16. Juni 2014

Rollei 35 - Analog Kamera kurz Review

Hallo alle zusammen,

der Sommer steht vor der Türe oder eher gesagt hat der gute bereits begonnen. Besser gesagt, es ist Fotozeit und da es noch Leute geben soll, die noch nicht wissen, welche Kamera aus dem analogen Spektrum sie sich zulegen sollen oder sich eher fragen, ob die Kamera die gerade für einen spotpreis bei Ebay angeboten wird auch etwas taugt und zu ihnen passt - habe ich mich entscheiden, zu jeder Kamera in meinem Umfeld ein kleines kurz Review zu schreiben und zwar der Riehe nach.


Beginnen wir also mit der kleinen süßen Rollei 35 von Shnuffy, kaum größer als eine Bogbox passt sie in fast jede Hosentasche,also in fast jede, trägt man zu enge Jeans bekommt man das Ding leider nicht so praktisch untergebracht und man muss sich etwas anderes überlegen. Bei den Damen kommt sie dann eben in die Handtasche und bei Herren mit einer Vorliebe für enge Hosen halt in den Jutebeutel.


Für alle die sich für die Geschichte der Kamera und die genauen Funktionen interessieren, sie sehen bitte bei Wikipedia oder in der Anleitung der Kamera nach, ich konzentriere mich hier lediglich auf die Bedeutung der Kamera heute und wie praktisch ihre Bedienung ist.

Die Rollei 35 ist gut verarbeitet und zumindest der obere Silberne Teil besteht aus einem magnetischen Metall, wir testen hier übrigens die günstigere Singapore Version. Alles in allem macht die Kamera einen Soliden Eindruck und wiegt keine 400 Gramm. Jedoch sollte man sie möglicht schonen, denn bei der vielen Mechanik auf so kleinem Raum, schätze ich, dass ein Sandkorn oder ein heftigerer Stoß hier mehr Schaden anrichten können als bei normal proportionieren Kameras.


Das wichtigste zuerst das Objektiv, die Rollei 35 besitzt in ihrer Grundversion ein fest eingebautes 40mm Tessar Objektiv mit einer maximalen Blende von f3,5. Wem das nicht sagt, 40mm ist ein normal Objektiv das weder besonders weitwinkelig noch besonders Teleobjektiv maßig abbildet. Tessar ist ein von Carl Zeiss entwickelten Objektiv welches von mir und vielen anderen Leuten auch heute noch für eines der Schärfsten der Welt gehalten wird, ihr bekommt hier also ein ausgezeichnetes Objektiv im kleinen Format.





Hier mal ein Beispielbild damit ihr die Schärfe etwas besser beurteilen könnt. Einige von euch sollten dieses Bild noch von letztem Jahr kennen es entstand als eines meiner ersten analogen Bilder. Links übrigens die von meinem Labor eingescannte Version und rechts die aus unserem Canoscan 9000f, mit dem wir immer noch nicht so gut arbeiten können weil uns einfach die Zeit zur Einarbeitung fehlt.





Hier seht ihr einen kleinen Nachteil der kompakten Bauweise von Kamera und Objektiv. Könnt ihr die leichten Verdunklungen in den vier Ecken erkennen? Die leicht dunklen Ecken nennt man Vignettierung, heutzutage zwar ein beliebter Filter in der Kategorie Retro aber damals kam das ganze gar nicht gut an. Ich finde jedoch, dass es seinen Scham hat und einfach zur Rollei 35 gehört.



Wieder weiter mit der Kamera, praktischer weise hat man bei der Rollei 35 alle Elemente sofort im Blick wenn man von Oben auf sie hinab sieht. Offensichtlich ist die Kamera so gedacht, dass man sie sich erstmal vor den Bauch hält um alle Einstellungen zu treffen um sie anschließend vors Auge zu nehmen wo man nur noch den Bildausschnitt wählt und abdrückt.


Aber der Reihe nach. Als erstes stellt man die Entfernung am Objektiv ein, leider ist der Einstellgrad mit um die 90° nicht grade groß und auch einen irgend wie gearteten Widerstand hat der Ring nicht man muss also sehr vorsichtig und behutsam einstellen. Bei der Erfassung des richtigen Abstandes zur Bestimmung der Schärfe hilft einem die Kamera nicht, man sieht also nicht wann man die richtige Entfernung eingestellt hat, hierzu muss man entweder gut schätzen oder einen Externen Entfernungsmesser verwenden. Zur Not sollte man einfach eine größere Blenden Zahl wie 8 oder 11 wählen denn bei mehr Tiefenschärfe, also einem wenn ein größere Bereich im Bild scharf ist, fällt es am Ende weniger auf, wenn man falsch fokussiert hat. Und damit kommen wir zur Lichtmessung, die Rollei 35 besitzt einen eingebauten Belichtungsmesser mit CdS, dieser zieht aber leider direkt Storm sobald die Rollei 35 Licht sieht, man muss die Kamera also zum Batterie sparen immer im Dunklen halten. Leider hat unser Exemplar einen Wackelkontakt und misst nur, wenn man die Kamera auf den Boden richtet und da will man ja nicht messen. Der Fehler scheint aber recht verbreitet zu sein, denn einige Angebote Rollei 35 bei Ebay haben laut Beschreibung ein ähnliches Problem.


Trotzdem hier eine kleine Anleitung wie ihr mit dem Internen Belichtungsmesser arbeiten könnt. Ihr stellt die beiden Belichtungsräder der Rollei 35 auf eine Startposition wie hier 500 ( für eine 500stel Sekunde ) und 3.5 ( für Blende 3.5 ), guckt ob der weiße Zeiger im Kästchen unter dem, Auslöser nach linkt oder rechts wandert und passt bei drohender Unterbelichtung ( Zeiger weicht nach links ab ) die Belichtungszeit an in dem ihr sie von 500 langsam herunter setzt, aber Achtung ab 30 besteht Verwacklungsgefahr und ihr benötigt ein Stativ oder einen Blitz. Dabei müsst ihr immer dafür sorgen, dass die Rote Kelle, die wir mit unseren Einstellungen bewegen sich immer mit dem weißen Zeiger auf Deckung befindet.

Ups, das mit dem die Kamera auf ständig auf f3.5 stehen zu lassen ist eher eine schlechte Idee, eher f5.6. Denn bei erstem ist die Gefahr der falschen Fokussierung einfach zu groß und Blende 8 finde ich persönlich langweilig.

Das System mit dem Zeiger und der Kelle nennt sich übrigens das "Nachführ System" es entspricht dem auf heutigen Digital Kameras findenden M Modus. Jap das ist genau der Modus den die ganzen Pros benutzen. Die Rollei 35 funktioniert übrigens auch ohne Batterie, da die Kamera bis auf die Belichtung alles rein Mechanisch abwickelt. Die Rollei 35 bietet Verschlusszeiten von 1/500 Sekunde in ganzen Schritten bis eine halbe Sekunde und zudem noch B. An Blenden bietet sie von 3.5 bis 22 alles in drittel Schritten oder sogar Stufenlos, wenn man es hin bekommt die Platte unter dem Blendenrad gedrückt zu halten, dabei ist die Blendenformen ab f4 sichtbar achtecking.

Hier ein kleiner Einschub zu Spannhebel, Auslöser und dem ein und Ausfahren des Objektivs, denn diese Elemente habe ich ganz vergessen. Der Auslöser ist zwar mechanisch aber man benötigt keinen Bärenzeigefinder um ihn auszulösen, er verfügt zwar über einen leichten Vordruck aber ein keinen besten Druckpunkt. Mein pneumatischer Fernauslöser von Hama ist übrigens nicht stark genug um ihn auszulösen. Der Spannhebel hat mit gut °225 einen ungewöhnliche langen Weg, was wohl dem kompakten Design geschuldet sein wird. Wer nicht immer den ganzen Weg von der Ruheposition bis vor den Sucher spannen will, der kann auch in Etappen von  zwei mal 113° spannen, was mit etwas Übung um einigen schneller von der Hand geht, dazu spannt man einmal bis Hebel und Gehäuse eine grade Bilden, lasst den Hebel zurück schnellen und spannt noch mal bis man Widerstand spürt und lässt dann los. Das Objektiv kann zum besseren Transport eingefahren werden, dazu drückt und hält man den Knopf nahe am Auslöser und dreht das Objektiv ein paar Grad gegen den Uhrzeigersinn um es dann nach innen zu drücken, das ganze funktioniert übrigens nur bei gespannter Kamera. Um die Kamera wieder Schuss bereit zu machen, bei eingefahrenem Objektiv kann man logischerweise nicht fotografieren, zieht man das Objektiv einfach heraus und dreht es diesmal im Uhrzeigersinn, zum Ausfahren muss man nicht den Knopf drücken.


Zudem hat die Rollei 35 noch eine Iso-Einstellung und ein Merkrad für den eingelegten Film. Ersteres ist noch in Asa angegeben aber Asa und Iso sind beinahe identisch und ihr könnt die Iso Angabe auf der Filmpackung so eins zu eins als Asa Einstellen.


Das Merkrad ist lediglich für einen selber als Erinnerung gedacht, es besitzt keinerlei Funktion. Auch bin ich mir über die genauen Bedeutungen nicht ganz im Klaren. NEG steht wohl für alte schwarz/weiß Negative, Color NEG wohl für farbige Negative aber Color Sonne und Color Kunstlicht bezieht sich wohl auf eine Ära in denen Diafilme noch auf den Lichttypus abgestimmt sein mussten.

Beim kleine runde Loch vor dem Rollei 35 Schriftzug handelt es sich um die separate Optik des Belichtungsmessers, dieser sitzt parallel zur Optik der Kamera. Verdeckt man also absichtlich oder aus versehen das Objektiv der Kamera so misst der Belichtungsmesser nachwievor korrekt, verdeckt man jedoch ihn so vermisst er sich, also immer aufpassen dieses Löchlein nicht zu verdecken.

Recht neben dem Schriftzug befindet sich der Sucher, durch diesen sehen wir hindurch, sobald wir Blende und Verschlusszeit bestimmt haben. Dabei verläuft dieser ebenfalls parallel zur Optik und ist in keiner Art mit dieser gekoppelt, man kann also weder bestimmen, ob das Bild richtig scharf gestellt wurde, noch ob es richtig belichtet ist. Auch der Bildausschnitt ist nur wage, denn Objektiv und Sucher sind um gute 3,5cm versetzt um desto näher das Motiv kommt um desto größer wird die "Parallaxe" also der Unterschied zwischen dem was später aufs Bild kommt und dem was man man durch den Sucher sieht. Mit dieder und jeder anderen Sucher Kamera sollte man also entweder den Bildausschnitt großzügiger wählen oder immer ein paar Millimeter gegensteuern.


Die Rollei 35 war lange Zeit die kleinste Kleinbild Kamera der Welt und durch ihre Kompakte Bauweise mussten einige Bedienelemente, die sich bei anderen Modellen auf dem Gehäuse befinden - auf die Unterseite der Kamera wandern.


Hier finden sich von links nach rechts der Blitzschuh, der Zerlegeschieber, das Stativgewinde mit umliegendem Bildzäher und die Rücksuhlkurbel.

Ja die Rollei 35 hat einen einfachen Blitzschuh natürlich ohne jede Automatik aber mit Kontakten. In Kombination mit einem Blitz, hat die Rollei 35 einen großen Vor- und einen großen Nachteil. Der Vorteil ist ihr Zentralverschluss, denn eine Blitzsynchronzeit hat sie einfach nicht, selbst mit 1/500 Sekunde kann man noch blitzen. Der Nachteil besteht darin, dass man die Rollei 35 falsch herum halten muss, damit das Blitzlicht von oben kommt und nicht von unten. Von unten belichtete Menschen sehen immer aus wie Monster.

Der Bildzähler ist nichts besonderes und auch Rückspuhl kurbel erkläre ich später gesondert. Wir öffnen jetzt erstmal die Kamera, indem wir den Sperrschieber, hier zwischen Blitzschuh und Gewinde, nach außen drücken hier, also oben.


Nicht erschrecken, denn jetzt löst sich praktisch die gesamte Hinterwand und außerdem klappt noch die Filmandruckplatte nach außen. Das Filmeinlegen ist denkbar einfach, auch wenn ich damit damals so meine Probleme hatte, als ich das zum erste mal getan habe. Man legt einfach die Patrone nach rechts, zieht den Film über die Film ebene und fädelt die Lasche einfach so tief in eine der Spulenspalten wie es geht. Jetzt spannt man die Kamera und drückt ab. Sollte der Film dann nicht stramm gezogen sein, macht man das ganze noch mal, also auslösen Spannen. Die Rollei 35 zieht zum Start immer ein klein bisschen mehr Film als zb. die Av-1 aber das ist normal.




Liegt der Film soweit plan, klappt man die Andruckplatte nach oben und schiebt anschließend die Rückseite wieder zurück in ihren Schienen über die Kamera.


Die Rollei 35 versucht zwar ihr möglichstes besonders schonend zu Filmen zu sein aber ihre reine auf engstem Raum komprimierte Mechanik lässt das nicht immer zu. Besonders lange abgelaufenen Filme und Eigenbauten wie DiY Redscale sollte man nur mit Vorsicht in eine Rollei 35 einlegen. Unser Testfilm ein seit geschätzt drei Jahren abgelaufener Kodak E100 hat die Prozedur jedoch unbeschadet überstanden.


Ist der Film verschossen so muss man ihr in seine Dose zurückspulen um dies zu tun müssen wir erstmal das Trasportwerk entriegeln, dies tun wir mit dem auf dem Bild oben gut zu sehenden Hebel, der mit einem R gekennzeichnet ist, diesen drehen wir nach oben wo er den Spannhebel zur Sicherheit blockiert.


Haben wir das getan so klappen wir die Kurbel auf der Unterseite aus und drehen sie langsam mit dem Uhrzeigersinn bis diese in eine der zwei Kerben einrastet, jetzt heißt es vorsichtig sein, denn durch die harte Andruckplatte werden nicht nur unsere Bilder vor Geometrischen Knicken in Filmmaterial und Bild bewahrt, sondern das Rückspulen erfordert dadurch auch besonderes Gefühl. Schnell drehen bis der Film wieder in der Dose ist ist also nicht, hier muss man mit Gefühl vorsichtig spulen bis es im Gehäuse hörbar Knack macht und sich die Kurbel auf einmal ohne Widerstand drehen lässt.


Der Style der Rollei 35 ist meiner Meinung nach zeitlos klassisch, dies sieht man vor allem daran, dass sieh in den üblichen Hipsterposen keine so gut Figur macht wie zb. eine Canon Ae-1. Ob wohl dieses Bild hier geht eigentlich noch mit den orangen Schnürsenkeln und der lilanen Linsenspiegelung.








Wohler als im hippen Hipsterstyle fühlt sich die Rollei 35 natürlich in der klassischen Richtung. Nur leider habe ich gerade keine dazu passenden Klamotten draußen rumliegen aber eventuell reiche ich entsprechende Bilder irgendwann nach.


Die Rollei 35 macht meiner Meinung nach zwar einiges her aber da sie so klein ist erkannt man sie auf den ersten Blick meist nicht, außerdem kann man sie ja schlecht sässig um den Hals tragen ohne ständig Batterie zu vergeuden.


Fazit: die Rollei 35 ist eine extrem kleine sehr hochwertige Kamera, die aber nicht immer einfach zu bedienen ist und die einen ein wenig ausbremst, da man sie erst in Bauchhöhe einstellen muss bevor man sie ans Auge nehmen sollte. Auch schneller Filmwechsel ist mit ihr eher nicht angesagt, dafür liefert sie dank Tessar Obkitv gute scharfe Bilder wenn auch mit leichter Vignette. Dafür macht sie optisch einiges her.

Wenn ihr euch eine Rollei 35 oder eine ihrer Varianten wie die um eine halbe Blende hellere Rollei 35 S zulegen wollt zahlt ihr dafür bei Ebay meist 100 Euro oder darunter. Das gute Stück ist also nicht immer ganz billig, also nicht so günstig wie die ein oder andere Spiegelreflexkamera.

So, das war unser "kurzes" Review zur Rollei 35, das doch etwas länger geworden ist als veranschlagt. Wir hoffen es hat euch gefallen bis dann mit der Praktica MTL 3.

Kommentare:

  1. "Color Sonne" und "Color Kunstlicht" bezieht sich auf Diafilm mit niedriger Lichtempfindlichkeit für Aufnahmen draussen bei Sonnenschein und Diafilm mit hoher Lichtempfindlichkeit für Innenräumen mit Kunstlicht

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    1. So was hatte ich mir schon gedacht, das gibt es ja heute wieder mit dem CineStill Film.

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