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16. Oktober 2022

Die zehn besten Bücher zum Thema Funktion von Handfeuerwaffen

Hallo alle zusammen und damit herzlich Willkommen zu einem neuen kurzen Beitrag. Selbiger dreht sich heute um die Frage, für welche 10 Bücher ich am ehesten denn eine Leseempfehlung rausgeben würde, wenn es um das Thema Waffentechnik von Feuerwaffen geht.

Der Übersicht halber habe ich mir die fünf besten deutschen und die fünf besten englischsprachigen Fachbücher rausgesucht und zwar in jeweils der Reihenfolge in welcher ich diese Bücher zu lesen empfehlen würde. Dabei muss ich allerdings deutlich sagen, dass der Einstieg in jedem Fall ein Sprung ins kalte Wasser darstellt.

  • 1. Handfeuerwaffen ein systematischer Überblick
  • 2. Vom Pulverhorn zum Raketengeschoss
  • 3. Maschinenwaffen 1 und 2
  • 4. Waffenlehre Grundlage der Systemlehre
  • 5. Verschlusssysteme von Feuerwaffen

  • 6. Hatcher's Notebook
  • 7. Tactical Small Arms of the 21st Century
  • 8. The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism
  • 9. Handbook On Weaponry
  • 10. Engineering Design Handbook Automatic Weapons

1. Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick über die Handfeuerwaffen und ihre Geschichte Band I & II von Jaroslav Lugs ist zwar schon etwas älter aber faktisch immer noch großartig und bei weitem am einfachsten zu verstehen. Das Buch kann man als Doppelband antiquarisch für einen klein erwerben. Dabei enthält der erste Band den Text und der zweite die dazu passenden Bilder. Gemütlich im Bett lesen, kann man diese Bücher also leider nicht.

2. Vom Pulverhorn zum Raketengeschoss: Die Geschichte der Handfeuerwaffen-Munition von Manfred R Rosenberger und Katrin Hanné behandelt zwar nicht direkt die Technik von Handfeuerwaffen, sondern die Munition Selbiger. Mit der Lektüre dieses Bucher verhindert ihr, dass euch später nötiges Basiswissen fehlt, denn Munition stellt die Grundlage der Waffenfunktion. Das Buch ist antiquarisch für einen mittleren Preis erhältlich.

3. Maschinenwaffen 1 Als die Technik laufen lernte & 2 Die technische Revolution erscheinen als DJW Extras sind eigentlich keine Fachbücher sondern zwei Periodika Sonderausgaben mit einer Reihe von Fachartikeln. Die vergleichsweise einfach geschriebenen Artikel bieten einen guten Einstieg ins Thema; haben aber das Problem, dass die verschiedenen Artikel in verschiedenen Waffensprachen verfasst wurden. Die Hefte können gebraucht erworben werden.

4. Arbeiten zu Studium und Praxis im Bundesgrenzschutz: Waffenlehre Grundlage der Systemlehre von Wolfgang Pietzner ist nie offiziell für den öffentlichen Markt erschienen oder von offizieller Stelle freigegeben worden. Trotzdem fördert eine kurze Internetsuche schnell ein Dokument im PDF-Format zutage. Das Buch ist gut geschrieben aber leider in der sogenannten amerikanisierten Waffensprache verfasst, welche bei einigen Begriffen von den anderen Werken abweicht.

5. Verschlusssysteme von Feuerwaffen und der Ergänzungsband 1 von Peter Dannecker stellen im deutschen Raum dem Goldstandard dar. Das einzige Problem an dem Buch ist, dass man ein wenig technisch physikalische Vorbildung benötigt, um alles zu verstehen. Das Buch und der Ergänzungsband sind noch neu beim DWJ-Verlag zu erwerben.


6. Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book for, Shooters, Gunsmiths, Ballistics, Historians, Hunter and Collectors von Julian S. Hatcher ist genau das und zwar ein Notizbuch. Diese Form kann einige Leser verwirren, denn Hatcher behaltet einfach alles mit dem er in seiner Zeit zu tun hatte. Man muss sich also die Themen raupicken welche für einen selber interessant sind. Aufgrund der us-amerikanischen Rechtslage ist das Buch im Internetarchiv verfügbar. Alternativ findet man auch günstige Nachdrucke.


7. Tactical Small Arms of the 21st Century von Charls Cutshaw behandelt zwar Waffen-Technik nicht in erster Linie dafür aber knapp, bündig und gut verständlich mit großen Abbildungen. Das Buch ist antiquarisch zu erwerben oder kann über das Internetarchiv digital ausgeliehen werden.

8. The Machine Gun Vol. IV Design Analysis of Automatic Firing Mechanism von Georg M. Chinn ist zwar eines der besten Bücher zum Thema aber leider nicht das verständlichste. Nach einer in der Regel noch lesbaren schriftlichen Erklärung zu den einzelnen Systeme; folgen oft Graphen und Formalen welche ein gewisses Maß an technischer Vorbindung erfordern und zwar nach US-Standard, was leider nicht jeder Leser mitbringen kann aber auch so kann man einiges aus dem Werk mitnehmen. Dank der US-Gesetze ist das Werk im Internetarchiv frei verfügbar.

9. Handbook On Weaponry oder in der deutschen Fassung Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch von eben der Rheinmetall GmbH bzw. Dr. R. Germershausen ist ein Handbuch für die Mitarbeiter des großen deutschen Rüstungsunternehmens. Aber genau da liegt das Problem, das Buch verlangt noch ein wenig mehr technisches Vorwissen und orientiert sich eher an den Nomenklaturen der Geschütztechnik. Zudem erklärt der knappe Text wenig und so muss man sich viel aus den Grafiken erschließen. Das Buch wurde von Rheinmetall freigegeben und ist auf englisch und deutsch im Internetarchiv abrufbar.

10. Engineering Design Handbook, Gun Series, Automatic Weapons vom United States Army Materiel Command ist ein Handbuch welches dem Personal der US-Armee bei der Entwicklung von Feuerwaffen unter die Arme greifen soll und auch kann, denn das Werk gleicht eher einer Formalsammlung als einer schriftlichen Erklärung. Vorwissen in physikalischer Mechanik sowie in Algebra sind also fast zwingend notwendig. Aufgrund der US-Gesetze ist das Buch im Internetarchiv verfügbar.

Zum guten Schluss noch ein  Sonderfall, welcher nicht unerwähnt bleiben darf und zwar das deutsche Werk Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr und ihre Begleiterscheinungen von C. Cranz es stellt nichts weniger als die Grundladen der Waffentechnik dar, weil hier auf gut 450 Seiten alleine das beschrieben wird, was ein Geschoss so im Rohr macht. Allerdings kann diese extrem ausführliche Beschreibung Anfänger oft abschrecken. Das Buch ist nach wie vor beim Springerverlag erhältlich, auch wenn antiquarische Exemplare oft günstiger zu bekommen sind.

So, das war es dann mit meinen Empfehlungen. Wie gesagt gibt es leider nur diese Fachbücher und diese zwei Zeitschriften und kein einfaches Sachbuch, welches das Thema fehlerfrei auf einfache weise darzustellen vermag. Waffentechnik zu verstehen ist eben Arbeit und nichts, was man sich mal eben, beim überfliegen eines schlecht übersetzten Sachbuches, aneignen kann.

Hübschere Version nun auch mit Bildern. Danke an Shnuffy dafür.

21. Juni 2022

Hat "Moderne Handfeuerwaffen" von "Infanteriewaffen Heute" abgeschrieben?

Hallo alle zusammen und damit herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag.

Na da bin ich ja mal  wieder über eine schöne Kuriosität in der deutschen Waffenliteratur gestolpert aber eines nach dem anderen, denn die Geschichte ist echt lustig. Alles hat damit angefangen, dass ich mir vor einigen Monaten ein Video der Waffenlords angesehen habe. Ihr wisst schon diese deutschen Jungs, die mit Pappys Waffen spielen dürfen und darüber unfassbar schlechte YouTube drehen.

Ich frage mich ja schon länger, woher die Junge den Unsinn haben, den sie so über Pappas Waffen erzählen. Sie sagen zwar in ihren Videos immer, dass ihr Wissen aus Fachliteratur stammt aber selbst auf mehrmalige Anfrage können sie weder einen Autoren noch einen Titel nennen. Aber im besagten Video wurde etwas so unfassbar krudes behauptet, dass ich da einfach mal nachsehen musste. Dazu sollte ich eventuell kurz erwähnen, dass man nicht jede Falschaussage unbedingt gut in die Fachliteratur zurück verfolgen kann aber wenn der Fehler extrem komisch ist, wird es in der Regel recht einfach, weil besonders krude Fehler nicht so oft abgeschrieben werden.

Der Fehler um den es geht ist folgende Behauptung:

"Der IMI Galil* hat Bohrungen, durch welche die Pulvergase strömen, dabei säubern diese Pulvergase den Verschluss der Waffe."

Dass das völliger Unsinn ist, sollte jedem klar sein. Aber meine Frage war jetzt, wo die Waffenlords diese Behauptung aufgeschnappt haben könnten. Und wie immer, wenn es darum geht Unsinn in der deutschen Waffenliteratur ausfindig zu machen, gibt es grundsätzlich immer zwei Verdächtige. Und zwar genau die beiden Bücher, welche auch für das Groß des Unfugs in der deutschen Wikipedia verantwortlich sind.

Einmal das Buch Schützenwaffen Heute ein Buch aus der ehemaligen DDR, das früher Anfängern oft empfohlen wurde aber heute als hoffnungslos veraltet gilt und Moderne Handfeuerwaffen aus der Reihe Waffen und Gerät - ihr wisst schon, diese rechteckigen Kladden, die an der kürzeren Seite Gebunden sind. 

Da ich zum Glück nur erstes Buch habe, hab ich da auch gleich mal nachgesehen aber meinen Mitautoren mal gebeten, im zweiten nachzusehen, da mein geschätzter Helfer ja ein Herz für schlechte Waffenbücher hat, besitzt Danny natürlich ein Exemplar von Moderne Handfeuerwaffen.

Ich bin dann in Schützenwaffen Heute auch sehr schnell fündig geworden und so finden sich im ersten Band ganz hinten bei Israel auf Seite. 261-262 die folgenden Worte:

"Durch die secht Bohrungen des Gaskolbenführungsringes entweicht eine geringe Menge des Gases nach hinten, reinigt dabei Verriegelungszapfen, Stoßboden und Zubringer. Verschmutzung durch Sand, Wasser oder Schlamm werden somit vermieden."

Nun dachte ich mir schon, dass wir nun die Quellen des Wissens der Waffenlords kennen aber kaum hatte ich das gedacht, meldet sich mein Mitautor bei mir, um mir zu erklären, dass in Moderne Handfeuerwaffen auf Seite 112-113 folgendes zu lesen ist:

"Durch sechs Bohrungen im Führungsring des Gasklobens strömt eine geringe Menge der Pulvergase nach hinten und reinigt dabei Verriegelungswarzen, Stoßboden und Gleitbahn des Verschlusses, wodurch Verschmutzungen und Funktionsstörungen durch Sand, Wasser oder Schlamm vermieden werden."

Der Übeltäter, Moderne Handfeuerwaffen, Ian Hogg
Das ist ja ziemlich offensichtlich Beiname der gleiche Text. Wie gelangt denn der Text eines Buches aus der ehemaligen DDR in ein Buch, welches angeblich aus dem Englischen übersetzt wurde? Moderne Handfeuerwaffen stammt übrigens von Ian V. Hogg und heißt im Original Small Arms: Pistols and Rifles und ist bei Greenhill Military Manuals erschienen.

Das naheliegendste ist natürlich, dass Willi Kaiser, der Übersetzer von Moderne Handfeuerwaffen, bei den Autoren von Infanteriewaffen Heute abgeschrieben hat, was ja eigentlich nicht seine Aufgabe war, er sollte lediglich übersetzten. Um hier Klarheit zu schaffen, müsste man sich nun das englische Original ansehen aber das scheint ,stand 21.06.2022, keiner zu besitzen, den ich kenne und auch in keiner deutschen Bibliothek zur Einsicht verfügbar zu sein.

Fazit: Modere Handfeuerwaffen sollte man nach wie vor nicht als seriöse Quelle ansehen.

P.S.

Interessant sind zudem die keinen Änderungen wie von Gaskolbenführungsringes zu Führungsring des Gasklobens oder von Zubringer zu Gleitbahn des Verschlusses. Was übrigens zwei verschiedene Sachen sind, das eine bezieht sich auf die Platte im Magazine, welche die Patronen nach und nach nach Oben befördert und das anderen kennen wir einfach als Verschlussbahn. Warum hier getauscht wurde bliebt unklar.

Das beiweitem interessantestes sind aber die technisch korrekten Verriegelungszapfen welche aber zu genau den Verriegelungswarzen wurden, welche einige Waffentechniker versuchen sprachlich auszurotten, da es sich um einen untechnischen Begriff handelt.

Nachtrag vom 21.04.2023

Da man sich das englischsprachige Original mit dem Titel Small Arms: Pistols and Rifles mittlerweile bei Archive.org digital ausleihen lässt, habe ich natürlich sofort doch nachgesehen und konnte feststellen, dass sich im Kapitel über Galil und Galatz auf den Seiten 120 bis 123 (Link) der Unsinn mit der Selbstreinigung nicht auffinden lässt. Auch eine Auskopplung mit dem Titel Modern Military Rifles von John Walter, mit beinahe identischem Text, lässt im Kapitel über den Galil auf den Seiten 85 bis 86 (Link) die Selbstreinigung vermissen. Dafür wird dort jedoch angegeben, dass der Galil AR keinen Spanngriff (cocking handle) mehr besitzen würde, wahrscheinlich war hier Tragegriff (carrying handle) gemeint. 

*Galil (heb. גליל) bedeutet Galiläar, also eine männliche Person die in der Gegend von Galiläa wohnt. Es ist folglich der Galiläa, wie es dann der Galil ist.

3. Mai 2022

Die Suche nach dem Buch in dem Masseverschlüsse durch Rückstoß angetrieben werden

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Post zum Thema Waffenkunde, welcher wohl in die Kategorie der Waffengeschichte fällt oder auch der Waffensemantik (Waffensprache).

Und zwar ist mir folgendes Kuriosum aufgefallen, in einigen Büchern werden ja Masseverschlüsse zu den Rückstoßladern gezählt, weswegen Einige denken, dass Masseverschlüsse wirklich durch den Rückstoß angetrieben werden. Aber dann ist mir neulich beim Durchlesen eines dieser Bücher aufgefallen, dass dort zwar Rückstoßlader steht aber im Fließtext ganz eindeutig beschrieben wird, dass der Gasdruck den gemeinten Masseverschluss antreibt. Ich fand das natürlich kurios, hab mich aber erinnert, dass mir das vor Jahren schon mal in einem anderen Buch aufgefallen war. 

Ich hab das Ganze dann auch mal in einer kleinen Runde angesprochen, hab aber nur zu hören bekommen, dass das dieses Kuriosum normal sein und dass man es so in fast jedem Buch finden wird. Sprich: Auch wenn ein Fachbuch Masseverschlüsse Rückstoßlader nennt, dass es dann im Fließtext so gut wie immer heißt, dass der Gasdruck den Masseverschluss antreibt. Beziehungsweise die vom Gasdruck nach hinten rausgeschobene Hülse.

Natürlich hab ich mich dann gefragt, ob es nicht wenigstens ein einziges deutsches Fachbuch zum Thema Waffentechnik gibt, in dem als Rückstoßlader bezeichnete Masseverschlüsse denn auch vom Rückstoß angetrieben werden. Das dürfte ja nicht so schwer sein.

Also hab ich mich auf die Suche gemacht aber vorher folgende Kriterien aufgestellt:

  • A: Es muss sich wirklich um ein Fachbuch handeln, also ein wirkliches Buch und kein Heft. Zudem muss es in einem richtigen Verlag erschienen sein.
  • B: Es muss sich sich um ein Buch handeln, welches die Technik von Handfeuerwaffen entweder zum Kernthema hat oder es muss einen großen Technikteil von mindestens 10% der Gesamtseitenanzahl haben.
  • C: Wenn es eine englische Version des Buches gibt, darf in dieser nicht Blow-Back stehen.
  • D: Es muss deutlich aus dem Fließtext hervorgehen, dass Masseverschlüsse vom Rückstoß angetrieben werden.
  • E: Das Buch muss die jeweils aktuellste Ausgabe sein und es darf kein anderen Wert des Autoren geben in welchem er den Fehler nicht gemacht hat.
Mich  beschleicht nämlich langsam das Gefühl, dass es ein solches Buch gar nicht gibt. Ich werde also ab jetzt mal die Augen offen halten und aus diesem Grund auch immer wieder diesen Beitrag hier aktualisieren.

Damit es nicht ganz umsonst ist, wenn ich mal nichts finde, werde ich auch die negativen Ergebnisse dokumentieren. Der Übersicht halber werde ich alle Bücher in folgende Kategorien einteilen:
  • Klasse 1, Masseverschlüsse werden als Gasdrucklader oder Rückdrucklader benannt.
  • Klasse 2, Masseverschlüsse werden nicht in eine Richtung gehend bezeichnet aber als Gasdrucklader beschrieben.
  • Klasse 3, Masseverschlüsse werden als Rückstoßlader benannt aber als Gasdrucklader beschreiben
  • Klasse 3b, Masseverschlüsse werden als Rückstoßlader benannt aber in der englischen Version heißen sie Blow-Back.
  • Klasse 4, Masseverschlüsse werden als Rückstoßlader benannt und auch so beschrieben.
  • Klasse 5, Masseverschlüsse werden als Gasdrucklader benannt aber als Rückstoßlader beschrieben.
Klasse 1:

Hier sind die Hauptwerke der deutschen Waffentechnik vertreten, die ich später ergänze, da sie eh jeder kennt.

Klasse 2:

Moderne Faustfeuerwaffen Gerhard Bock 1911
"Der auf den Boden der Hülse wirkende Gasdruck sucht die Hülse zurückzutreiben;" Seite 174

Handbuch der Faustfeuerwaffen G. Bock, W. Weigel 1964

"Der auf den Boden der Hülse wirkende Gasdruck such die Hülse zurückzutreiben." Seite 163 

Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen 1871-1945 Hans-Dieter Götz 1981 B

"Der Schuß bricht und der Gasdruck im Lauf wirkt sich einerseits auf das Geschoß, andererseits auf den Verschluß aus. Beide setzen sich in entgegengesetzte Richtungen in Bewegung." Seite 225
Klasse 3:

Schützenwaffen Heute (1945-1985) Günter Wollert, Reiner Lidschun, Wilfried Kopenhagen 1998
"Bei diesen Schützenwaffen wird die Energie der Pulvergase über die Patronenhülse auf den Verschluss übertragen." Seite 40

"Sobald der Druck der Pulvergase entsprechen angestiegen ist beginnt der Rücklauf des Verschlusses zusammen mit der Hülse." Seite 40

Waffenschmidt, Waffen- und Munitionstechnisches Handbuch, Karl Böhlein, Rolf Brand 1968
"[...], bei denen ohne besondere Gasentnahmeeinrichtung der Druck der Pulvergase nach hinten (Rückdruck) über den Patronenboden direkt zum Antrieb des Schlosses verwendet wird." Seite 12

Waffenlehre für die Bundeswehr, Heiz Dathan 1972 

"Die großen Gasmengen üben nunmehr einen allseitig hohen Druck auf den Patronen- bzw. Kartuschenboden und damit auf den Waffenverschluß [...] aus." Seite 19

"Gleichzeitig drücken die Pulvergase auf die Patronenhülse. Die Hülse überträgt einen Teil des Gasdrucks auf den Verschluss, wodurch der Rücklauf eingeleitet wird." Seite 170

Die offizielle Geschichte der Oberndorfer Firma Heckler&Koch, Kersten & Schmid 1999 B

"Die Pulvergase treiben das Geschoß an, Gleichzeitig drücken die Pulvergase auf  die Patronenhülse. Die dabei auf den Stoßbodenfläche des Verschlußkopfes wirkenden Kräfte werden über die Verschlußrollen [...] auf den Verschlussträger übertragen." Seite 154

Waffenkunde für Sammler vom Luntenschloss zum Sturmgewehr Hans-Dieter Götz 1972 B
"Beim Schuß, wenn die Pulvergase auf den Hülsenboden der Patrone und damit auf den Verschlußkopf wirken," Seite 169

Mit Pulver und Blei,  kleine Waffenkunde für Liebhaber, Hans-Dieter Götz 1972 B

"Die Pulvergase, die sich beim Schuß entwickeln, wirken gleichmäßig nach allen Seiten. Da daß Geschoß leichter zu bewegen ist als [...] Verschußstück, [..] nimmt das Geschoß auch rascher Geschwindigkeit auf, der Verschluß dagegen setzt sich nur langsam in entgegengesetzte Richtung in Bewegung[...]" Seite 135 

Klasse 3b:

Das Maschinengewehr Die Geschichte einer vollautomatischen Waffe F.W.A. Hobart 1973 C
"[...] die durch den Gasdruck zurückgetriebene  Hülse drückt auch den Verschluss zurück," Seite 11
Klasse 4:

Hier konnte ich leider noch keine Bücher finden, welche die Kriterien erfüllen.

Klasse 5:

Wehrtechnischen Studiensammlung Teil 1 Band 2 Die Selbstlade- und automatischen Handfeuerwaffen Dieter Heinrich 1986 B
"[Tabelle] Rohr gehäusefest; Verschlußlader; Direkter Gasantrieb; unstarre Verriegelung" Seite 21

"Direkter Gasantrieb; Der entgegen der Schußrichtung auf den Hülsenboden wirkende Reaktion-Impuls (Rückstoß) bzw. die in Schußrichtung wirkenden Reibungskräfte[...] dienen als Antrieb." Seite 22

Anmerkung:

Ich weiß, dass nicht alle Bücher meine oben genannten Bedingungen erfüllen aber ich hatte sie halt eh schon in der Hand.

Zwischenfazit: 

Ich habe jetzt die üblichen Verdächtigen durch aber irgendwie scheint es Bücher, bei welchen Waffen mit Masseverschlüssen wirklich als durch den Rückstoß angetrieben beschrieben werden nicht zu geben zumindest nicht unter den seriösen Werken. Das einzige Buch, das ich bis her mit einer entsprechenden Beschreibung finden konnte, ist der Katalog der wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz. Und da ist das kuriose, dass die Waffen zwar als rückstoßbetrieben beschrieben werden aber als Gasdrucklader benannt werden. Aus diesem Grund musste ich auch die kuriose Klasse 5 nachtragen.

Selbst in Heiz Dathans Waffenlehre für die Bundeswehr ist der Fehler so nicht auffindbar und das, obwohl Peter Dannecker dieses Werk als Ursprung des Fehler benennt. Dathan benennt und beschreibt die Maschinenpistole MP2 "Uzi" zwar als Rückstoßlader jedoch aus dem Grund, da er der Waffe eine Zündung während des noch stattfindenden Verschlussvorlaufes attestiert. 

Die Suche geht weiter, sachdienliche Hinweise bitte in die Kommentare oder an Blogname@live.de