22. Mai 2023

Einfache Rechenprobe, ob eine Waffe ein Rückstoßlader ist

Hallo alle zusammen,

ich habe mich neulich mit Jemandem über das Thema Antriebskräfte in Feuerwaffen unterhalten und dieser Jemand ist nicht irgendwer sondern Jemand, der sich ziemlich gut mit den Naturwissenschaften auskennt. Leider möchte dieser Jemand nicht genannt werden aber auf der anderen Seite muss ich dann auch nicht nochmal nachfragen, wie viele Doktor und Professor Titel es denn noch mal genau waren.

Aber machen wir für die Probe mal kurz einen Ausflug in die Physik und zwar zu Issac Newton, dieser definierte in einem Buch Philosophiae Naturalis Principia Mathematica ¹ Gegenreaktionen in zweiten Teil des dritten Axioms² wie folgt:

Actioni contrariam semper et aequalem esse reactionem, sive corporum duorum actiones in se mutuo semper esse aequales et in partes dirigi.

Als Formal sieht das ganze dann so aus:

Actio-Masse × Actio-Geschwindigkeit 
Reactio-Masse × Reactio-Geschwindigkeit

Das übertragen wir dann auf eine Waffe und bekommen:

Geschoss-Masse × Geschoss-Geschwindigkeit
=

Verschluss-Masse × Verschluss-Geschwindigkeit

Nun gehen wir in die Mathematik und setzten unsere Werte ein. Außerdem wollen wir ja noch unsere Probe machen, ob es sich bei der Waffe um einen Rückstoßlader handelt. Dazu machen wir einfach ein Experiment³. Dabei verursachen wir einen Geschossstecker im Übergangskegel, welcher das Geschoss an jeglicher Bewegung hindert. Dier ist Mathematisch ganz einfach darzustellen und zwar setzten wir als Geschoss-Geschwindigkeit einfach 0 ein.

8 Gramm × 0
=
6860 Gramm × ?

Ich hab jetzt einfach mal 9 Gramm für 9x19mm eingesetzt aber das ist völlig irrelevant, denn jeder weiß, das Null mal Irgendwas auch immer 0 Ergibt. Wir haben also auf der einen Seite unsere Gleichung Null stehen. 

0
=
6860 Gramm × ?

Auf der anderen Seite habe ich mit 6860 Gramm einfach mal das Verschlussgewicht der Uzi eingetragen. Aber auch dieser Wehrt könnte jede andere natürlich Zahl sein, denn an dieser Stelle ist unsere Gleichung bereits gelöst, denn als unser gesuchter Wert ? kommt keine anderen Zahl als 0 mehr in Frage. Jede andere Zahl würde unsere Lösung ungültig machen, denn Null ist Null.

Jetzt haben wir im Bezug auf unser Beispiel Uzi jedoch ein Problem, denn der Verschluss dieser Waffe bewegt sich trotz des Geschosssteckers im Übergangskonus.

Nun bleiben uns naturwissenschaftlich nur zwei Auswege, entweder nehmen wir an, dass es eine weitere Kraft gibt, welche den Verschluss bewegt, welcher nicht der Rückstoß sein kann...

...oder aber wie beharren auf der Behauptung, dass der Rückstoß den Verschluss der Waffe bewegt aber dann treffen wir die mathematisch Aussage:

0
=
≥1

Und diese ist wissenschaftlich so falsch, wie eine Aussage nun mal falsch sein kann. 

Als gebildete Menschen, die sich nicht einfach über grundlegendste aller Wissenschaften, die Mathematik, hinwegsetzten müssen wir also einsehen, dass der Rückstoß nicht für die Verschlussbewegung verantwortlich sein kann.

Es gibt jedoch Waffen, vor allem jeden mit kurz- und langzurückgleitenden Läufen sowie Modelle mit Rückstoßwirkung auf das gesamte Waffengehäuse, welche nachweißlich vom Rückstoß angetrieben werden. Bei diesen bleibt der Verschluss, auch bei einem Geschossstecker im Übergnagskegel, bewegungslos und wir erhalten:

0
=
0

 Eine mathematisch belastbare Aussage.


¹ Das Buch kann übrigens Jeder hier nachlesen: Philosophiae Naturalis Principia Mathematica

² Eigentlich ist dieses Axiom gar keines mehr, da es vom Standpunkt der Thermodynamik mittlerweile beweisen wurde.

³ Hier noch mal der freundliche Hinweis an Sportschützen, dass diese entsprechende Experimente nicht durchführen dürfen. Dies bleibt höheren Sachverständigen sowie Arbeiten in der Waffenindustrie vorbehalten.

Kritik am Begriff "Feder Masse Verschluss"

Hallo alle zusammen,

es rumort mal wieder ein wenig in der deutschen Waffentechnik, also in dem Bereich der deutschsprachigen Waffengemeine, wo man zum einen wirklich Ahnung vom Thema hat und und zum zweiten noch einen menschlichen Umgang pflegt. Wenn ich also sage, dass ein Streit herrscht, dann sollte man sich dies nicht so vorstellen, dass sich dort Leute wüst beleidigen, sondern das ein angeregter intellektueller Austausch herrsch und es nicht darum geht mit allen Mittel Recht zu behalten, sondern gemeinsam an der Wahrheitsfindung zu arbeiten. Ich schreibe dies, weil einige schnell einen falschen Eindruck bekommen, wenn sie von Streit oder Kritik hören.

Aber worum geht es eigentlich? Es dreht sich um den Begriff "Feder-Masse-Verschluss", was an sich leider schon die falsche Schreibweise ist, denn es ist ja nicht die Masse der Feder gemeint. So heißt es eigentlich Feder/Masse-Verschluss ein Verschluss durch Feder und Masse.

Und genau das steht in der Kritik, denn kann eine Feder, meist mit einer Konstante von wenigen hundert Newton, einem Gasdruck von mehreren tausend Bar überhaupt etwas entgegen setzten? Ein entsprechendes Experiment¹ lautet wie folgt:

Man ersetzte die Feder gegen ein Stahlrohr mit identischen Abmessungen und schaut, ob die Waffe in der Lage ist zu repetieren.

Soweit zu schlüssig aber das Experiment hat einen Hacken. Man wir bei keiner Waffe, mit einer zu komprimierenden Schließfeder, bei diesem Umbau eine Repetierfunktion feststellen. Auch eine AK-47 würde jegliche Funktion einstellen, ersetzte man die Schließfeder gegen ein unbewegliches Rohr.

Dieses Experiment hat starke akademische Schwächen, denn es ist nicht falsifizierbar, bedeutet es gibt nur den Aufgang Nein.

Eine meiner Meinung nach bessere Idee wäre es, die Schließfeder gegen ein Rohr auszutauschen, welches in seinem Abmessungen nicht der Feder im teilkomprimierten Ruhezustand entspricht, sondern dem Zustand der Feder zum Zeitpunkt der maximalen Kompression, ergo dem Zustand des Zeitpunktes der vollständigen Verschlussöffnung.

Eine AK-47 würde auf diese Weise weiterhin funktionieren und diese Waffe steht bei weitem nicht im verdacht einen Federverschluss zu haben. Die Öffnungsgeschwindigkeit würde nur minimal verlangsamt werden.

Eine derart manipulierte Waffe mit angeblichem Feder/Masse-Verschluss müsste aber nun eine deutlich höhere Öffnungsgeschwindigkeit ausweisen. Dazu würde man noch nicht mal eine teure Zeitlupenkamera oder eine Laserschranke² benötigen. Es würde bei den meisten Waffe genügen die verschossenen Hülsen auf Deformation zu untersuchen, welche durch die überschrittene S-Strecke zu verursacht werden.   

Wie bei allem sind die entsprechenden Test jedoch schon längst durchgeführt worden und kamen zu dem Schluss, dass die Feder ab einer Patronenstärke ab .380 ACP (9mm Kurz) keinen großen Einfluss mehr auf die Verriegelung hat. Alleine die Masse sorgt durch ihre Masseträgheit für eine Verschlussgeschwindigkeit, welche die S-Strecke nicht überschreitet³.

Darunter gibt es jedoch wirklich Feder-Verschlüsse aber nur bei Kleinkalibern wie .22lfb und abwärts. Hier ist die Feder wirklich mit ihrer Gegenkraft in der Lage etwas zur Verriegelung beizutragen.

Im Bezug auf Großkaliber, in der Bedeutung des Begriffes im Schießsport, ist der Begriff Feder/Masse-Verschluss jedoch falsch.

¹ Hier noch mal der freundliche Hinweis an Sportschützen, dass diese entsprechende Experimente nicht durchführen dürfen. Dies bleibt höheren Sachverständigen sowie Arbeiten in der Waffenindustrie vorbehalten.

² Oft hört man leider, dass man dieses oder jenes Experiment ja gar nicht ohne eine teure Hochgeschwindigkeitskamera durchführen könnte. Dabei sind diese nicht immer von Nöten, oft reicht eine Laserschranke vollkommen aus. Man muss diese nur so ausreichen, dass zb. der Verschlussgriff diese durchbricht.

³ Nein, Masseverschlüsse halten den Verschluss nicht geschlossen, die Masse verursacht nur eine langsamere Öffnungsbewegung.

21. Mai 2023

Gibt es eine NATO-Bremse im Maschinengewehr MG3?

 Hallo alle zusammen,

Jeder von uns dachte sicher, dass das Gerücht um die angebliche "NATO Bremse"² mittlerweile tot sei aber dann kam wohl TikTok und hat diese alte Geschichte gefleddert. 

Aber kurz, worum es eigentlich geht. Das Maschinengewehr MG3 der deutschen Bundeswehr hat eindeutige Ähnlichkeiten mit dem MG42 der Wehrmacht. Kein Wunder, ist das MG3 doch eine Rückentwicklung des MG42, dessen Pläne nach dem Zweiten Weltkrieg verloren gegangen waren. Aus diesem Grund musste der neue Hersteller, die Rheinmetall AG, ein MG42 analysieren und auf dieser Grundlade neue Konstruktionspläne entwickeln.

Das MG3 hat aber nun eine niedrigere Kadenz (Feuergeschwindigkeit) als das MG42, was ja Jedem sofort klar sein sollte, denn die neue Patrone 7,62x51mm NATO hat weniger Rückstoß und weniger Gasdruck als die 7,92x57mm IS. 

Einige Leute mit deutlich weniger Fachkunde konnten sich diese Reduktion jedoch nicht so einfach erklären und so wurde das Gerücht einer NATO Bremse (nur echt mit Leerzeichen) in die Welt gesetzt. Aber diese Bremse muss ja auch irgendwo sein also wurde immer wieder andere Teile vermeidlich als diese identifiziert. 

Diese Teile mussten natürlich neu sein, durften also im MG42 nicht vorhanden sein, sonst würde ja die Theorie noch weniger stichhaltig sein, als diese ohnehin schon war.

Die Rückstellfeder für den Transporthebel im Deckel: Damit man bei schließen des Deckels, bei vorderer Verschlussstellung diesen nicht mehr beschädigen kann, hat das MG3 einen Feder im Deckel, welche den Transporthebel immer in der gleichen Position hält. Einige sind tatsächlich der Meinung, dass diese Feder genug Widerstand aufbringt, um die Kadenz der MG3 zu reduzieren. Wer jedoch auch nur eine grobe Vorstellung von den Kräften in einer Waffe hat weiß, das eine Feder, welche man per Hand komprimieren kann, nicht in der Lage ist, die Kandez zu senken.

Die Auswerferstange: Noch seltsamer ist die Behauptung ein kleines Blech im Verschluss würde die Kadenz senken können. In manchen Formen der Legende kann man dieses Blech auch einfach abbrechen oder weglassen, um die Feuergeschwindigkeit wieder zu erhöhen. Fragt man nach dem Namen, der Nummer oder der Form und dem Ort dieses Bleches kommt oft heraus, dass hier die Auswerferstange gemeint ist. Diese Stange hat jedoch eine ganz andere Aufgabe und zwar den Auswerfer anzustoßen, sobald der Verschluss soweit nach hinten gelaufen ist, dass er das Auswurfsfenster im Boden der Waffe freigegeben hat. Ein Weglassen dieses Bauteils würde eher zu Auswurfshemmungen führen als zu einer höheren Kadenz.

Die Verschlusssperre des MG3
ist nicht die NATO-Bremse
Die Verschlusssperre: Da die beiden oberen Versionen des Gerüchts recht einfach zu widerlegen sind, hat sich die "Nate Bremsen Theorie" ein wenig angepasst und behauptet nun eine neue Feder im inneren des Verschlusses würde die Kadenz reduzieren.

Dabei ist jedoch bereits die Prämisse falsch, denn diese Feder ist gar nicht neu. Es gab sie bereits für das MG42. Die Sonderkommission Infanteriewaffen listet die Entwicklung in Gruppe II Vorhaben 1. auf, nennt die Verschlusssperre jedoch noch "Zwangsjacke"¹. Dabei handelte es sich schlicht um eine Verschlusssperre in Form einer Nachschlagmasse, zur Verhinderung von Verschlussrückprall. Einige MG42 wurden ab 1944 mit der "Zwangsjacke" ausgeliefert sowie nachgerüstet. Als jedoch die Munition der Wahrmacht auf Stahlhülsen umgestellt wurde, welche eine höhere S-Stecke ausweisen, wurde die Zwangsjacke überflüssig und aus Kostengründen nicht mehr verbaut.

Erst als der westdeutsche Bundesgrenzschutz das MG42, wieder einführte und wieder Messingmunition verschoss, wurden neu gefertigte Verschlusssperren durchgehend nachgerüstet. Bei neugefertigten MG1 für die Bundeswehr, war die Verschlusssperre dann Serienmäßig vorhanden.

Soldat und Technik Ausgabe 11, 1961
Das Gerücht wurde bereits 1961 durch die Zeitschrift Soldat und Technik in der Aufgabe 11 vom November 1961 auf Seite 604 widerlegt.

Aber last mich mal kurz erklären, was den eine Nachschlagmasse so macht, wenn sie schon nicht die Aufgabe hat, die Kadenz zu verringern.

Das MG3 ist eine zuschießende Waffe, bedeutet der Verschluss findet sich hinten in der Waffe und wird von der Abzugsgruppe gegen die Schließfeder gehalten. Krümmt der Soldat den Abzug ab, so senkt sich die Verschlusshaltenase, worauf der Verschluss freigegeben wird. Dieser wird nun von der Schließfeder nach vorne getrieben. Dabei wird der gesamte Verschluss mit allen Teilen beschleunigt und erhält so einen Bewegungsimpuls. Zu diesen Teilen gehört auch das Gewicht der Verschlusssperre, die sogenannte Nachschlagmasse, diese ist gefedert gelagert, die Feder wird zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht komprimiert. Beim Vorlauf entnimmt die Zuführnase eine Patrone aus dem Patronengurt und beginnt damit, diese in die Patronenlager einzuführen. Erreicht der Verschluss das Verriegelungsstück, prallt er mit seiner Stirnfläche darauf. Bei diesem aufeinandertreffen von Stahl auf Stahl, kommt es zu einem ähnlichen Effekt, wie bei einem Schmied, welcher mit seinem Hammer auf einen Ambos schlägt. Der Verschluss kann vom Verriegelungsstück abprallen. Da das MG42 ein Vorlaufzünder ist, kann es sein, dass kurz vor dem Rückprall das Zündhütchen der Patrone bereits abgeschlagen wurde und die Zündung einsetzt. Durch den Rückprall und den dadurch verursachen minimalen Rücklauf des Verschlusses, befinden sich die Verriegelungsrollen jedoch nicht vollständig in den Rollentaschen und sind dadurch nicht vollständig verriegelt. Die Folge ist, dass sich Patronenhülse von den Pulvergasen, wie ein Hohlkolben, nach hinten gedrückt wird und viel zu schnell, bei noch zu hohem Druck im Rohr, sich nach hinten aus dem Patronenlager herausgeschoben wird, da sie nicht vom Verschluss abgestützt wird. Da auch die Abstützung durch das Patronenlager im hinteren Teil der ausfahrenden Hülse nicht mehr gegeben ist, reißt das Messing im hinteren Teil der Hülse und Pulvergase gelangen ins Waffengehäuse, wo sie Teile der Waffen beschädigen können. Stahlhülse dagegen reißen deutlich weniger schnell.

Die Nachschlagmasse des MG3
Eine Nachschlagmasse setzt genau zu dem Zeitpunkt an, in dem der Verschluss auf das Verriegelungsstück trifft. Der Verschluss kommt bei Aufprall zunächst zum halten und gibt seinen Bewegungsimpuls an das Verriegelungsstück ab. Die gefedert gelagerte Nachschlagmasse im Verschluss bewegt sich durch ihr Beharrungsvermögen jedoch weiter nach vorne, dabei wird zunächst die Feder komprimiert, wo bei schon ein Teil dieser Beharrungsbewegung auf den Verschluss übertragen wird. Stößt die Nachschlagmasse dann gegen ihr Gegenstück wird, mit zeitlicher Verzögerung, dem Verschluss genau zu dem Zeitpunkt ein weiterer mechanischer Stoß versetzt, in welcher er sonst zurückprallen würde. Der Schlag der Nachschlagmasse auf der einen Seite, sowie die Abprallkraft auf der anderen Seite haben sich so gegenseitig auf, der Verschluss bleibt in Ruhe in der vordersten Position, worauf die Rollen in ihren Rollentaschen verbleiben und die Waffe sicher verriegeln.  

Eine ausführliche Analyse gibt Peter Dannecker in Verschlusssystem von Feuerwaffen Auflage. 4 auf Seite 365.

So ich hoffe, ich konnte diesen Nato-Bremsen Blödsinn auch fürs Internet widerlegen, denn in der seriösen Fachliteratur ist dies bereits schon 1961 passiert.

¹Sturmgewehr 44 Vorgänger, Entwicklung und Fertigung der revolutionärsten Infanteriewaffev von Dieter Handrich Seite 279 

²Nur echt mit Leerzeichen

14. Februar 2023

Kleine Anmerkung zur Präzision von Feuerwaffen

Und damit herzlich Willkommen, wenn auch nur zur einen kleinen Anmerkung zum Thema Präzision von Feuerwaffen.

Man hört oft, das dieses oder jenes einfach schlecht für die Präzision sein muss aber dies ist gar nicht mal der Fall. Es ist egal wie viel Freiflugverkantung, Pulverwellenschlag, Verdrehung bei dünnwandigen Läufen, Laufschwingung oder Kronenturbolenzen eine Waffe hat, wenn die genannten Erscheinungen konstant auftreten und immer in der gleichen Art und Weise das Geschoss und die Waffe beeinflussen.

Das Problem ist nur, dass diese Erscheinungen inkonsistent auftreten und deren Vektoren stark in Kraft und Richtung variieren und damit fast jedes Projektiv, welches aus der Waffe kommt ebenfalls einen leicht anderen Vektor hat, ergo eine anderen Kraft und Richtung und Dies führt am Ende zu vergrößerten und oder verschobenen Treffergruppen.

12. Februar 2023

Warum haben Rückstoßlader Gasnachwirkung aber Gasdrucklader keine Rückstoßnachwirkung?

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag zum Thema Waffentechnik. Ich hatte indirekt neulich eine Frage gestellt bekommen und zwar wollte jemand allgemein wissen, warum es bei Peter Dannecker in Verschlusssysteme von Feuerwaffen bei der Verschlussantriebsart immer nur heißt:

[...]und Gasnachwirkung durch Resteigengasdruck. zb. S. 262

Dagegen aber niemals:

[...]und Rückstoßnachwirkung erzeugt durch die Geschossbewegung.  

Es wurde auf diese Weise gefragt, warum Rückstoßlader eine Gasnachwirkung haben aber direkte Gasdrucklader keine Rückstoßnachwirkung. 

Dies ist eine sehr gute Frage, die recht jedoch einfach zu beantworten ist. Das Stichwort heißt hier Impulsgleichheit, vereinfacht ausgedrückt verursacht, bei einem direkten Gasdrucklader wis. (Rückdrucklader aws.), nicht nur das Geschoss eine Gegenreaktion, sondern auch der nach hinten getriebene Verschluss. Das wird leider oft übersehen aber nach Issac Newton hat jede beschleunigte Masse eine Gegenreaktion.

Kanonenpendel
Das Ganze lässt sich an dieser Kinematik hier sehr leicht nachvollziehen. Im ersten Bild hat man in einem Pendelkanone zwei Geschosse mit identischem Gewicht, zündet die Ladung in der Mitte, werden beide Geschosse beschleunigt und erhalten dabei ihren Impuls und erzeugen so beide auch einen Gegenimpuls. Da beide Geschosse gleich schwer sind und gleich stark angetrieben werden, sind auch die Gegenreaktionen identisch und heben sich gegenseitig auf.

Bei einem direkten Gasdrucklader werden Geschoss und Verschluss zeitgleich beschleunigt und erzeugen gleichzeitig jeweils eine Gegenreaktion. Beide versuchen die Gasdrucksäule als fluidmechanischen Körper zu verwenden. Dabei ist die Gegenreaktion des Geschosses zwar stärker, da das Geschoss zwar leichter aber schneller ist, trotzdem wird diese Gegenreaktion teilweise aufgehoben. Der vom Schützen beim feuern von direkten Gasdruckladern erfahrene Rückschlag wird zum Großteil vom Verschluss erzeugt, wenn dieser hinten an das Waffengehäuse schlägt und diesem dabei einen elastischen Stoß gibt.

Der Grund, warum ''Nachbeschleunigung durch Rückstoß'' nicht möglich ist, ist die Definition von Nachbeschleunigung. Diese bezieht sich auf die Phase nach dem Abgang des Geschosses, also den Zeitpunkt, an dem das Geschoss den Lauf der Waffe verlassen hat. Sobald aber das Geschoss den Lauf der Waffe verlässt, kann der Rückstoß die Gasdrucksäule im Lauf nicht mehr als fluidmechanischen Körper nutzen. (Praktisch schon, denn das ''Gaskissen'' zwischen Mündungskrone und Geschoss ist noch 1 cm lang dicht genug.) In der Regel sagt man aber, dass ein Geschoss, welches die Mündung der Waffe (Mündung der Waffe, nicht Mündung des Laufes) verlassen hat, diese nicht mehr beeinflussen kann.

Mit dem Gas in der Waffe sieht es jedoch anders aus, nach dem das Geschoss den Lauf der Waffe verlassen hat, braucht das Gas im Lauf noch eine ganze Weile (vergleiche Zeitlupenaufnahmen), bis es sich komplett entspannt und sich mit der Umgebungsatmosphäre ausgeglichen hat. Da Gas, entgegen einiger merkwürdiger Meinungen, nicht den Weg des geringsten Widerstandes geht, sondern alle angrenzenden Flächen beaufschlagt drückt das Gas auch dann noch, über die Patronenhülse, auf den Verschluss wenn das Geschoss den Lauf der Waffe schon lange verlassen hat.

Dies ist der Grund, warum viele Rückstoßlader mit kurz zurückgeleitendem Lauf ihre Patronenhülsen auch bei entfernter Auszieherkralle ausziehen und sogar auswerfen können. Der Rückdruck schiebt die Hülse aus der Patronenkammer heraus, die Auszieherkralle wird nur zum Entladen der Waffe benötigt (und bei machen Modellen Richtunggebend). 

Dieses Prinzip kann man auch gut bei der Verwendung einen Schnittpfropfenschalldämpfers beobachten, dieser hält Gas in der Waffe zurück. Hat man einen direkten Gasdrucklader mit einer Repetiersperre, kann man die Waffe abfeuern und nach dem aufheben der Repetiersperre beobachten, wie die Waffe noch repetiert, während das Geschoss schon einige Sekunden hinten im Kugelfang liegt und dort sicher keinen Rückstoß mehr auf die Waffe übertragen kann. Bei einem Rückstoßlader kann man dieses Phänomen nicht beobachten. Diese müssen von Hand repetiert werden, schlagen einem aber plötzlich in die Hand, sobald man die Verriegelungselemente ausgesteuert hat und die Verriegelung der Waffe von formschlüssig-statisch zu kraftschlüssig-dynamisch übergegangen ist.

So, ich hoffe ich konnte mal wieder ein wenig Mündungsfeuer ins Dunkel bringen.

Grundladen wie immer meine Fachbücher: Die zehn besten Bücher zum Thema Funktion von Handfeuerwaffen sowie das Schalldämpfer Kompendium Band 6 von Martin Erbinger und Andreas Burth und Technische Strömungslehre von Willie Bohl.

5. Januar 2023

Aufgabe zur Benennung von Kräften in einer Feuerwaffe, Rückstoß erkennen lernen

Hallo alle zusammen, heute habe ich mal eine kleine Aufgabe für euch, damit ihr lernt, die verschiedenen Kräfte in einer modernen Feuerwaffe richtig benennen zu können.


In dieser Grafik seht ihr fünf Systeme, von Figur 1 bis Figur 5. Zu den jeweiligen Figur gibt es zusätzlich immer eine Zeitangabe, bezeichnet mit englisch time. Dabei hat die erste Figur die Besonderheit, dass sie an vier unterschiedlichen Zeitpunkten dargestellt wird. Die Figuren 2 bis 5 hingegen werden nur in jeweils einem Zeitpunkt dargestellt.

Die Aufgabe ist nun zu ergründen, warum sich Fig.1 time 1 und Fig.2 time 1 sowie Fig.1 time 2 und Fig.3 time 1 in der jeweils ersten und zweiten Reihe noch ähneln aber schon Fig.1 time 3 und Fig.4 time 1 bereits unterscheiden.

In der dritten Reihe haben sich bei Fig.1 time 3 Lauf (dunkel petrol) und Verschluss (rot) gemeinsam nach hinten bewegt, wohingegen diese Bewegung bei Fig.4 time 1 nicht zu beobachten ist. Dabei wirkt bei beiden Grafiken, der selbe Gasdruck (Pfeile mit weißen Spitzen) auf den Stoßboden des Verschlusses (rot) als auch auf das den Lauf (dunkel Petrol) zu diesem Zeitpunkt abschließende Element (orange).

Legende:
  • Hellgrau: Gehäuse, lagert die Verschluss-Lauf-Koppelgruppe gefedert
  • Dunkelrot: Verschluss, schließt den Lauf nach hinten ab
  • Grün: Sperrriegel, verbindet den Verschluss mit dem Lauf und stellt einen Formschluss her
  • Dunkelgrau: Unverbranntes Treibmittel
  • Hellrot: Gasdruck, wirkt auf alle angrenzenden Flächen gleich ihrer Oberfläche
  • Dunkelpetrol: Lauf, ist über den Sperrriegel mit dem Verschluss verbunden
  • Orange: Geschoss/Pfropfen verschließt den Lauf temporär bei Fig.1 und dauerhaft bei Fig. 2 - 5
  • Pink: Sperrt die Pfropfen bei Fig. 2 - 5 mit dem Lauf und stellt so einen Formschluss her
Lösung:
Der Unterschied liegt in der Bewegung des Geschosses. Bei Fig. 1 bewegt sich das Geschoss zwischen den Zeitpunkten time 3 und time 4. Nur durch diese Geschossbewegung kann eine Gegenreaktion entstehen, welche in der Lage ist, die Verschluss-Lauf-Koppelgruppe nach hinten zu bewegen.

Bei den Figuren Fig. 2 bis Fig. 5 findet eine Bewegung der Pfropfen (orange) nicht statt, da dieser durch die Sperren (pink) mit dem Lauf (petrol) verbunden sind. Die Pulvergase wirken zwar auf den Stoßboden des Verschlusses (rot) aber auch auf den Pfropfen (orange), beide Kräfte heben sich gegenseitig auf und es kann keine Bewegung der Koppelgruppe, weder nach hinten noch nach vorne stattfinden. Der Kräftekreislauf ist geschlossen.

Experiment:
Setzte sich in einer Boller- oder Einkaufswagen, so dass dein Rücken mit der hinteren Wand oder dem hinteren Gitter abschließt und platziere danach deine Hände, oder solltest du noch sehr klein oder der Wagen sehr groß sein, deine Fußsohlen an der gegenüberliegenden Wand oder dem gegenüberliegenden Gittes des Einkaufswagens. Drücke nun mit Kraft deine Ellenbogen oder Knie durch und übe auf diese Weise Kraft auf den Einkaufswagen aus*.

Beobachte nun, ob eine Bewegung des Wagens stattfindet, wenn nicht, erkläre warum.

Widerhole das Experiment, aber nimm dieses mal einen schweren Gegenstand mit in den Wagen, wie einen Sack Kartoffeln*². Benutzte nun nach Möglichkeit die gleiche Kraft, mit welcher du beim ersten Experiment gegen die vordere Wand gedrückt hast, und werfe den schweren Gegenstand von dir weg.

Beobachte nun, ob sich der Wagen in Bewegung setzt, erkläre warum.

*Bitte sei vor allem bei Bollerwagen vorsichtig, da hier deine Kraft eventuell die Materialfestigkeit des Holzes überschreiten, und der Bollerwagen beschädigt werden könnte. 

*²Wichtig ist nur, dass der Gegenstand keinen Schaden nimmt und keinen Schaden anrichtet, denn er wird eventuell auf den Boden fallen. Bei leichten Gegenständen kannst du einen Freund oder deine Eltern fragen, ob sie den Gegenstand für dich auffangen.

Lösung Experiment:
Sitzt du im Wagen und übst mit deinen Armen oder beinen Kraft auf die vordere Wand oder das vordere Gitter auf. Überträgt sich diese Kraft auf den Boden des Wagen, von der auf die hintere Wand oder das hintere Gitter, von diesem auf deinen Rücken und von deinem Rücken in deinen Arm und von deinem Arm wieder auf die vordere Wand oder Gitter. Der Kräftekreislauf ist geschlossen - es kann keine Bewegung des Wagens stattfinden. 

Wirfst du jedoch aus dem Wagen einen schweren Gegenstand von dir, kannst du eine Bewegung des Wagens feststellen. Eventuell hast du schon gemerkt, dass das werfen eines schwereren Gegenstandes oder ein kraftvollerer Wurf, den Wagen weiter und schneller bewegen. Der Grund für diese Bewegung ist der Rückstoß. Wirfst du einen Sack Kartoffeln von dir, erzeugt du eine Bewegung und da jede Bewegung eine Gegenreaktion erzeugt, wirfst du nicht nur die Kartoffeln, die Kartoffeln werfen auch dich und da du dich gegen den Wagen gelehnt hast, überträgt sich diese Gegenkraft auf den Wagen und da dieser, durch seine Rollen, gegen den Boden beweglich gelagert ist, bewegt sich der Wagen nach hinten.

Häufig gestellte Fragen:
Eventuell hast du bei dem Experiment festgestellt, dass du den Wagen auch durch schnellen Vor- und Zurückwippen mit dem Oberkörper bewegen kannst, auch hier kommt der Rückstoß zum tragen, in dem Fall bist du der bewegte Sack Kartoffeln.

1. Januar 2023

Der "Führen"-Trigger, wie man prüft ob Jemand wirklich Ahnung vom Waffengesetz hat

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu mal wieder so einem Beitrag. Ich bin nämlich mal wieder über einen Trigger gestolpert, dieses mal völlig unabsichtlich aber eines nach dem Anderen. 

Für alle die nicht wissen, was den Trigger ist und gegen eine mögliche Verwechslung mit dem angelsächsischen Wort für Abzug, hier eine kurze Erklärung: Ein Trigger ist im Sprachgebrauch des Internets meist eine Frage, um ein gewisses Verhalten beim Gegenüber zu provozieren. Was meist nur als eher sinnbefreiter Spaß im Internet dient, hat in der Internet-Waffenkunde durchaus seine Berechtigung. Der Grund dafür liegt in der anwachsenden Masse von Kostumwaffen-Experten. Meist kann man mit einfachen Fragen, den sogenannten Triggern, schnell rausfinden, ob es sich um einen echten Experten handelt oder um Jemanden, der zumindest gründlich arbeitet.

Der neuste Trigger stammt mal nicht aus meinen Fachgebieten Waffengesichte oder Waffentechnik, sondern aus dem deutschen Waffenrecht. Es geht um das Führen von Waffen, also wann führt man eine Waffe?

Die meisten Leute, welche versuchen diese Frage zu beantworten, machen einen großen Fehler und zwar suchen sie nach der Definition von führen nicht im Waffengesetzt, sondern im allgemeinen Sprachgebraucht, im Sinn vom Führen eines Fahrzeuges, mit einem Führerschein oder dem mitführen eines Personalausweises oder sie führen gedanklich einen Hund spazieren. 

Das Worte in deutschen Gesetzten aber teilweise erheblich von ihrer umgangssprachlichen Bedeutung abweichen, dürfte die meisten wissen. Nicht umsonst ist Beamtendeutsch ein fester Begriff in der deutschen Sprache.

Dieser Fehler führt nun dazu, dass oft behautet wird, dass man zum Führen einer Waffe einen Waffenschein benötigt und dass man eine Waffe nur transportieren dürfe, wenn man lediglich eine Waffenbesitzkarte hat.

Ein Blick in das Waffengesetzt, fördert jedoch folgende Definition von Führen zu Tage:

Waffenrechtliche Begriffe
Im Sinne dieses Gesetzes, 
führt eine Waffe, wer die tatsächliche Gewalt darüber außerhalb der eigenen Wohnung, Geschäftsräume, des eigenen befriedeten Besitztums oder einer Schießstätte ausübt,
aus Anlage 1 (zu § 1 Abs. 4) Begriffsbestimmungen, Abschnitt 2 Punkt 4

Würde also bedeuten, dass man die Waffe immer führt, wenn man sie nach Draußen in die Öffentlichkeit trägt, egal ob jetzt offen, verdeckt oder super doll eingeschnürzt in ein dickes fettes Paket. Aber warum darf man dann als Sportschütze seine Waffe ohne Waffenschein zum Schießstand bringen? Die Antwort gibt es an einer anderen Stelle im Waffengesetz:

Einer Erlaubnis zum Führen von Waffen bedarf nicht, wer diese nicht schussbereit und nicht zugriffsbereit von einem Ort zu einem anderen Ort befördert, sofern der Transport der Waffe zu einem von seinem Bedürfnis umfassten Zweck oder im Zusammenhang damit erfolgt; 
aus § 12 Ausnahmen von den Erlaubnispflichten (3) Punk 2

Ah hier steht also, dass das Führen erlaubnisfrei wird, wenn man die Waffe verschlossen und nicht schussbreit Transportiert. Aber da steht ja transportiert. Ist also führen jetzt auch Transport?

Da ich mich mit dem Thema Waffenrecht nicht so gut auskenne, mache ich einfach das, was ich selber Leuten immer empfehle, die dich mit Waffentechnik nicht auskennen aber trotzdem darüber berichten wollen und zwar das Standardwerk zum Thema lesen oder zumindest ein einfaches Einführungswerk.

Das Einführungswerk wäre in unserem Fall: Einführung in des Waffengesetz Grundwissen für Jäger, Sportschützen, Sammler, Bootsführer und das Bewachungsgewerbe von Andreé Busche aus dem Jahre 2020 und da lesen wir auf Seite 51:

Schon der Transport einer Waffe von der eigenen Wohnung zum Schießstand ist Führen im Sinne des Waffengesetzes.

Sieht so aus, als wäre Transport auch Führen oder? Aber das ist ja nur die Einführung ins Waffengesetz, was steht denn nun im Standardwerk sprich in: Handbuch zum Waffengesetz 2021/2022 erschienen bei Juristischer Fachverlag Busche von 2022? Da lesen wir auf Seite 111:

Zu beachten ist das erlaubnisfreie Führen nach § 12 Abs. 3 WaffG, auch "Transport" genannt. Es ist erlaubnisfrei, aber Führen im Sinne des WaffG.

Ok, dass ist nun mehr als Eindeutig. Der korrekte Begriff ist also führen, nur muss man zwischen erlaubnispflichtigem führen und erlaubnisfreiem führen unterscheiden. Das Wort Transport, im Buch nicht ohne Grund in Anführungszeichen, ist ein unjuristisches Synonym für letzteres.

So jetzt wisst ihr wie ihr mit Fragen wie:

Was brauch ich, um eine Waffen führen zu dürfen?

oder 

Was ist der Unterschied zwischen Führen und Transport? 

 ganz einfach rausfinden könnt, ob jemand wirklich Ahnung vom Waffengesetz hat oder nicht.#

-Nachtrag-

Auf der Internetpräsents von Andre Busché findet sich übrigens ein praktisches Merkblatt mit dem Titel: 

Übersicht Transport von Waffen und Munition Stand 09/2020

Dem zu entnehmen ist der Satz:

Der Transport einer Waffe ist Führen im Sinne des Waffengesetzes

Wer hatte als erstes seinen Namen für "Sturmgewehr"?

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einer neuen Frage.

Welches das erste Sturmgewehr war, habe ich ja bereits geklärt aber von wann ist eigentlich der Name Sturmgewehr, nun von 1944 dem Zeitpunkt, als aus der MP44 der Propaganda zu liebe, das STg.44 wurde. Aber von wann sind die Namen dieser Waffe aus den anderen Sprachen sprich das russische Avtomat und das englische Assault Rifle?

Die englische amerikanische Assault Rifle ist leicht zu verorten und zwar im Jahre 1916, der Hochzeit der Grabenkämpfe des ersten Weltkrieges. Wie sicher jeder weiß, hat so eine Grabenkrieg verschiedene Phasen, eine dieser Phase wurde im angelsächsischen als die Assault Phase genannt. Es handelt sich dabei um exakt die Phase, zu welcher der eigene Artilleriebeschuss des gegnerischen Gaben bereits eingestellt wurde, um es den eigenen Truppen zu ermöglichen, sich dem gegnerischen Gaben auf die letzten Meter zu nähern, ohne von der eigenen Artillerie getroffen zu werden. Da der Gegner nun nicht mehr von der Artillerie niedergehalten wird, muss sich die vorrückende Infanterie selbstständig um die Niederhaltung der gegnerischen Stellung bemühen. Dafür besaßen die damals üblichen Infanteriegewehre jedoch nicht die nötige Feuerkraft und so wurde eine neue Waffe für genau diese Assault Phase gefordert sprich eine Assault Phase Rifle. Der Gedanke der US-Amerikaner drehte sich also um ein schwereres Gewehr und nicht um ein leichteres Maschinengewehr, wie bei den Deutschen. Das erste handfeste Ergebnis war die Lewis Assault Phase Rifle ein automatisches Gewehr, welches wegen seiner Patrone in Form der amerikanischen .30-03 heute nicht als Sturmgewehr durchgehen wird und welches es nicht zur Truppe schaffen wird. Trotzdem wird man bei der damals entstandenen Namensgebung der Assault Rifle bleiben. Übrigens hat es 1918 dann doch ein ähnliche Waffe zur Truppe geschafft, die BAR 1918, allerdings als Walking Rifle.

Das russische Wort Автомат in lateinischen Buchstaben Avtomat bedeutet schlicht nichts anders als einfach Automat, jedoch in der Verwendung als Feuerwaffenkategorie tritt es erstmals 1921 auf  und zwar als Kategorie für den Avtomat Federov. Wer sich jetzt gut auskennt könnte einwenden, dass dieses schnellfeuerfähige Gewehr für die japanische 6,5x50mm Patrone von 1916 stammt. Das ist richtig aber bei seinem ersten Auftreten zur zeit des russischen Zarenreiches nennt er sich noch Ружье-Пулемет (Ruzhje-Pulemjet) was merkwürdigerweise soviel bedeutet wie Flinten-Maschinengewehr, obwohl es sich bei der besagten Waffe ganz klar um eine gezogene Waffe also eine Винтовка (Vintovka) eine Büchse* handelt. Erst die Bolschewiki beheben diesen Fehler in ihren Dokumenten und so taucht die Waffe von Federov 1921 als AF (Avtomat Federova) in den Dokumenten auf. Oder der zuständige Schreiberling wusste so gar nicht mit der recht ungewöhnlichen Waffe anzufangen und verwendet deswegen einfach das generischste Wort, das noch irgendwie zutreffend war. Wie dem auch gewesen sein mag, das Wort Avtomat war gekommen, um zu bleiben. Der nächste bekanntere Avtomat findet sich in den 30er Jahren, als nachdem russischen Bürgerkrieg etwas Ruhe eingekehrt war, haben einige avantgardistische Waffenkonstruktoren den frischen Wind der frühen sowjetischen Wissenschaftsgläubigkeit dazu genutzt, sehr viel zu experimentieren. Eines dieser Experimente war der Avtomat Korovin von 1933, oft einfach AK-33, aus damaliger Sicht eine überdimensionierte Maschinenpistole für die Patrone 9x35mm (.351 Winchester SL), aus heutiger Sicht ein wichtiger Vertreter der Proto-Sturmgewehre.  Der Begriff Avtomat schlug jedoch auch beim  AVS-36 durch, der Автомат-Винтовка (Avtomat Vintovka) also der Automat-Büchse. Ob das jetzt eine eigenen Kategorie ist oder eine kombinierte Kategorie muss jeder selber entscheiden.

Fazit:

Wir stellen also fest:

Assault Rifle stammt von 1916

Avtomat von 1921

und Sturmgewehr von 1944 

Quellen:

  • The World's Assault Rifles von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson erschienen bei Ironside International Publishers inc., 2010
  • Assault Rifle, The Development of the Moddern Military Rifle and its Ammunition von Maxim Popenker & Anthony G. Williams erschienen bei The Crowood Press, 2004
  • Kalaschnikow, Das Genie und sein Lebenswerk von Edward Clinton Ezell erschienen bei dwj Verlags GmbH, 2011
  • Visier Spezial Nr.25 Kalaschnikow Der Konstrukteur und seine Waffe Vom AK 47 zum PK von Sascha Numßen, Dr. David Th. Schiller erschienen bei Vogt-Schild Deutschland GmbH, 2002
  • DWJ Extra 10 Maschinenwaffen II, Die technische Revolution von Dr. Elmar Heinz erschienen bei dwj Verlags GmbH, 2008