber nicht mit diesem identisch ist. So genug Einleitung, ab zur Geschichte:

SPR und CQBR

Ursprünglich war es geplant im Zuge des SOPMOD Programms zwei Wechselsysteme zu entwickeln. Diese Wechselsysteme sollten nur aus oberem Gehäuse, Lauf und Handschutz bestehen. Geplant war, dass man diese Systeme einfach gegen das obere Gehäuse eines vorhandenen M4A1 Karabiners hätte austauschen können. Der Vorteil wäre gewesen, dass man keine ganz neuen Waffen hätte einführen müssen, zudem hätten Soldaten das Wechselsystem auf eine Mission mitnehmen und bei Bedarf zur Anwendung bringen können.

Die geplanten Wechselsysteme waren der SPR (Special Purpose Receiver), mit einem 18 Inch Lauf für mehr Präzision auf mittlere Entfernungen, und der CQBR (Close Quarters Battle Receiver) mit einem kompakten 10 Inch Lauf für den Nahkampf beengte Umgebungen. Da jedoch bei Waffen mit AR-15 System die Schließeinrichtung Teil des unteren Gehäuses ist, welches vom M4A1 übernommen wurde, gab es Probleme. Da die Nachschlagmasse im Pufferrohr auf die Lauflänge abgestimmt sein muss, kam es bei aufgesetztem SPR und CQBR häufig zu Ladehemmungen. Ein einfacher schneller Wechsel war also nicht wie geplant möglich.

Da sich die beiden Systeme jedoch großer Beliebtheit erfreuten, wurden die Systeme zu eigenständigen Waffen weiterentwickelt.

  • Aus dem SPR wurde das Mk12 Mod 0
  • Aus dem CQBR wurde die Mk18 Mod 0

Mk18 Mod 0

Der Lauf der Mk18 Mod 0 wurde von 10 Inch auf 10,3 Inch verlängert, damit Schalldämpfer beim anschrauben nicht mehr an der Bajonettaufnahme am Kornträger blockieren. Die Mk18 Mod 0 wurde, wie der CQBR auch, im Naval Surface Warfare Center in der Stadt Crane gebaut. Als Basis dienten M4A1 Karabiner von Colt, dessen Läufe gekürzt und dessen Gasentnahmebohrungen vergrößert wurden. Zudem wurde eine schwere Nachschlagmasse (Typ H oder H1) eingesetzt und der Handschutz gegen einen der Knight’s Armament Company mit vier Mil-STD 1913 Railschienen ersetzt. Mk18 Mod 0 tragen auf der linken Gehäuseseite die originale Gravierung des M4A1 Karabiner und auf der rechten Gehäuseseite die Gravierung MK18 MOD0 Carbine - Crane, Indiana.

Es gibt zwei Untertypen der Mk18 Mod 0:

  • Mk 18 Mod 0 Typ I, in Crane durch Kürzung von M1A4 hergestellt. 10,3 Inch Läufe
  • Mk 18 Mod 0 Typ II, von Colt von Werk aus mit kurzen Läufen produziert. 10,5 Inch Läufe

Aufgrund ihrer Längen zählen sowohl der CQBR als auch die Mk18 zu den AR-15 Commandos einer Reihe von sehr kurzen Sturmgewehren, welche vor allem im Vietnamkrieg häufig von Spezialeinheiten wie der MAC-V-SoG verwendet wurden, die aber nach dem Krieg vorerst in Vergessenheit gerieten. Erst in den frühen 1990er Jahren wurden ähnlich kurze Modelle wie das Colt Model 733 Mogadishu Commando in geringer Stückzahl von der Delta Force und US-Rangern eingesetzt. CQBR und Mk18 können als moderne Wiederbelebung des Konzeptes dieser Waffen angesehen werden.

Mk18 Mod 1

Die Mk18 Mod 1 ist quasi eine Mk18 auf dem Stand eines M4A1 mit SOPMOD Block II Packet. Der Handschutz von KAC wurde gegen den freischwebenden RIS II von der Firma Daniel Defence ausgetauscht. Dieser Handschutz vor vor allem den Vorteil, dass er nur am Gehäuse befestigt ist und nicht den Lauf berührt. Der Lauf kann beim Schuss nun fast frei schwingen, was die Präzision erhöht. Zudem wurde die Kornträger-Gasblock Kombination durch einen reinen Gasblock ersetzt, dies hat den Vorteil, dass kein Kornträger mehr die Visierlinie stört. Die Mk18 Mod 1 übernimmt die 10,5 Inch Lauflänge der bei Colt gefertigten Mk18 Mod 0 Typ 2.

Mk18 Mod 2

Die Mk18 Mod 2 ist eine modernisierte Version der Mk18 von 2019. Anstelle des RIS II von Daniel Defence mit Mil-STD 1913 Railschienen wird ein Handschutz mit M-Lok System der Firma Geissele Automatic's verbaut. Das flache Adaptersystem hat unter anderem den Vorteil, dass es bei nicht Benutzung im Gegensatz zu Railschienen nicht abgedeckt werden muss. Zudem wurde der Lauf der Mk18 Mod 2 auf 11,5 Inch verlängert, um die Ballistische Leistung in Verbindung mit M855A1 Munition zu verbessern. Aufgrund dieser Lauflänge wird die Mk18 Mod 2 inoffiziell zu den CarMANDO Modellen gezählt.

Ähnliche Waffen

Wegen der großen Popularität der Mk18 werden häufig alle Waffen mit AR-15 System,einer Lauflänge um 10 Inch als Mk18 bezeichnet. Was jedoch nicht immer zutrifft. So handelt es sich zum Beispiel beim Colt Modell 933 um eine eigenständige Waffe, die unabhängig von Colt entwickelt wurde. Auch die israelischen Makutzrars sind eine eigene Entwicklung und basieren meist auf gekürzten Colt M653. Gleiches gilt für den kanadischen C8CQB.

Kritik

Allgemein gilt die Mk18 als unzuverlässiger als der M4A1 Karabiner oder das M16A4 Gewehr, dies liegt vor allem an der kurzen Zapfzeit. Durch die sehr nah an der Mündung gelegene Gasentnahmebohrung, kann das Gas im Gassystem nur für eine sehr kurze Zeit wirken, bevor das Geschoss den Lauf verlässt, es damit zum Druckabfall im Lauf kommt und das Gas nicht mehr wirken kann. Um diesen Nachteil auszugleichen, wurde die Gasentnhamebohrung bei der Mk18 vergrößert. Dadurch ist der Verschluss einem kurzen aber starken Druck ausgesetzt. Dieser führt zu einer höheren Verschlussrücklaufgeschwindigkeit und damit zu einem erhöhten Verschleiß und einer auf von 850 (M4A1) auf 950 Schuss die Minute gestiegenen Feuergeschwindgkeit. Zudem hat die Mk18, wie die XM177 vor ihr, wegen ihres kurzen Laufes mit einem enormen Mündungsfeuer und Knall zu kämpfen.

Zivile Versionen

Aufgrund der ab den 2010er Jahren gestiegenen Popularität und der starken Medienpräsenz der Mk18 Modelle, fertigen einige zivile Hersteller Nachahmungen der verschiedenen Mk18 Modelle. So bietet auch Daniel Defence, der Hersteller des Handschutzes der Mk18 Mod 1, mit der DD MK18 eine zivile Nachahmung als Selbstlader an.

Der Text erschien erstmals am 28. Dezember 2020 als Artikel Mk18 im Waffen-Wiki und erscheint mit freundlicher Genehmigung vom Mitautoren Helmut Knittelfeld.

17. August 2023

Die Geschichte des M4 Karabiners - Teil 1

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neunen Beitrag. Dieses mal geht es um die Gesichte der US-Karabiner namentlich XM4, M4 und M4A1. Der Grund, warum wir diese Gesichte schreiben ist vor allem, dass diese sehr oft falsch dargestellt wird. Meist ploppt der M4 in den 90er Jahren einfach auf und ist dann einfach da. Das seine Wurzeln eigentlich in den 80ern liegen wird dabei meist vergessen.

CAR-15 Carbine

Bereits kurz nachdem die Firma Colt die Lizenz für die Produktion des AR-15 von ArmaLite erhalten hatte, versuchte man eine ganze Reihe von Waffen auf der Basis des AR-15 zu schaffen. Diese als CAR-15 bezeichnete Reihe umfasste auch einen Karabiner mit der Bezeichnung Model 605. Dieser wurde jedoch nicht von den US-Streitkräften angenommen, da Waffen der Karabiner-Kategorie während des Koreakrieges in Verruf geraten waren.

XM177

Lediglich das Model 607 wurde in geringen Stückzahlen als GX-5857 beschafft. Dabei handelte es sich jedoch nicht um einen Karabiner, sondern um eine Waffe mit den Abmessungen einer Maschinenpistole welche jedoch die Mittelpatrone 5,56x45mm M193 verschoss. Eine verbesserte Version der GX-5857 war das XM177 welches von der Luftwaffe als GAU-5A beschafft wurde. Die Armee testete einer Version der Waffe mit Schließhilfe als XM177E1. Diese extrem kurzen Formen von M16/XM16E1 waren zwar ursprünglich für Piloten und hintergelagerte Truppen gedacht, erfreuten sich jedoch auch bei Spezialeinheiten großer Beliebtheit. Dem starken Mündungsfeuer der kurzen Waffen, war man mit einem als Moderator bezeichneten Halbschalldämpfer Herr geworden. Probleme boten jedoch die Tatsachen, dass sich weder Seitengewehre noch Granatgeräte anbringen ließen.

Colt Commandos

Die nächste Generation wurde, in Anlehnung an die Verwendung bei Spezialeinheiten, Colt Commando genannt. Namentlich erhielten XM177E2 und GAU-5A/A nun einen leicht verlängerten Lauf und die Möglichkeit das XM148 Granatgerät anbringen zu können. Jedoch fehlte nach wie vor eine Aufpflanzvorrichtung für ein Seitengewehr. Die kompakten Waffen erfreuten sich zwar großer Beliebtheit aber ihre Reichweite und Stoppwirkung ließen zu wünschen übrig. Grund dafür war, dass das Geschoss der M193 Patrone seine Zielwirkung zum Großteil aus seiner Geschwindigkeit zieht. Es konnte jedoch in den kurzen Läufen der Commandos nur unzureichend beschleunigt werden. Unter anderem aus diesem Grund wurden, nach dem Ende des Vietnamkrieges, alle XM177E1 und XM177E2 von US-Armee und US-Marines an die US-Luftwaffe abgegeben.

GAU-5/P & M653

Die Luftwaffe setzt das Konglomerat aus Commandos weiter ein, jedoch setzten sich die Moderatoren der Waffen über die Zeit mit Geschossmantelrückständen zu, welche dessen Wirkung zunichte machte. So tauschte die Luftwaffe die Moderatoren gegen reguläre Mündungsfeuerdämpfer. Diese verursachten jedoch einen enormen Mündungsknall vor allem in geschlossenen Räumen. Um dies zu verhindern, experimentierte man mit verschiedenen längeren Läufen. Die Entscheidung für die beste Länge wurde am Ende so getroffen, dass man als erfreulichen Nebeneffekt das Seitengewehr M7 wieder befestigen konnte. Läufe mit der so auf 14,5 Inch festgelegten Länge, wurde bei Colt bestellt und in vorhandene Waffen eingebaut. Als Nachteil konnte man jedoch keine Granatgeräte vom Typ M203 mehr anbringen. Die durch längere Läuft modifizierten Waffen tauchen in Listen der Luftwaffe als GAU-5/P auf, auf den Gehäusen befindet sich jedoch weiterhin die ursprünglichen Stempel wie zb. XM177E2. Als keine Modelle mehr vorhanden waren, die man umbauen konnte oder wollte, kaufte man fertige Waffen mit dieser Lauflänge bei Colt, welche intern als Colt Model 653 bezeichnet wurden. Erst bei diesen Waffen handelt es sich wieder um Karabiner im eigentlichen Sinn, aus diesem Grund gelten M607, M653 und GAU-5/P eher als Vorgänger des M4 Carbine als zb. das XM177E2 Commando.

GUU-5/P

Als 1980 die Entscheidung auf die belgische SS-109 Patrone als NATO-Standard viel und mit der M855 eine US-Version zur Verfügung stand, sah sich die US-Luftwaffe gezwungen ihre GAU-5/P auf die neue Patrone umzurüsten, da das schwerere Geschoss der M855 eine andere Drallsteigung benötigte, als die US M193 Patrone. Die mit neune Läufen ausgestatteten Waffen erhielten die Bezeichnung GUU-5/P, welche dieses mal auch eingestempelt wurde, damit nicht versehentlich die falsche Munition verwendet wurde. Das schwerere Geschoss der M855 erhöhte die Leistung der Waffen extrem. Das Geschoss bliebt aufgrund seines höheren Gewichtes länger im Lauf und konnte von den Pulvergasen stärker beschleunigt werden, welche ebenfalls mehr Zeit hatten sich im Lauf umzusetzen. Ergebnis war eine höhere Reichweite bei leiserem Mündungsknall und schwächerem Mündungsfeuer. Auch war das Geschoss der M855 weniger auf eine bestimmte Geschwindigkeit angewiesen, um seine Stoppwirkung zu erzielen.

US-Marine Carbine

Die Kombination aus M16A1 und M203 war eine der feuerstärksten und vielseitigsten individuellen Waffen zur Zeit des Vietnamkrieges. Als die US-Marines jedoch das M16A2 einführten, welches im Vergleich zum M16A1 schwerer war, hatte man bedenken beim Gesamtgewicht der Kombination M16A2 und M203. Aus diesem Grund suchte man nach einer Lösung und plante erst eine Waffe nach Muster des M605 zu schaffen, dies wäre ein M16A2 gewesen, dessen Lauf man lediglich bis an den Kornträger heran gekürzt hätte. Diese als Dissipator bezeichneten Modelle galten jedoch als sehr unzuverlässig wegen der geringen Zapfzeit.

US-Army Carbine

Die US-Armee, welche zu diesem Zeitpunkt noch kein Interesse am M16A2 der US-Marines hatte, arbeitete zu diesem Zeitpunkt an einem neunen Einsatzkonzept betreffend einer neuen Generation von mechanisierter Infanterie. Dieses als High Technology Motorized Division bezeichnete Programm beinhaltet das schnelle aus- und einsteigen aus Schützenpanzern des neues Schützenpanzers Bradley. Das M16A1 wurde dabei als hinderlich empfunden und es wurde der Wunsch nach einer kompakteren Waffen laut.

XM4 Carbine, M720

Um zu verhindern, dass US-Armee und US-Marines zwei unterschiedliche aber sehr ähnliche Waffen entwickeln, wurde 1983 beschlossen ein gemeinsames Programm zur Schaffung eines einheitlichen Karabiners aufgelegt. Dies war jedoch mit einigen Schwierigkeiten verbunden, da die US-Armee zu diesem Zeitpunkt noch das M16A1 mit der M193 Patrone verwendete. Auf der anderen Seite waren die US-Marines jedoch bereits dabei auf das M16A2 und die M855 Patrone umzustellen. Dieses Problem verzögerte das Programm bis 1984 als die Armee einer Waffe auf M16A2 Basis zustimmte und das XM4-Programm offiziell gestartet werden konnte. Ein Jahr später stieg die US-Armee jedoch aus dem Programm aus. Die US-Marines arbeiteten weiter an dem Projekt bis 1985 die ersten XM4 getestet werden konnten. Die Tests liefen erfolgreich und die Waffen wurden 1987 offiziell als US, Carbine, 5.56mm, M4 eingeführt. Jedoch versagte der US-Kongress die Gelder für den Kauf größerer Mengen von M4 Karabinern.

XM4 Karabiner existieren, wegen der Laufenden Entwicklung, mit einer Vielzahl unterschiedlicher Eigenschaften. Die wichtigste Neuerung ist jedoch meist ein Laufprofil welches die Anbringung des M203 Granatgerätes erlaubt. Frühe XM4 besitzen Dauerfeuer als dritten Feuermodus, spätere einen mechanisierten Feuerstoß. Sollten XM4 eine Colt-Modellnummer haben, so lautet diese meist 720.

M4 früh, M777

Bereits 1987 wurde der XM4 zum US, Carbine, 5.56mm, M4, die US-Marines bestellten jedoch nur eine kleine Stückzahl zu weiteren Testzwecken. Die Bestellung einer größeren Stückzahl wurde zwar geplant konnten aber nicht realisiert werden, da der US-Kongress die nötigen Zahlungen nicht bewilligte.

Der M4 von 1987 wird meist entweder als M4 früh oder nach der internen Modellnummer von Colt als M4 M777 bezeichnet. Er befindet sich auf dem Stand des M16A2 mit festintegriertem Tragegriff und weißt einen mechanisierten Feuerstoß auf.

Diemaco C8, M725

Zeitgleich mit der Entwicklung des M16A2 entwickelte Colt zusammen mit dem kanadischen Hersteller Dieamco das C7. Diese Waffe bildete einen Zwischenschritt zwischen M16A1E1 und M16A2 und verzichtete zum Beispiel auf das komplexe Visier des M16A2. Zusammen mit dem C7 wurde auch eine Karabinerversion mit der Kennung C8 geschaffen, welcher im Gegensatz zum M4 früh vom kanadischen Militär in großen Stückzahlen angeschafft wurde.

Mogadishu Carbine, M727

Da mit der geplatzten Anschaffung des M4 durch die US-Streitkräfte, Colt eine Menge Geld zu verlieren drohte, bot man eine Reihe von sehr ähnlichen Modellen auf dem freien Markt an. Diese Möglichkeit nutzen einige US-Spezialeinheiten als Umweg, um doch noch M4 ähnliche Modelle zu bekommen, da es diesen Einheiten erlaubt war Waffen einzukaufen, welche nicht offiziell in die US-Streitkräfte eingeführt worden waren.

So beschaffte die US-Army-Ranger das Modell 727 welche weitgehend mit dem M4 früh identisch war. Die Delta-Force hingehen beschafften das Modell 723 welches über das einfachere Visier des M16A1 verfügte, da man es für die kurze Waffe als zweckmäßiger erachtete. Beide Waffen unterscheiden sich jedoch vom M4 früh durch Dauerfeuer anstelle des mechanisierten Feuerstoßes, welches dem Ausgabengebiert der Spezialeinheiten Zur Gute kam. Aufgrund der unübersichtlichen und schwer zu merkenden Modellnummern, welcher die Waffen meist einfach als CAR-15 bezeichnet. M727 und M723 kommen mit unterschiedlichen Laufprofilen vor, einige besitzen M4-Profile mit Auspaarung für das M203 Granatgerät andere besitzen Pencil Barrels wie das M653.

Diemaco C8A1

Lange vor Colt experimentierte Diemaco in Kanada mit Zubehörschienen auf den Gehäuserücken von C7 und C8. Das Ergebnis waren C7A1 und C8A1 welche ausgabemäßig mit einem ELCAN C79 Visier ausgerüstet wurden. Bei den Schienen handelte es sich jedoch noch um Waver-Schienen und noch nicht um MiL-STD-1913 Schienen.

Abu Dhabi Carbine, M727

Anfang der 90er Jahre kam Abu Dhabi auf Colt zu, der Teilstaat der Vereinigten Arabischen Emirate suchte nach einer Waffe, welche Feuerkraft des M16A2 mit M203 mit der Kompaktheit des Colt M653 verbinden sollte. Colt verbaute daraufhin Läufe mit M4-Profil in Mogadishu Carbine Waffen und lieferte diese, mit der unveränderten Modellnummer 727, an den Golfstaat aus. Das Buch Black Rifle zeigt eine solche Waffe auf der letzten Seite, da diese Waffe kurz vor Drucklegung 1992 noch den Autoren von der Firma Colt vorgestellt wurde. Der Abu Dhabi Carbine besitzt mit Dauerfeuer und 3-Schuss-Stoß beide Schnellfeuermodi.

Colt M4 für Behörden

Als Colt neben dem geplatzten Auftrag für den M4 Karabiner auch noch damit zu kämpfen hatte, das FN den Zuschlag für die Produktion der M16A2 erhielt, musste die Firma schnell neue Kunden gewinnen. Aus diesem Grund wurde der M4 in einer verbesserten Form als Colt M4 an Behörden und Spezialeinheiten angeboten. Da die Verbreitung von Schutzwesten unter Kriminellen sowie Terroristen ab den 1990er Jahren stetig zunahm traf Colt mit dem kommerziellen M4 einen Nerv. Vor allem behördliche Spezialeinheiten wie das S.W.A.T. beschafften den Colt M4, welcher dadurch und dank einer aggressiven Werbekampagne seitens Colt schnell enorm an Medienpräsens gewann.

US M4 spät, M920

Durch die Erfahrungen während der Schlacht von Mogadishu und der Operation Just Cause in Panama wurde den US-Streitkräften bewusst, dass man eine feuerstarke aber Kompakte Waffe für hintergelagerte Truppen benötigte. Aus diesem Grund, um wahrscheinlich auch wegen der gestiegenen Popularität des kommerziellen Colt M4, wurde 1994 das M4-Programm wieder aufgenommen. Zusammen mit Colt schuf man eine Waffe, welche zwar auf dem M4 früh M777 basiert, in welche jedoch die Erfahrungen der letzten Jahre eingeflossen waren. So erhielt der meist als M4 spät bezeichnete Karabiner einen Handschutz mit doppeltem Hitzeschild und die Modellnummer 920. Die ersten M4 der 90er haben wie die M4 Karabiner der 80er den nicht abnehmbaren Tragegriff des M16A2, ab 1995 weisen sie jedoch einen abnehmbaren Tragegriff auf unter welchem sich eine MiL-Std-1913 Schiebe befindet.

US M4A1, M921

Da die in Mogadishu eingesetzten Spezialeinheiten extra kommerzielle CAR-15 wegen des Dauerfeuers gekauft hatten, wurde 1994 mit dem M4E1 eine eine Version des M4 spät geschaffen, welche anstelle des mechanisierten Feuerstoßes Dauerfeuer als dritte Position des Feuerwahlhebels aufweist. Im selber Jahr wurde der M4E1 offiziell als US-Carbine 5.56mm, M4A1 eingeführt und vom SOCOM bestellt.

Der Text erschien erstmals am 15. März 2022 als Artikel M4 (Karabiner) im Waffen-Wiki und erscheint mit freundlicher Genehmigung vom Mitautoren Helmut Knittelfeld.

10. Mai 2022

Waffenfunktion: Indirekter Gasdrucklader mit Gaseinleitung, Drehkopfverschluss

Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch indirekt wirkenden Gasdruck, durch Einleitung auf den Verschlussträger. Verriegelt durch Drehung des Verschlusskopfes. Eingesetzt bei Armalite AR-15, Colt M16 und Colt M4.

Indirekter Gasdrucklader mit Gaseinleitung, Drehkopfverschluss

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht, die Treibladung geht vom feststofflichen in den gasförmigen Zustand über. Da die Treibgase mehr Raum in Anspruch nehmen als die Treibladung im noch festen Zustand, entsteht ein enormer Druck. Dieser Druck wirkt zu allen Seiten in etwas gleich stark. Der Druck auf das Heck des Geschosses sorgt dafür, dass diese aus der Patronenhülse herausgetrieben wird. Sobald das Geschoss in der Übergangskonus des Laufes eintritt, ist der Gasdruck in der Lage, die Patronenhülse nach hinten zu treiben. Da diese jedoch vom Verschlusskopf (grün) abgestützt wird, überträgt sich die nach hinten gerichtete Kraft auf diesen. Da der Verschlusskopf (grün) mit einen Verriegelungswarzen (dunkel grün) im Schildzapfen des Laufes (petrol) verriegelt ist, kann keine Rückwärtsbewegung unter dem Einfluss der direkten Gasdruckkräfte stattfinden. Der Verschluss ist formschlüssig verriegelt.

Wenn das Geschoss die Gasentnahmebohrung im Lauf passiert, kann Gasdruck in das Gasröhrchen (grau) strömen, dieses Röhrchen spult den Gasdruck um und leitet diesen nach hinten zum Verschlussträger (lila). Dort wird er in eine Kammer zwischen Verschlussträger (lila) und Verschlusskopf (grün) eingeleitet.

Bild 3: Der Gasdruck in der aus Verschlussträger (lila) und Verschlusskopf (grün) gebildeten Gaskammer treibt beide aus einander. Dabei dieser pneumatischen Anordnung bildet der Träger (lila) den Zylinder und der Kopf (grün) den Kolben. Da sich der Verschlussträger (grün) nicht weiter nach vorne bewegen kann, stößt sich der Verschlussträger (lila) von diesem ab. Dabei gleitet ein Steuerbolzen (dunkel grün) in einer Steuerkurve des Verschlussträgers (lila), jedoch zu nächst noch ohne eine Bewegung des Verschlussträgers zu erzwingen (grün).

Bild 4: Nachdem der Verschlussträger eine kleine Strecke nach hinten gelaufen ist, bekommt der Steuerbolzen (dunkel grün), welcher mit dem Verschlusskopf (grün) verbunden ist, Kontakt mit der ansteigenden Steuerkurve des Verschlussträgers (lila). Dieser Kontakt zwingt den Steuerbolzen (dunkel grün) zu einer Aufwärtsbewegung. Diese Bewegung wiederum wird in eine Drehung des Verschlusskopfes (grün) übersetzt. Bei dieser Drehung, werden die Verschlusswarzen des Verschlusskopfes (grün) aus dem Schildzapfen des Laufes (Petrol) herausgedreht. Dieser Vorgang dauert lange genug, um dem Geschoss die nötige Zeit zu geben, den Lauf zu verlassen.

Bild 5: Sobald das Geschoss den Lauf der Waffe verlässt, kommt es in diesem zu einem abrupten Abfall des Gasdrucks. Dadurch kann nun die Patronenhülse gefahrlos aus dem Patronenlager der Waffe ausgezogen werden. Bei diesem System gibt es je doch die Besonderheit, dass sich Gas recht lange in der Gaskammer zwischen Verschlusskopf (grün) und Verschlussträger (lila) halten kann. Aus diesem Grund muss eine Gasentlüftung vorgenommen werden, dies gescheit, indem der Verschlusskopf (grün) bei seinem nach vorne Gleiten im Verschlussträger (lila) eine Entlüftungsbohrung frei gibt, aus welcher das Gas der Gaskammer entwichen kann. Auch ohne das Gas in der Gaskammer, gleitet der Verschlussträger (lila) weiter nach hinten, da er bereits genug Bewegungsenergie aufnehmen konnte.

Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn ,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung von:

waffentechnik.wordpress.com